Dienstag, 25. Februar 2020

Studie der BIZ Wie der Klimawandel das Weltfinanzsystem bedroht - und wie die Notenbank gegensteuert

Verbrannte Bäume in Australien: Der Klimawandel wirkt sich nicht nur auf die Natur, sondern auch auf das Weltfinanzsystem aus

Der Kampf gegen den Klimawandel bietet den idealen Ansatz für Notenbanken, Staaten direkt zu finanzieren, um so das ökonomische Problem von Stagnation und Überschuldung zu lösen. Nun hat die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) eine neue Studie veröffentlicht, die sich mit den Folgen des Klimawandels für das Finanzsystem und die Rolle der Notenbanken beschäftigt. In dem sehr lesenswerten Paper werden die besonderen Risiken des Klimawandels - aber auch der Maßnahmen dagegen - für das Finanzsystem intensiv beleuchtet.

Risiken für das Finanzsystem

Ausführlich geht die BIZ auf die Risiken für das Finanzsystem ein. Dabei stehen zwei Arten von Gefahren im Vordergrund:

  • Die "physischen Risiken", also tatsächliche Schäden durch Sturm, Überschwemmung, Hitze. Diese reichen von Zerstörung von Vermögenswerten und Leben bis hin zu geringerer Arbeitsproduktivität und einer Verschiebung von Ressourcen von der Investition in die Zukunft zur Behebung von Schäden.
  • Die "Übergangsrisiken", zum Beispiel durch einen schneller als erwarteten Umstieg von fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren Energien, der zu einer Abwertung der Vermögen der Unternehmen führt, die fossile Brennstoffe fördern und nutzen.
Daniel Stelter

Beide Arten von Risiken sind deshalb so gefährlich, weil das Weltfinanzsystem auch zehn Jahre nach der Krise immer noch mit geringem Eigenkapital und hohem Risiko operiert. Kommt es beispielsweise zum Konkurs eines großen Ölproduzenten, führt dies zu erheblichen Kreditausfällen, die die Kreditgeber nicht verkraften würden.

Der scheidende Chef der Britischen Notenbank, Marc Carney, spricht in diesem Zusammenhang von einem "grünen Minsky-Moment". Als Minsky-Moment bezeichnet man den Zeitpunkt, an dem kreditfinanzierte Blasen platzen, es also zum ultimativen Margin Call kommt. Ein weltweiter Crash wäre die unvermeidliche Folge. Leider wäre dieser umso wahrscheinlicher, je schneller wir Fortschritte in Richtung einer klimaneutralen Wirtschaft machen.

Damit nicht genug. Selbst ohne Crash sehen die Experten der BIZ das Risiko steigender Rohstoffpreise, weil Lieferketten zusammenbrechen und es damit wahrscheinlich zu unerwarteten und starken Preisschüben bei wichtigen Vorprodukten käme. Alternativ könnten die Preise für CO2 in Folge von Naturkatastrophen und politischen Reaktionen explodieren. "Dramatische" Verteilungskonflikte zwischen, aber auch innerhalb von Ländern wären die Folge, so die BIZ.

Ausführlich diskutieren die Experten mögliche Ansatzpunkte durch bessere Regulierung, Modellierung von Szenarien und Änderung der Rechnungslegung von Unternehmen, um diese Risiken in den Griff zu bekommen. Doch auch nach der Lektüre dieser denkbaren Maßnahmen bleibt der ungute Eindruck, dass die nächste Finanzkrise hier ihren Ursprung haben könnte.

Eigentlich müssten höhere Eigenkapitalquoten und geringere weltweite Verschuldung durchgesetzt werden. Die BIZ diskutiert dies - wenig verwunderlich - nicht, denn schon der Versuch, die Schulden im System zu reduzieren, würde ausreichen, um den Crash, der vermieden werden soll, auszulösen. Hier rächt sich, dass wir uns um das Bereinigen der Exzesse vor der Finanzkrise bis heute herumgedrückt haben.

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