Konsumverhalten Zwölf Wege, die Geld sparen und unnütze Einkäufe verhindern

Vorweihnachtszeit heißt Shoppingzeit. Millionen Menschen kaufen Geschenke für ihre Lieben - und nicht selten auch für sich selbst. Doch wie vermeidet man sinnloses Geldausgeben und spätere Reue? Diese zwölf Tipps helfen Geld zu sparen und zufriedener zu sein.
Wahnsinn in Tüten: Viele Einkäufe führen später zu Frustration

Wahnsinn in Tüten: Viele Einkäufe führen später zu Frustration

Foto: Corbis

Hamburg - Jeder kennt das: Das neueste Smartphone, die coole Winterjacke oder ein paar schicke Schuhe - man sieht ein Produkt und verspürt den unwiderstehlichen Drang es zu kaufen. Erst viel später kommt die Einsicht: Der Kauf wäre eigentlich nicht nötig gewesen. Schade ums schöne Geld.

Die US-Psychologin Kit Yarrow ist Expertin für solche Fälle. Die Wissenschaftlerin von der Golden Gate University in San Francisco hat schon unzählige Studien darüber durchgeführt, wie, wann und warum Menschen einkaufen, wie sie kürzlich in einem Beitrag für das "Time"-Magazin schrieb.

Ihre Erkenntnisse fasste Yarrowauf der Website des Magazins  in einer Liste mit zwölf Punkten zusammen. Diese Ratschläge, so die Wissenschaftlerin, helfen, exzessive, unnötige und nicht zuletzt auch unbefriedigende Einkäufe zu vermeiden. Sie tragen damit auch dazu bei, dass die privaten Finanzen im Lot bleiben.

Dies sind Yarrows Tipps:

Machen Sie Inventur

Welche Farbe fehlt noch? Manch einer verliert den Überblick über sein Hab und Gut

Welche Farbe fehlt noch? Manch einer verliert den Überblick über sein Hab und Gut

Foto: REUTERS / STEFANIE LOOS/ REUTERS

Laut Yarrow gibt es nicht wenige Menschen, die sich neue Dinge nur kaufen, weil sie bei der Masse ihrer Besitztümer längst den Überblick darüber verloren haben, was eigentlich schon da ist. Yarrow erzählt die Anekdote von einer Frau, die versehentlich zweimal die gleiche Servierplatte kaufte und sich dann freute, dass sich zumindest ihr Geschmack offenbar in der Zwischenzeit nicht geändert hatte.

Der Tipp: Machen Sie Inventur. Verschaffen Sie sich einen vollständigen Überblick über alles, was Sie haben. Und vor allem: Sortieren Sie regelmäßig aus, was nicht mehr gebraucht wird, nicht mehr passt, aus der Mode ist oder ähnliches. Das gilt übrigens nicht nur für Kleidung, sondern auch für Haushaltsgeräte, Gartenaccessoires und sonstigen Krimskrams.

Kaufen Sie Qualität - und nutzen Sie sie

Lieblingsauto: Kaufen Sie sich den 64er Mustang nicht nur, fahren Sie ihn auch

Lieblingsauto: Kaufen Sie sich den 64er Mustang nicht nur, fahren Sie ihn auch

Foto: Tom Grünweg

Viele Leute, so beobachtet Psychologin Yarrow, haben die Angewohnheit, ausgerechnet die Dinge, die ihnen am liebsten sind, kaum zu gebrauchen. Denn sie wollen diese Favoriten möglichst lange erhalten und haben die Sorge, der Gebrauch könnte sie abnutzen.

Die Folge ist jedoch, dass beispielsweise statt der Lieblingshose ein weniger gemochtes Beinkleid getragen wird - und dass der Träger deshalb mit einer permanenten, möglicherweise latenten Unzufriedenheit durch die Welt läuft, die ihn zu immer neuen Käufen veranlasst.

Deshalb der Tipp: Stecken Sie Ihr Geld lieber in Kleidung oder Gegenstände, die Ihnen gefallen und die Sie dann auch wirklich nutzen. So gehen Sie zufriedener durchs Leben und sparen auf Dauer Geld.

Finden Sie Zufriedenheit

Innere Ruhe: Zufriedene Menschen verspüren seltener den Impuls, etwas kaufen zu wollen

Innere Ruhe: Zufriedene Menschen verspüren seltener den Impuls, etwas kaufen zu wollen

Foto: Corbis

Dankbarkeit, so Expertin Yarrow, ist eine wichtige Komponente im Kampf gegen den Einkaufswahn. Und zwar Dankbarkeit nicht nur für die materiellen Besitztümer, sondern auch für Freunde, Erlebnisse und anderes. Das sollte man sich stets bewusst machen.

Dankbarkeit führt zu Zufriedenheit und bewahrt vor dem dauernden Impuls, etwas neues haben zu müssen, schreibt Yarrow, beispielsweise um irgendwelche emotionalen Löcher zu stopfen.

Meiden Sie die Versuchung

Vorsicht Newsletter: Vor allem Online-Shops locken Kunden gerne mit Offerten auf ihre Websites

Vorsicht Newsletter: Vor allem Online-Shops locken Kunden gerne mit Offerten auf ihre Websites

Dies ist sehr simpel. Schon der französische Ökonom Jean-Baptiste Say (1767 bis 1832) wusste: Jedes Angebot schafft sich seine Nachfrage selbst (Say'sches Theorem).

Auf unser Thema bezogen heißt das: Je mehr Sie mit verlockenden Angeboten, Preisknüllern, Verkaufsaktionen und ähnlichem in Kontakt kommen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Wunsch regt, dabei zu sein. Schließlich gibt es kaum eine Offerte im Einzelhandel, die nicht suggeriert: Wenn Sie dies (oder das) kaufen, sind Sie schlau, denn Sie sparen dabei Geld.

Am meisten spart allerdings, wer sein Geld gar nicht erst ausgibt. Deshalb: Meiden Sie Angebote, Discountaktionen und ähnliches so gut es geht. Am besten beginnen Sie gleich damit, indem Sie sämtliche Newsletter von Online-Shops, die laufend in Ihrem Postfach landen, abbestellen.

Setzen Sie sich ins Wartezimmer

Brauch' ich's oder brauch' ich's nicht? Oft lohnt es, eine Zeit lang drüber nachzudenken

Brauch' ich's oder brauch' ich's nicht? Oft lohnt es, eine Zeit lang drüber nachzudenken

Foto: Corbis

Noch ein sehr praktischer Tipp von Psychologin Yarrow: Wenn Sie auf dem Sprung sind, einen Kauf zu tätigen, zwingen Sie sich, noch einmal 20 Minuten darüber nachzudenken. Stellen Sie eine Regel auf, die Sie immer befolgen. Wobei die Wartezeit je nach Größe des möglichen Einkaufs ausgedehnt werden sollte, zum Beispiel auf bis zu 24 Stunden.

Die Wartezeit lassen Sie aber nicht ungenutzt verstreichen. Überlegen Sie währenddessen, was Sie mit dem Geld noch alles machen könnten. Gibt es andere Anschaffungen, die anstehen? Haben Sie Schulden, die abgetragen werden sollten? Häufig verblasst der Kaufwunsch angesichts solcher Gedanken von ganz alleine.

Lernen Sie zu teilen

Für den besonderen Anlass: Eine hübsche Halskette lässt sich auch mit der Freundin teilen

Für den besonderen Anlass: Eine hübsche Halskette lässt sich auch mit der Freundin teilen

Foto: Corbis

An dieser Stelle geht es nicht etwa um die viel zitierte moderne Share-Economy, in der Unternehmen wie Uber oder Airbnb den idealistischen Gedanken des teilenden Miteinanders mitunter lediglich PR-tauglich einsetzen, um ihre wirtschaftlichen Interessen zu bemänteln.

Yarrows Idee ist ursprünglicher: Seien es die Kinderspielgeräte für den Garten oder der teure, aber doch selten getragene Schmuck - nicht alles muss man für sich alleine haben, schreibt sie. Oft finden sich Nachbarn oder Freunde, die ebenfalls Interesse haben. Dann gilt: Geteilter Kauf ist halber Preis.

Kaufen Sie nur, was Sie unmittelbar benötigen

Ich brauche dringend ein Täschchen passend zum Oberteil: Nicht jeder Kaufwunsch basiert auf rationaler Überlegung

Ich brauche dringend ein Täschchen passend zum Oberteil: Nicht jeder Kaufwunsch basiert auf rationaler Überlegung

Foto: ? Carlos Barria / Reuters/ REUTERS

Psychologin Yarrow warnt vor Gedankenspielen beim Shopping, wie etwa: "Wow, in diesem Outfit werde ich die nächste Party rocken!", oder "Diesen Rucksack könnte ich super nutzen, wenn ich mir meinen Jugendtraum einer 14tägigen Alpen-Wanderung endlich erfülle."

Oft werden solche Träume nie Realität - und der Gegenstand, der deshalb gekauft wurde, liegt nutzlos in der Ecke.

Also: Bevor Sie das nächste Mal etwas kaufen, fragen Sie sich, ob Sie es auch wirklich in absehbarer Zukunft verwenden werden. Lautet die Antwort "nein" oder "eher nicht", lassen Sie's.

There is no free lunch

Happy Eltern? Es soll Kinder geben, die nur zum Fastfood-Laden ihrer Wahl wollen, weil sie zum Menü "kostenlos" ein Spielzeug dazu bekommen

Happy Eltern? Es soll Kinder geben, die nur zum Fastfood-Laden ihrer Wahl wollen, weil sie zum Menü "kostenlos" ein Spielzeug dazu bekommen

Foto: Eric Risberg/ AP

Vorsicht vor dem Wörtchen "gratis"! Das wird im Marketing sehr häufig eingesetzt - und es funktioniert fast immer. Viele Anbieter verschenken Dinge - eine Kosmetikprobe, eine Flasche Wasser -, damit es ihren Kunden schwerer fällt, bei den zum Kauf angebotenen Produkten nein zu sagen.

Oder, noch perfider: Oft wird ein "Gratis"-Produkt bei einem Einkauf als Bonus obendrauf gelegt. Sie kenne intelligente Leute, schreibt Psychologin Yarrow, die schon ein Vermögen ausgegeben haben, nur um ein Produkt gratis dazu zu bekommen. Und sie bemerken nicht einmal die Ironie dabei, so die Expertin.

Denken Sie daran: Es ist okay, nichts zu kaufen

Lange Fahrt zum Shopping Center? Auch eine Rückfahrt mit leerem Kofferraum ist okay

Lange Fahrt zum Shopping Center? Auch eine Rückfahrt mit leerem Kofferraum ist okay

Foto: ECE, Linden-Center, Berlin

Shopping kostet Zeit, insbesondere, wenn zuvor eigens eine längere Anfahrt, beispielsweise in ein Outlet-Center, in Kauf genommen wurde. Bei vielen Leuten löst das das Gefühl aus, wenn sie mit leeren Händen heimkehren, hätten sie ihre Zeit erst recht verschwendet.

Doch das ist Unsinn. Richtig ist vielmehr: Etwas zu kaufen, das man nicht braucht, nur um etwas gekauft zu haben, ist die viel größere Verschwendung.

Kopfrechnen hilft

Einnahmen - Ausgaben = Gewinn: Vor jedem Kauf sollte gerechnet werden

Einnahmen - Ausgaben = Gewinn: Vor jedem Kauf sollte gerechnet werden

Foto: Corbis

Vergessen Sie nie, dass das Geld, das Sie ausgeben, auch eingenommen, verdient oder erspart werden muss. Es schadet nicht, unmittelbar vor einem möglichen Erwerb einmal nachzurechnen, wie lange Sie für den Betrag arbeiten müssen oder wie lange es gedauert hat, sich die Summe zusammen zu sparen.

Drei Stunden Arbeit für einen Restaurantbesuch - da kocht man vielleicht doch lieber daheim, meint Psychologin Yarrow. Oder die Ersparnisse von drei Jahren für einen neuen Flatscreen-Fernseher - vielleicht tut's der alte doch noch.

Übrigens: Sinnvoll ist es in dem Zusammenhang auch, eher mit Bargeld als mit EC- oder Kreditkarte zu bezahlen. Das Gefühl, wirklich Geld auszugeben, steigt - und mit ihm die Hemmschwelle.

Was brauchen Sie wirklich?

Viele Taschen aber keine Freunde? Manch einer weiß nicht wirklich, was ihm fehlt

Viele Taschen aber keine Freunde? Manch einer weiß nicht wirklich, was ihm fehlt

Foto: © Luke MacGregor / Reuters/ REUTERS

Yarrow zitiert die Forschung, die ergeben habe: Ist der Mensch hungrig, denkt er manchmal, er sei durstig. Und ist er gelangweilt, hält er das mitunter für Müdigkeit. Kurzum: Wir merken zwar, wenn uns etwas fehlt. Aber wir wissen nicht immer genau, was uns fehlt.

Diese Selbsttäuschung ist gefährlich. Sie führt dazu, dass Menschen versuchen, Defizite beispielsweise im Sozialleben durch Konsum auszugleichen. Auch an dieser Stelle hilft es, einen Moment innezuhalten und sich der eigenen Gemütslage zunächst bewusst zu werden. Auch so kann mancher Kaufwunsch beseitigt werden.

Vorsicht vor dem Preisnachlass

Vielleicht nicht lecker, aber günstig: Allein der Preis sollte keinen Kauf auslösen

Vielleicht nicht lecker, aber günstig: Allein der Preis sollte keinen Kauf auslösen

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Ein ähnliches Thema hatten wir schon beim Stichwort "gratis": Der Einzelhandel verschenkt nichts. Diese Tatsache sollten Sie nie vergessen. Auch wenn ein Produkt um 30 oder 40 Prozent heruntergesetzt ist, macht der Händler noch Profit damit.

Besonders töricht ist es, Produkte aus dem einzigen Grund zu kaufen, dass sie im Preis heruntergesetzt sind, obwohl sie vielleicht gar nicht richtig passen oder die Farbe nicht wirklich gefällt. Wer das macht, ist der Traum aller Verkäufer. Denn er ist vollständig auf den Marketingtrick hereingefallen.

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