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Siemens-Chaos: Peter Löschers Pannenserie

Foto: A3216 Peter Kneffel/ dpa

Entscheidung gefallen Siemens-Chef Peter Löscher muss gehen

Aus für Siemens-Chef Peter Löscher: Wie manager magazin bereits am Freitag meldete, hat sich eine Mehrheit der Aufsichtsräte für eine Ablösung des Siemens-Chefs ausgesprochen. Siemens bestätigte, dass der Aufsichtsrat Löscher am Mittwoch zur Abwahl stellen wird.

München - Siemens-Chef Peter Löscher muss gehen. Der Aufsichtsrat der Siemens AG werde in seiner Sitzung am 31. Juli 2013 über das vorzeitige Ausscheiden des Vorstandsvorsitzenden beschließen, teilte der Industriekonzern am späten Sonnabend Abend mit.

Zudem werde der Aufsichtsrat über die Ernennung eines Vorstandsmitglieds zum Vorstandsvorsitzenden beschließen. Die Tagesordnung für die Sitzung des Aufsichtsrats sei entsprechend erweitert worden.

Nachfolger noch nicht benannt - Kaeser und Russwurm Favoriten

Als Nachfolger für Löscher kommen Kreisen zufolge vor allem der amtierende Finanzchef Joe Kaeser sowie Industrievorstand Siegfried Russwurm in Frage.

Löscher hatte am Donnerstag überraschend seine Rendite-Prognose für 2014 gekippt und sich damit den Zorn des Kapitalmarkts zugezogen. Der Spitzenmanager stand steht wegen der jüngsten Gewinnwarnung und einer Reihe von vorangegangenen Misserfolgen unter wachsendem Druck.

Zuletzt hatte sich Löscher noch kampflustig gegeben. "Mir bläst jetzt der Wind ins Gesicht, aber es war noch nie meine Art aufzugeben oder schnell die Segel zu streichen", sagte er der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagausgabe). "Ich habe einen Vertrag bis 2017, und gerade jetzt ist der Kapitän bei Siemens mehr gefragt denn je."

manager magazin hatte bereits am Freitag exklusiv berichtet, dass Siemens vor einem Chefwechsel steht.

Löschers lange Pannenserie

Löschers Stern sank zuletzt rapide. Die Gewinnwarnung vom Donnerstag markierte einen Tiefpunkt in einer langen Reihe von Misserfolgen in Löschers Amtszeit. Sie begann mit dem überteuerten Einkauf des Labordiagnostikgeschäfts, führte über die überhastete und letztendlich teure Trennung vom französischen Atom-Partner Areva und mündete jüngst in einer Reihe von technischen Pannen, die Siemens  wieder und wieder die Bilanz verhagelten.

Anschlüsse von Windparks in der Nordsee bekamen die Münchner nicht hin. Den von Löscher hoch und heilig versprochenen Liefertermin für neue ICE-Züge an die Deutsche Bahn verfehlt der Konzern um mehr als ein Jahr. In den USA brachen Windturbinen auseinander, die Reparatur schlägt allein mit gut 100 Millionen Euro zu Buche.

Selbst mit Übernahmen hatte Löscher wenig Glück. Das zusammengekaufte Solargeschäft erwies sich nach nur wenigen Jahren als Totalausfall, der verlustreiche Zweig wurde geschlossen. Unterdessen zogen die Rivalen davon. Eigentlich kündigte Löscher an, Siemens werde schneller als seine Konkurrenten ABB, GE oder Philips wachsen. Doch das Gegenteil trat ein. Allen voran die Schweizer ABB ging auf ausführliche Einkaufstour und setzte sich in Sachen Wachstum und Rendite immer stärker von den Bayern ab.

Missfallen der Investoren

Anfangs als Aufräumer in der Schmiergeldaffäre gefeiert, wuchs in letzter Zeit unter Aktionären und Analysten das Missfallen. "In den letzten 18 Monaten ist die Entwicklung einfach nur noch enttäuschend", hatte Fondsmanager Henning Gebhardt von der DWS auf der Hauptversammlung geklagt. Privataktionär Hans-Martin Buhlmann rechnete für Löschers Amtszeit vor: "Zehn Milliarden Euro Aktionärsgeld wurden vergeigt."

Vor dem Aktionärstreffen hatte sich der selbst umstrittene Aufsichtsratschef Gerhard Cromme noch hinter seinen Zögling gestellt. Die beiden verbindet an der Siemens-Spitze eine Schicksalsgemeinschaft. Nach dem Abgang von Klaus Kleinfeld lotste Cromme 2007 den seinerzeit weitgehend unbekannten Löscher vom US-Pharmakonzern Merck an die Isar. Als unbelasteter Außenstehender sollte er mit der Korruption aufräumen. Zügig legte der heute 55-Jährige zusammen mit dem neuen Vorstand Peter Solmssen den Schmiergeldsumpf trocken.

Doch viele Mitarbeiter und Manager berichten, Löscher sei in dem weit verzweigten Konzern nie wirklich angekommen, kenne sich bis heute zu wenig aus. Als eigentlicher Siemens-Chef galt ohnehin vielen der ausgekochte Finanzvorstand Kaeser, der auf Analystenveranstaltungen mit Detailwissen glänzt, während Löscher sich meist auf wenige strategische Aussagen beschränkte.

Trotz der vielen Fehlleistungen zählte Löscher zeitweise zu den bestbezahlten Managern der Republik. In der Spitze kam er auf fast 9 Millionen Euro Jahresvergütung. In einer Imagestudie, die manager magazin in seinem aktuellen Heft veröffentlicht, hatte Löscher deutlich schwächer abgeschnitten als der Siemens-Konzern.

la/mmo/reuters
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