Freitag, 22. November 2019

Niedrige Börsenpreise Huch, Strom wird ja (fast) gar nicht teurer

Windpark in Nordvorpommern: Große Mengen an Ökostrom drücken den Preis für Elektrizität an der Börse

2. Teil: Böses Erwachen droht Stromkunden bei der Fußball-Weltmeisterschaft

Vor einem Jahr hatte noch praktisch die gesamte Branche von den Stadtwerken bis zu den Energieriesen um zweistellige Prozentzahlen erhöht. Insgesamt legte der Preis für Haushaltskunden in der Grundversorgung laut Bundesnetzagentur zum 1.4.2013 binnen Jahresfrist um satte 13,2 Prozent zu - der stärkste Anstieg seit sieben Jahren.

Diesmal bleiben zum Jahresbeginn die Grundversorgungstarife der vier Großen Eon Börsen-Chart zeigen, RWE Börsen-Chart zeigen, EnBW Börsen-Chart zeigen und Vattenfall Börsen-Chart zeigen konstant. Einige größere Versorger machen sogar mit Preissenkungen auf sich aufmerksam: Der Oldenburger EWE-Konzern senkt den Preis um 0,36 Cent pro Kilowattstunde für seine rund 900.000 Kunden.

Der Ökostromanbieter Lichtblick mit 530.000 Kunden senkt um 2,4 Prozent, was beim 4000-Kilowattstunden-Musterhaushalt immerhin 29 Euro entspricht - einmal Pizza-Service für die ganze Familie. Insgesamt elf Versorger mit Preissenkungen im Schnitt um 2,6 Prozent registriert Verivox. Davon profitieren Gebiete mit 1,25 Millionen Einwohnern.

Wechselmöglichkeiten verbessern sich

Der insgesamt moderate Preisanstieg ist aus Sicht von Fachleuten bemerkenswert, weil die EEG-Umlage erneut kräftig von knapp 5,3 auf 6,2 Cent pro Kilowattstunde erhöht wurde. Der zweite große Posten, die Netzentgelte für den Transport des Stroms, sinkt laut Verivox im Bundesschnitt aber zum Jahreswechsel um rund ein Prozent. Zugleich fällt seit Mitte 2011 der Börsenstrompreis kontinuierlich.

Manche Experten erwarten allerdings, dass im Sommer eine Preiserhöhungswelle auf die Verbraucher zurollt - während der Fußball-Weltmeisterschaft. "In der Vergangenheit haben die großen Versorger bei solchen Großereignissen immer wieder an der Preisschraube gedreht, weil die Leute sich dann für andere Dinge interessieren", sagte eine Verivox-Sprecherin gegenüber manager magazin online.

Da der Strommarkt wieder mehr in Bewegung kommt, verbessern sich die Wechselmöglichkeiten der Verbraucher. Lichtblick verweist auf eine aktuelle Studie des Meinungsforschungsinstituts YouGov, nach der nur noch ein Fünftel der Stromkunden einen Wechsel des Anbieters ausschließt.

Mehr als ein Drittel (37 Prozent) sind entschlossen zu wechseln, wenn ihr Versorger erhöht. Die verbraucherfreundlichere Marktentwicklung setze die Anbieter unter Druck: "Wer jetzt noch erhöhen will, muss das sehr gut begründen", sagte Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW.

Beim Gas lässt sich besonders viel sparen

Nach dem Monitoringbericht der Bundesnetzagentur haben 2012 immerhin rund 2,6 Millionen Haushaltskunden den Stromlieferanten gewechselt. Die Zahl ist aber noch ausbaufähig.

Besonders viel Geld sparen lässt sich beim Gas. Anders als beim Strom ist der Preis nicht zu mehr als 50 Prozent durch staatliche vorgegebene Lasten bestimmt. Anbieter, die günstig einkaufen, können sich von der Konkurrenz deutlich abheben.

Bei einem Markt mit etwa 700 Grundversorgern registriert Toptarif zum Jahresbeginn 30 Preiserhöhungen um durchschnittlich 4 Prozent und 32 Senkungen um durchschnittlich 4,3 Prozent. Hier lassen sich mit einem Wechsel 100 Euro im Jahr und mehr einsparen, sagt der Toptarif-Sprecher.

nis/dpa

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