Montag, 18. November 2019

Staatliche Alternative zu Riester & Co Assekuranz kritisiert Pläne einer "Deutschland-Rente"

Mehr Rendite mit einer staatlich organisierten "Deutschland-Rente" - drei Minister aus Hessen glauben das und machen sich für eine zusätzliche, kostengünstige Altersvorsorge stark - unter Ausschluss der Versicherungswirtschaft

2. Teil: Versicherungslobby wettert gegen "Deutschland-Rente", DIW und SPD aufgeschlossen

So eine "Deutschland-Rente" unter staatlicher Ägide läuft den Interessen der Versicherungswirtschaft komplett entgegen. Müsste sie dann doch um weitere Einnahmen aus der bislang staatlich geförderten Riester-Rente fürchten.

Die Reaktion folgt prompt: "Den Staat selbst quasi als Überkonkurrent in den Markt einzuführen, ist nicht nur wettbewerbsrechtlich sondern auch ordnungspolitisch verfehlt", wettert Peter Schwark in der "FAZ". Es sei zudem keineswegs erwiesen, dass ein staatlich verwalteter Fonds kostengünstiger sei als eine marktwirtschaftliche Lösung, warnt das Mitglied der Hauptgeschäftsführung im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Gert Wagner, Vorstand beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), hält den Vorschlag dagegen durchaus für "konstruktiv", da er die private und betriebliche Altersvorsorge verbinde und zu einer "sinnvollen Streuung der Vorsorge-Risiken führen würde".

Auch die sozialpolitische Sprecherin der SPD, Katja Mast, zeigt sich laut FAZ dem Vorstoß aus Hessen gegenüber aufgeschlossen: "Der Kern, eine marktferne und gemeinwohlorientierte Anlagemöglichkeit zu finden, ist gut", sagt Mast. Allerdings sollte ein Deutschlandfonds keine einfache Kopie des norwegischen Staatsfonds sein, mahnt sie. "Wollen wir wirklich, dass unser System wie das in Norwegen funktioniert, bei dem das Geld nicht in Norwegen angelegt werden darf, sondern nur im Ausland?", stellt die Politikern nur einen Aspekt zur Diskussion.

Eine dringend notwendige Diskussion , findet Verbraucherschützer Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Der Vorsorgeexperte war seinerzeit ein glühender Verfechter des "Vorsorgekonto" und begrüßt den Vorstoß aus Hessen. "Jetzt kommt endlich wieder frischer Wind in das Thema eines staatlich geführten Vorsorgefonds auch in Deutschland".

Ob der norwegische Staatsfonds Vorbild für einen möglichen Deutschlandfonds sein kann, bleibt dahingestellt. Mit derzeit etwa 775 Milliarden Euro ist er jedenfalls der größte Fonds der Welt. Sein Volumen hat sich im vergangenen Jahrzehnt mit dem Ölpreis-Boom vervielfacht. Der Fonds ist stark in Aktien investiert und hat sich zuletzt auch bei BMW eingekauft.

In jüngster Vergangenheit allerdings lief es für den Fonds nicht gut: Für das dritte Quartal hatte er den größten Verlust innerhalb von vier Jahren vorgelegen müssen. Der Fonds steht angesichts des gegenwärtigen Ölpreisverfalls vor großen Herausforderungen.

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