Hedgefonds-Milliardär schreibt Brandbrief Stiller Börsenstar öffnet Anlegern die Augen über Trump

Warnt vor den Folgen von Trumps Wirtschaftspolitik: Hedgefonds-Milliardär Seth Klarman

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Es gibt nicht viele Autoren, deren Bücher bei Amazon für mehr als 2000 Euro gehandelt werden. Und es gibt auch nicht viele Hedgefonds-Manager, die schon einmal von Investmentlegende Warren Buffett gelobt wurden. Seth Klarman kann beides von sich behaupten.

Klarman ist Chef der in Boston ansässigen Baupost Group mit einem verwalteten Vermögen von etwa 30 Milliarden Dollar. Der Mann, dessen Privatvermögen "Forbes" auf rund zwei Milliarden Dollar schätzt, gehört gewöhnlich nicht zu jenen Vertretern seines Fachs, die das Licht der Öffentlichkeit suchen. Doch in Investmentkreisen gilt er als echtes Schwergewicht. Der "Economist" nannte ihn einmal das "Orakel von Boston", und für die "New York Times" ist er schlicht "der erfolgreichste und einflussreichste Investor, von dem Sie vermutlich nie gehört haben".

Angesichts der aktuellen Situation an den Finanzmärkten, an denen die Versprechungen des neuen US-Präsidenten Donald Trump in den vergangenen Monaten eine wahre Euphorie ausgelöst haben, hat Klarman nun seine gewohnte Zurückhaltung ein Stück weit aufgegeben. In einem Brief an seine Investoren äußert er sich zu Trumps Wirtschaftspolitik und zum gegenwärtigen Stand der Finanzindustrie. Laut "New York Times" ist das Schreiben binnen wenigen Tagen zur meistgesuchten Lektüre an der Wall Street avanciert.

Kein Wunder: Den Passagen, die die "New York Times " aus dem soweit bekannt bislang nicht im Original publizierten Brief Klarmans zitiert, ist zu entnehmen, dass der sonst so stille Investmentguru diesmal kein Blatt vor den Mund nimmt. Die Börse sei seit Beginn der Trump-Hausse so stark gestiegen, dass inzwischen "gefährlich hohe Bewertungen" erreicht seien, heißt es da.

Präsident Trump sei möglicherweise in der Lage, die US-Wirtschaft mit Steuersenkungen vorübergehend anzukurbeln, so Klarmans Schreiben weiter. Die meisten Investoren ignorierten jedoch die Risiken, die mit Trumps "America-First-Protektionismus" und mit neuen Handelsschranken einhergingen. Eine protektionistische Wirtschaftspolitik sei zwar möglicherweise populär, so Klarman. Der Grund dafür, dass die USA davon bereits vor langer Zeit Abstand genommen hätten, sei jedoch, dass sie letztendlich nicht nur nicht funktioniere. Sie verschlechtere vielmehr unterm Strich sogar die Situation der amerikanischen Gesellschaft.

Zwei Dinge machen dem heimlichen Starinvestor aus Boston offenbar besondere Sorgen: Einerseits drohen seiner Ansicht nach viele Investoren überrascht zu werden durch einen Anstieg der Inflation, den Trump mit seinen Maßnahmen auslösen könnte. Andererseits dürfte die Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten durch die Politik des neuen Präsidenten ebenfalls enorm zulegen, was wiederum auf lange Sicht das Wachstum hemmen könnte. Denn die Zinszahlungen des Staates würden in die Höhe schießen, sobald das Zinsniveau ansteige, so Klarman.

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Hinzu kommt Kritik an der Persönlichkeit des neuen US-Präsidenten: Trump vertraue offenbar über die Maßen in seine persönliche Urteilsfähigkeit und habe die Unberechenbarkeit zu einem seiner Prinzipien gemacht, so Klarman. Dieser Stil sei mit vernünftiger Entscheidungsfindung nicht zu vereinbaren.

"Alles in allem gilt für Investoren: Trump bedeutet hohe Volatilität, und Investoren mögen im allgemeinen keine Volatilität und meiden Unsicherheit", schreibt der Baupost-Chef.

Klarmans Kritik kommt nicht von ungefähr: Schon im Wahlkampf hatte sich der sonst so diskrete Investmentmilliardär aus der Deckung begeben. Der 59-jährige, der in den vergangenen Jahren für beide großen US-Parteien gespendet hatte, entschied sich dezidiert gegen Trump und für die Unterstützung der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton. Trumps Äußerungen und Handeln seien derart inakzeptabel, dass es schier undenkbar sei, der New Yorker Immobilienmilliardär könnte Präsident der Vereinigten Staaten werden, sagte Klarman seinerzeit.

Inzwischen ist klar: Mit dieser Einschätzung hat sich der Hedgefonds-Lenker geirrt. Ob sich die Kritik Klarmans allerdings auch in dessen Positionierung an den Finanzmärkten widerspiegelt, ist unklar. Die Baupost Group, die der "New York Times" zufolge in der Vergangenheit in nur drei von 34 Jahren Verluste verbuchen musste, habe den Brief ihres Chefs nicht kommentieren wollen, heißt es in der Zeitung. Und es sei durchaus nicht unüblich, dass Investoren das eine sagten und etwas anderes täten.

Warren Buffett beispielsweise war im Wahlkampf ebenfalls als Kritiker Trumps in Erscheinung getreten. Kürzlich wurde dennoch bekannt, dass Buffett seit Trumps Wahlsieg Milliarden an den Börsen investiert hat. George Soros indes, ein weiterer prominenter Trump-Gegner von der Wall Street, wettete nach dessen Wahlsieg auf fallende Kurse - und verlor dabei etwa eine Milliarde Dollar.

Fazit: Die Finanzmärkte wähnten sich bislang als Gewinner der US-Wahl. Die Aktienkurse haussieren seit Trumps Wahl, auch der Dollar legte zunächst kräftig zu (wenngleich die US-Währung inzwischen wieder einiges an Wert eingebüßt hat). Nicht zuletzt wurden die großen Banken an der Wall Street von Trump verwöhnt, mit Posten in seinem Regierungsteam und mit der Aussicht auf eine erhebliche Lockerung der gesetzlichen Regulierung der Finanzbranche.

Hedgefonds-Milliardär Klarman beschreibt in seinem Brief nun jedoch eine andere Sicht der Dinge, die zudem auch von verschiedenen Ökonomen geteilt wird: Gut möglich, dass den Börsen in Zukunft ein böses Erwachen bevorsteht.

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