Donnerstag, 24. Oktober 2019

Streit um Verkauf von 14 Containerschiffen Etappensieg für MPC-"Star Flotte" gegen E.R. Schiffahrt

Weltgrößtes Containerschiff "Maersk Mc-Kinney Möller" vor Bremerhaven: Die dänische Reederei Maersk spielt auch im Streit zwischen MPC Capital und der Reederei E.R. Schiffahrt um den Verkauf von 14 Containerfrachtern eine Rolle

Seit Monaten streiten sich der 720-Millionen-Dollar-Fonds "Star Flotte" von MPC Capital und die Reederei E.R. Schiffahrt um 50 Millionen Dollar aus dem Verkauf von 14 Frachtern. Der heutige Gerichtsentscheid dürfte die 7800 Anleger erfreuen.

Hamburg - Zwischenerfolg für einen großen Schiffsfonds von MPC Capital Börsen-Chart zeigen vor dem Landgericht Hamburg: Das Gericht hat am Mittwoch eine einstweilige Verfügung wieder aufgehoben, mit der die im Fonds engagierte Reederei E.R. Schiffahrt die Ausschüttung von 50 Millionen Dollar an die Anleger verhindert hatte.

Das Urteil des Gerichts (Az. 401 HKO 3/14) ist allerdings nicht rechtskräftig. Eine Sprecherin von E.R. Schiffahrt kündigte gegenüber manager magazin online an, Rechtsmittel einzulegen, also den Richterspruch vom Oberlandesgericht prüfen zu lassen. Die MPC-Treuhandgesellschaft TVP verschickte unmittelbar nach dem Urteilsspruch eine Mitteilung an die Anleger des Fonds. In dem Schreiben, dessen Wortlaut manager magazin online zur Kenntnis erhielt, schreibt das Unternehmen, die Entscheidung werde als Absage an die Provisionsforderungen von E.R. Schiffahrt gewertet. Die geplante Ausschüttung des Fondsvermögens werde erfolgen, sobald dies rechtlich zulässig sei.

Hintergrund ist ein Streit zwischen dem Flottenfonds 3, auch genannt "Star Flotte", von MPC Capital und der Reederei E.R. Schiffahrt des Hamburger Schifffahrtsunternehmers Erck Rickmers. E.R. Schiffahrt fungiert als Vertragsreederei in dem Schiffsfonds.

In den Fonds hatten etwa 7800 Anleger vor rund zehn Jahren insgesamt rund 270 Millionen Dollar Eigenkapital eingezahlt. Das Geld wurde zusammen mit Bankdarlehen in Höhe von insgesamt rund 450 Millionen Dollar benutzt, um 14 Containerschiffe zu erwerben, mit Kapazitäten von jeweils um die 4000 TEU (Standardcontainerstellplätze).

Maersk zahlt 39 Millionen Dollar Abstand

Ende des vergangenen Jahres erteilten die Anleger der Fondsgeschäftsführung dann den Auftrag, die Schiffe zu verkaufen. Die Frachter waren an die weltgrößte Linienreederei Maersk verchartert (sprich: vermietet), so dass mit dem dänischen Konzern Verhandlungen aufgenommen wurden.

Deren Ergebnis: Maersk verpflichtete sich, als Ausgleich für den vorzeitigen Ausstieg aus den noch laufenden Charterverträgen 39 Millionen Dollar an die Fondsgesellschaft zu zahlen. Zudem garantierte Maersk einen Kaufpreis von rund 126 Millionen Dollar für die 14 Schiffe.

Für die Anleger der "Star Flotte" erscheint das wie ein Erfolg: Würden die Erlöse nach den Vorstellungen der Fondsgeschäftsführung ausgeschüttet, so kämen die Investoren unterm Strich auf eine Rendite von rund 4,7 Prozent. Der Wert, den kürzlich das "Handelsblatt" berechnet hatte, wurde manager magazin online der Größenordnung nach von MPC-Kreisen bestätigt.

Dass ein Schiffsfonds mit einem solchen Ergebnis aufgelöst wird, kommt in diesen Tagen nicht allzu häufig vor. Nach wie vor durchläuft die maritime Wirtschaft eine schwere Krise, die auch die Beteiligungsgesellschaften trifft. Zahllose Fonds befinden sich in Schieflage, viele Anleger bekommen keine Ausschüttungen und werden stattdessen aufgefordert, Geld nachzuschießen. Mehr als 300 Schiffsfonds rutschten seit Beginn der Krise bereits in die Insolvenz.

Die MPC-Anleger könnten sich mit dem Ergebnis also glücklich schätzen - sollte es denn Bestand haben. Dass das nicht der Fall sein könnte, liegt am Streit zwischen der Fondsgeschäftsführung und der Reederei E.R. Schiffahrt. Die Reederei hat verschiedene Kritikpunkte an dem Vorgehen von MPC, die sie auch in einer umfangreichen Stellungnahme auf ihrer Internetseite veröffentlicht hat.

Im Kern geht es E.R. dabei um zwei Punkte, wie eine Sprecherin zu manager magazin online sagte:

  • Das Verhandlungsergebnis mit Maersk sei nicht optimal, für die Anleger hätte angeblich mehr herausgeholt werden können. Diesen Vorwurf weist MPC in einem Schreiben an die Anleger vom April dieses Jahres, das manager magazin online vorliegt, zurück.
  • Aufgrund des Vertrages zwischen der Fondsgesellschaft und E.R. Schiffahrt stehen der Reederei nach deren Ansicht aus dem Geschäft mit Maersk nicht,wie von MPC-Seite vorgesehen, 3,2 Millionen Dollar zu. Die E.R. Schiffahrt verlangt vielmehr 50 Millionen Dollar.

Darüber wird nun zwischen MPC und E.R. Schiffahrt gestritten. Zwei Klagen hat die Reederei in der Sache bereits eingereicht. Einerseits sollen die Verkaufsbeschlüsse der Fondsgesellschaft für nichtig erklärt werden, andererseits klagt E.R. auf Herausgabe der besagten 50 Millionen Dollar.

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