Montag, 22. Juli 2019

Zuckerbergs Krypto-Geld Libra So wirbelt Facebook mit Libra die Bankenwelt auf

Logos von Facebook und Libra: Das Zuckerberg-Unternehmen bekommt viel Gegenwind aus der Bankenwelt.

Noch befindet sich Facebooks Krypto-Währung Libra lediglich in der Planungsphase, doch gemessen an der Reaktion, die das soziale Netzwerk damit bereits im traditionellen Finanzsektor ausgelöst hat, muss das Vorhaben offenbar sehr ernst genommen werden. Reihenweise haben sich bereits Finanzaufseher, Zentralbanker und andere Offizielle zu den Libra-Plänen geäußert. Die Sorge, die dabei vor allem zum Ausdruck kam: Facebook könnte tatsächlich eine neue, bedeutende Währung in die Welt setzen, und zwar abseits der üblichen Kontrollen für das herkömmliche Banksystem.

Zuletzt schlossen sich das internationale Financial Stability Board (FSB) sowie die britische Finanzaufsicht FCA den mahnenden Stimmen an. Einem Bericht der "Financial Times" zufolge ließen beide wissen, ohne strenge Aufsicht würden sie es Facebook nicht erlauben, das geplante digitale Geld zu kreieren.

Ähnliche Äußerungen kamen zuvor bereits von Mark Carney, Chef der Bank of England, dem Facebook sein Vorhaben Berichten zufolge bereits vor der offiziellen Veröffentlichung präsentiert hatte. Die Bank of England, die Federal Reserve, alle großen Zentralbanken und Aufseher müssten eine Aufsicht über dieses Projekt haben, so Carney. "Es muss sicher sein, oder es wird nicht passieren."

Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann warnte vor den Risiken unregulierter Cyber-Gelder. Insbesondere stelle sich die Frage, wie der Wert sogenannter Stablecoins, zu denen den Plänen zufolge wohl auch Libra zu zählen würde, garantiert werden könne. Für die Finanzbranche drohten Risiken, sollten Stablecoins große Verbreitung finden, so Weidmann. "Sie könnten das Einlagengeschäft der Banken und ihre Geschäftsmodelle untergraben", sagte er.

Weidmanns Kollege Joachim Wuermeling, Mitglied im Bundesbank-Vorstand, fordert zudem eine "globale Antwort auf die Pläne von Facebook", den weltweiten Zahlungsmarkt aufzumischen. Im Geldsystem dürfe nicht der "Wilde Westen" zurückkehren, so der Bundesbanker in einem Interview mit der "FAZ".

Bafin-Chef Felix Hufeld, Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire sowie der Notenbankchef des Landes, Francois Villeroy, die Vorsitzende des US-Finanzausschusses Maxine Waters, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) - die Liste der Warner, Mahner und Skeptiker aus der traditionellen Finanzwelt, die in den vergangenen Tagen auf mögliche Gefahren durch Libra sowie Krypto-Währungen generell hinwiesen, ließe sich beinahe beliebig verlängern.

Lesen Sie auch: Über 12.000 Dollar - Streit um Libra treibt Bitcoin weiter in die Höhe

Die Skepsis richtet sich dabei nicht nur gegen die Möglichkeit einer Währung, die abseits der erprobten Finanzkontrollen existieren könnte. Diese Idee verfolgen bereits seit geraumer Zeit etablierte Krypto-Währungen wie Bitcoin und Co. Als echtes, weit verbreitetes Zahlungsmittel konnte sich bislang aber keine von ihnen durchsetzen.

Mit seiner gewaltigen Zahl von mehr als zwei Milliarden regelmäßigen Nutzern sowie der Präsenz auf unzähligen Smartphones rund um den Globus könnte Facebook jedoch Chancen haben, dies mit Libra tatsächlich zu ändern.

Auch der Track-Record des Konzerns selbst ruft Vorbehalte hervor. Dem Unternehmen von Mark Zuckerberg gelang es schon in der Vergangenheit kaum, die privaten Daten seiner Nutzer zu schützen und vor unerlaubtem Zugriff zu bewahren.Die Frage, ob ausgerechnet Facebook die geeignete Adresse sein kann, der Millionen Menschen beim Geld- und Zahlungsverkehr vertrauen sollen, erscheint daher durchaus angebracht.

Die Bedenken der Notenbanker und Finanzaufseher kommen also keineswegs von ungefähr. Es liegt allerdings auf der Hand, dass die zahlreichen prominenten Kritiker dem Vorhaben Zuckerbergs mit ihren öffentlichen Äußerungen zugleich einen Dienst erweisen: Sie adeln Facebooks Pläne allein dadurch, dass sie sie offenbar sehr ernst nehmen, und verschaffen dem Unternehmen auf diese Weise jede Menge kostenlose PR.

Facebook auf der anderen Seite kann die kritischen Stimmen aus der Finanzwelt keineswegs ignorieren, denn ganz ohne Kooperation mit traditionellen Banken wird sich Libra kaum verwirklichen lassen. Schließlich ist ein Reservefonds, bestehend aus Dollar, Euro und anderen Währungen, durch den der Libra-Wert stabilisiert werden soll, Teil des Konzepts. Dieser dürfte sich ohne Berührungspunkte zu bestehenden Finanzhäusern kaum realisieren lassen.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Am Ende wird sich Facebook also wohl mit seinen Kritikern einigen müssen, um seinem propagierten Ziel näherzukommen: Mit Libra soll das weltweite Finanzsystem verbessert und Menschen in ärmeren Ländern der Zugang dazu ermöglicht werden, denen dieser bislang verwehrt bleibt. Dagegen dürfte allerdings auch in Aufsichtsbehörden, Zentralbanken und Finanzministerien kaum jemand etwas einzuwenden haben.

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung