"Secure Investment" Anleger könnten über Phantomfirma eine Milliarde Dollar verloren haben

Die Firma Secure Investment betrieb angeblich Büros rund um den Globus und warb mit Wahnsinnsrenditen im Devisenhandel. Dann löste sie sich von heute auf morgen in Luft auf - weg sind damit womöglich auch mehr als eine Milliarde Dollar von tausenden Sparern weltweit.
Ausschnitt aus Secure-Investment-Werbevideo mit dem angeblichen Firmenchef Michael Sterling: Renditen von einem Prozent pro Tag

Ausschnitt aus Secure-Investment-Werbevideo mit dem angeblichen Firmenchef Michael Sterling: Renditen von einem Prozent pro Tag

Foto: Youtube

Hamburg - Ein Businessjet schwebt durch die Wolken, es folgen Bilder von modernen Bürotürmen. Auftritt ein Michael Sterling, vielleicht Mitte 60, untersetzt, grauer Vollbart und vorgestellt als Mitinhaber und CEO des Online-Brokers Secure Investment.

Das tägliche Handelsvolumen seines Unternehmens am Devisenmarkt betrage inzwischen mehr als 4,8 Milliarden Dollar, sagt er. Selbstverständlich spielten große Adressen wie die Deutsche Bank  oder Bank of New York in dem Geschäft eine wichtige Rolle. Doch nur mittelständische Anbieter wie Secure Investment böten Privatanlegern die Möglichkeit, im freien Devisenhandel mit maximalem Erfolg mitzumischen.

Das Video mit Sterlings Unternehmenspräsentation findet sich nach wie vor bei Youtube . Wer die Website der Investmentfirma ansteuern will, hat aber keinen Erfolg: Secureinvestment.com ist seit Mai dieses Jahres aus dem Netz verschwunden, wie Bloomberg vorab aus seinem Magazin "Bloomberg Markets" berichtet.

Das Unternehmen hat sich anscheinend von heute auf morgen in Luft aufgelöst - weg sind mit ihm möglicherweise auch mehr als eine Milliarde Dollar, die mehr als 100.000 Privatanleger aus mehr als 140 Ländern an Secure Investment überwiesen haben sollen.

Täglich 1 Prozent Rendite

Dem Bloomberg-Bericht zufolge hat dieser Fall das Zeug zu einem gigantischen Anlageskandal. Die Firma ging offenbar sehr professionell vor, drehte Werbevideos mit Testimonials angeblich aus aller Welt, die für Secure Investment warben (und die zum Teil ebenfalls nach wie vor im Netz zu finden sind ), betrieb Call-Center mit gebührenfreien Rufnummern, pflegte über Jahre eine vertrauenerweckende Website mit täglicher Aktualisierung.

Kunden wurde offenbar sogar Geld ausgezahlt - jedenfalls in überschaubarer Größenordnung. Bloomberg beispielsweise zitiert einen Secure-Anleger, der sich noch wenige Wochen vor dem Exitus des Unternehmens 500 Dollar überweisen ließ. Der Mann habe sich erst geärgert, weil das Geld nun nicht mehr bei Secure für ihn arbeitete, so Bloomberg. Als Secure dann verschwunden war, ärgerte er sich erneut - weil er nicht rechtzeitig mehr abgehoben hatte.

Gelockt wurde der Investor - wie immer in solchen Fällen - mit dem Versprechen überaus attraktiver Renditen. Im Durchschnitt, so die Werbung von Secure Investment, würden die Anlagen eine tägliche Performance von einem Prozent hinlegen. Das wären weit mehr als 200 Prozent pro Jahr, rechnet Bloomberg vor, mehr als das 25fache des durchschnittlichen Wertzuwachses am US-Aktienmarkt in den vergangenen 50 Jahren also.

Darauf wies Secure allerdings nicht hin - und die Kunden wurden offenbar auch nicht misstrauisch, als ihre Anlagen - zumindest in den virtuellen Depots auf der Secure-Website - tatsächlich stetig so rasant wuchsen.

Bis Anfang Mai dieses Jahres jedenfalls. Dann war die Website plötzlich nicht mehr zu erreichen, woran sich bis heute nichts geändert hat.

Kunden fielen auf die Tücken der Internetsuche herein

Die vielen tausend Investoren stehen damit vor einem Rätsel. Denn noch ist offenbar niemand greifbar, der für das globale Anlagedebakel zur Rechenschaft gezogen werden könnte. Und so wie es scheint, ist es auch recht schwierig, an die Verantwortlichen heranzukommen.

Im Rückblick nämlich entpuppt sich Secure Investment offenbar als riesige Phantomfirma, die es nie wirklich gab. Das Unternehmen wurde 2008 in Panama eingetragen, so viel ist sicher. In der Folge entstand angeblich ein Firmennetz mit Niederlassungen beispielsweise in Hongkong, London sowie Sydney. Die Anschriften der Secure-Firmen erweisen sich inzwischen aber durchweg als Briefkastenadressen, schreibt Bloomberg.

Moderne Büroräumlichkeiten und viele Mitarbeiter - all das zeigte Secure in seinen Werbevideos. Mittlerweile ist klar, dass es nichts davon wirklich gegeben haben dürfte. Mehrere Testimonials machte Bloomberg ausfindig, die in Werbespots ihre guten Erfahrungen mit dem Unternehmen geschildert hatten. Nun erweisen sie sich als Schauspieler, die eigens zu dem Zweck engagiert wurden.

Panamas Finanzaufsicht warnte

Die Kunden kommunizierten mit Secure Investment per Mail oder über gebührenfreie Hotlines. Ihr Erspartes floss in ein Netz verschiedener Bankverbindungen beispielsweise in Australien, Zypern, Belize, auf den British Virgin Islands oder in Großbritannien. Diese Finanzströme scheinen nun so ziemlich der einzige Anhaltspunkt zu sein, um an die Drahtzieher heranzukommen.

Immerhin, einen Warnhinweis gab es: 2013 warnte die Finanzaufsicht Panamas vor Secure Investment. Das Unternehmen habe keine Lizenz für den Devisenhandel, hieß es auf der Website der Behörde. Zudem existiere die angegebene Adresse der Firmenzentrale in Panama City gar nicht.

Doch welcher Geldanleger, der nach lukrativen Investments sucht, schaut auf die Website der Finanzaufsicht Panamas? Die Sparer, die in die Hände von Secure Investment fielen, jedenfalls offensichtlich nicht. Stattdessen - und das ist die bittere Pointe der Geschichte - mussten sie Bekanntschaft mit den Tücken der Internetsuche machen.

Bloomberg zitiert eine Auswertung von Alexa.com. Die Amazon-Tochter, die den Traffic von Websites verfolgt, hat die Suchanfrage identifiziert, die die meisten Kunden auf die Website von Secure Investment geleitet hat. Sie lautet, man ahnt es: "Secure investment", also "sichere Geldanlage".