Gebühr am Geldautomat und Schalter Bargeld von der eigenen Sparkasse kostet jetzt Geld

Kontoführung, EC- oder Kreditkarte - Bankkunden haben sich an zahlreiche Gebühren gewöhnt. Doch es geht weiter: Viele Sparkassen kassieren ihre Kunden jetzt auch am eigenen Geldautomaten ab. Und selbst beim Online-Banking können unerwartete zusätzliche Kosten entstehen.
Geld von der eigenen Bank: Bei vielen Sparkassen ist es mittlerweile weder am eigenen Automaten noch am eigenen Schalter kostenlos zu haben

Geld von der eigenen Bank: Bei vielen Sparkassen ist es mittlerweile weder am eigenen Automaten noch am eigenen Schalter kostenlos zu haben

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ dpa

Wer "fremdgeht" und außerhalb seiner sogenannten Cash-Group am Geldautomaten Bares verlangt, zahlt dafür Gebühren - nicht selten fünf Euro und mehr. Soweit bekannt, soweit so schlecht. Ärgerlich wird die Sache, wenn das eigene Geldinstitut am eigenen Automaten für die Bargeldversorgung Gebühren verlangt. Sparkassen in Deutschland jedenfalls gehen nach einer Untersuchung zusehends dazu über, was Zweifel an der Ertragsstärke der Institute aufkommen lässt.

Das Finanzportal biallo.de  hat sich die Gebührenstrukturen von gut 400 Sparkassen in Deutschland genauer angesehen und stieß dabei im Zuge der Recherche auf die kostenpflichtige Bargeldabhebung einer ganzen Reihe von Instituten.

Der Untersuchung zufolge gewähren 23 Sparkassen ihren Kunden zwischen 2 und 5 kostenlose Abhebungen pro Monat und erheben danach je nach vereinbartem Kontomodell eine Gebühr von bis zu 1 Euro für jede weitere Bargeldauszahlung. 20 weitere Sparkassen kassieren ihre eigenen Kunden gar für jede einzelne Nutzung des Geldautomaten ab.

Das Ausweichen auf den Schalter zu regulären Öffnungszeiten scheint keine echte Alternative zu sein, denn hier würden noch mehr Sparkassen Gebühren für die Bargeldauszahlung vom eigenen Konto erheben, heißt es in dem Bericht .

Sparkassen beginnen damit ein ungeschriebenes Gesetz des eigenen Verbands zu brechen. Denn ihr Präsident Georg Fahrenschon hatte Ende vergangenen Jahres im "Bild"-Interview quasi noch eine Garantie für die kostenfreie Bargeldversorgung der eigenen Kunden gegeben: "Abhebungen an unseren Geldautomaten sind für Sparkassenkunden kostenlos, und das wird auch so bleiben."

Sparkassen-Online-Kunden zahlen Monatsgebühr - und jede Transaktion extra

Verbraucherschützer befürchten, dass die kostenpflichtige Bargeldversorgung beim eigenen Geldinstitut in der Branche Schule machen wird. Die Banken würden immer kreativer, wenn es darum ginge, Preiserhöhungen mit Verweis auf die "angeblich politisch gewollte Niedrigzinsphase" durchzusetzen, wird Verbraucherschützer Niels Nauhauser zitiert.

Dass Geldinstitute ebenso wie Sparer unter den Niedrigzinsen leiden, ist hinlänglich bekannt. Auch deshalb reichen mittlerweile einige Institute den bei der EZB zu zahlenden Strafzins von 0,4 Prozent an vermögende Kunden weiter, in dem sie quasi eine Verwahrgebühr für eingezahlte sechsstellige Beträge verlangen.

Sparkasse Soest bittet auch Online-Kunden für jede Transaktion zur Kasse

Zum Erfahrungsschatz vieler privater Bankkunden in Deutschland gehört längst, dass Kontoführung, Kontobelege, EC- oder Kreditkarte ebenso kostenpflichtig sind. Auf einen Fall besonderer Gebührenschneiderei stieß vor ein paar Monaten der "Soester Anzeiger": 

So verlange die örtliche Sparkasse von einem Teil ihrer Online-Kunden 2 Cents bereits für den Besuch der eigenen Website. Und zwar unabhängig davon, ob die Sparkassenkunden dabei eine Funktion in Anspruch nehmen. Schließlich würden ja schon beim Anklicken der Website technische Prozesse im Hintergrund ausgelöst, die mit Kosten verbunden seien, begründete ein Sprecher der Sparkasse gegenüber dem Blatt. Dabei zahlen auch diese Online-Kunden schon eine Kontoführungsgebühr von mehreren Euro im Monat.

Ein Sprecher des Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) hat dem Bericht widersprochen. Der Klick auf die Website an sich sei selbstverständlich kostenlos. Allerdings zahle der Online-Banking-Kunde mit dem günstigeren Kontoführungstarif von 3,50 Euro pro Monat für jede herkömmliche Transaktionen wie das Aufrufen des Kontostands, das Einrichten eines Dauerauftrags oder jede Überweisung 2 Cents.

Verbraucherschützer sehen gleichwohl auch diese Praxis skeptisch: "Es ist schon paradox, dass Banken die Kunden zum Onlinebanking drängen, um Geld zu sparen - und dann Gebühren durch die Hintertür einführen", erklärte Markus Feck von der Verbraucherzentrale NRW gegenüber "Spiegel Online".

Anmerkung der Redaktion: Wir haben die Stellungnahme des DSGV später angefügt.

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