Freitag, 20. September 2019

Kursziel verfehlt, Wandelanleihe fällig Tesla muss 920 Millionen Dollar Schulden in bar begleichen

Dumm gelaufen: Elon Musk muss 920 Millionen Dollar Schulden in bar begleichen - und weitere Anleihen im Volumen von mehr als vier Milliarden Dollar werden in den nächsten Jahren fällig

Tesla muss zur Begleichung einer fälligen Wandelanleihe einen erheblichen Teil seiner liquiden Mittel auskehren. Weil die Tesla-Aktie das durchschnittliche Kursziel klar verfehlte, zahlt Elon Musk nun 920 Millionen Dollar in bar aus - Spekulanten, die gegen Tesla wetten, sehen sich bestätigt.

920 Millionen Dollar sind kein Betrag, den man mal so eben bar bezahlt. Doch genau dazu sieht sich Tesla jetzt gezwungen, um eine fällige Wandelanleihe auszuzahlen. Die Überweisung an die Gläubiger verschlingt damit gut ein Viertel der liquiden Mittel von rund 3,7 Milliarden Dollar, die der Elektroautobauer zum Jahresende in seiner Bilanz stehen hatte.

Dabei hatte Tesla darauf gesetzt, die Schulden zur Hälfte in Aktien zurückzahlen zu können, wie das "Wall Street Journal" am Wochenende berichtete. Dafür allerdings hätte der Aktienkurs im Mittel über einen längeren Zeitraum bei rund 360 Dollar liegen müssen. Das Ziel verfehlte Tesla Börsen-Chart zeigen klar - die Aktien des Autobauers waren am vergangenen Freitag mit Verlusten von 8 Prozent unter die 300-Dollar-Marke gefallen und gaben am Montagnachmittag weitere 3 Prozent nach

"Dies ist der jüngste Albtraum für das Unternehmen", zitiert die Zeitung David Kudla, Chef von Mainstay Capital Management. Die Gesellschaft zählt zu jenen Akteuren am Kapitalmarkt, die auf einen Kursverfall der Tesla-Aktie wetten. "Teslas Fähigkeit, sich Kapital auf den Märkten zu beschaffen, wird immer mehr eingeschränkt", sagt Kudla. Auf jeden Fall dürften Anleger bei der nächsten Ausgabe von Wandelanleihen deutlich bessere Konditionen verlangen - also einen erheblich größeren Coupon, betonen dem Bericht zufolge auch andere Experten.

Finanzielle Lage von Tesla bleibt angespannt

Zwar hatte Tesla-Chef Elon Musk bereits im Januar in einem Brief an die Aktionäre erklärt, über ausreichende Barmittel zu verfügen, um die Schulden zurückzuzahlen. Doch die finanzielle Lage des Autobauers bleibt trotz der anlaufenden Auslieferungen des Model 3 in Europa angespannt, wie die jüngste Ankündigung zeigt: So hatte Tesla erklärt, seine Fahrzeuge nur noch online verkaufen zu wollen und die Tesla-Stores vereinzelt allenfalls noch als Showroom zu nutzen - ein "außergewöhnlicher Schritt", wie das "Wall Street Journal" anmerkt.

Andererseits verständlich: Bei einem Schuldenberg von zuletzt rund 9,4 Milliarden Dollar muss Tesla mehr Kostendisziplin üben, was bereits Mitte Januar in der Ankündigung mündete, dass der Autobauer 7 Prozent der Stellen streichen werde.

Überdies werden in den nächsten Jahren Anleihen im Volumen von insgesamt 4,1 Milliarden Dollar fällig, wie Bloomberg vorrechnet. Und Quartalsgewinne sind bei Tesla alles andere als ein Selbstgänger: So hatte Musk auch angekündigt, dass er im laufenden Jahr erst im zweiten Quartal wieder mit einem Gewinn rechne.

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