USA und China im Streit  Wie ein Währungskrieg funktioniert

Zwei, die sich wohl nicht sehr mögen: Der chinesische Präsident Xi Jinping (rechts, von hinten) und US-Präsident Donald Trump sind beim Thema Handel weiterhin uneins - und treiben ihren Konflikt immer weiter voran.

Zwei, die sich wohl nicht sehr mögen: Der chinesische Präsident Xi Jinping (rechts, von hinten) und US-Präsident Donald Trump sind beim Thema Handel weiterhin uneins - und treiben ihren Konflikt immer weiter voran.

Foto: KIM KYUNG-HOON/AFP

Die Spannungen zwischen den USA und China erreichen eine neue Dimension: Nach allerhand gegenseitigen Drohungen und bereits eingeführten Strafzöllen im großen Stil rückt nun der Wechselkurs zwischen chinesischem Yuan und US-Dollar in den Fokus. Am Montag rutschte der Yuan unter die markante Marke von sieben Yuan pro Dollar und damit auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren. Die Entwicklung ist ohne Billigung oder gar Steuerung von Seiten der Führung in Peking undenkbar, allein schon, weil China den Bewegungsspielraum der eigenen Währung seit Jahren ganz offiziell eingrenzt. Kein Wunder also, dass die US-Seite postwendend protestierte. Washington bezeichnete China als "Währungsmanipulator" und kündigte formelle Schritte beim Internationalen Währungsfonds an.


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Vorwürfe der US-Regierung von Präsident Donald Trump, die chinesische Seite halte ihre Währung bewusst zu niedrig, um die eigene Wirtschaft zu begünstigen, gibt es seit Jahren. Ähnliche Kritik übt Trump immer wieder auch an anderen Währungshütern, zuletzt beispielsweise gegenüber den Verantwortlichen in der Euro-Zone in Bezug auf die Gemeinschaftswährung. Diesmal scheint jedoch sowohl die chinesische als auch die amerikanische Seite einen Schritt weiter zu gehen.

Damit steht die beunruhigende Frage im Raum: Stehen beide Wirtschaftsmächte inzwischen am Rande eines Währungskrieges? Wenn ja, was wären die Folgen? Was hat es eigentlich auf sich mit dieser viel zitierten Form der Auseinandersetzung auf den internationalen Devisenmärkten?

Fest steht: Ein echter Währungskrieg ereignet sich in der Weltwirtschaft zwar nur recht selten. Wenn es soweit kommt, dann kann das aber verheerende Folgen für alle Beteiligten haben, wie die folgende Übersicht zeigt: Alles, was sie über das Thema Währungskrieg wissen müssen.

Was ist ein Währungskrieg?

Die ursprüngliche Idee, die einem Währungskrieg zugrunde liegt, ist recht einfach: Ein Staat schwächt die eigene Währung gegenüber anderen. Auf diese Weise werden die Exporte dieses Staates im Ausland günstiger, und die Importe aus dem Ausland werden teurer. Ziel ist es dabei, durch den Exportanstieg die Produktion im eigenen Land anzukurbeln und so letztlich auch die Arbeitslosigkeit zu senken. Die eigene Wirtschaft soll also profitieren.

Umgekehrt ist im Ausland allerdings der gegenteilige Effekt zu erwarten: Angenommen, die dortigen Verantwortlichen bleiben untätig und lassen die Wechselkursänderung geschehen, so verteuern sich in diesen Ländern im Handel mit "Land 1" die Exporte und die Importe werden günstiger. Das schadet der dortigen Produktion, und letztlich wird die Arbeitslosigkeit steigen und der Wohlstand sinken.

Genau da liegt die Gefahr: Weil eine einseitige Währungsabwertung lediglich einem Land hilft und mindestens einem anderen schadet, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es bei dieser singulären Abwertung nicht bleibt. Andere Währungshüter werden vielmehr ihrerseits mit Abwertungen reagieren, wodurch sie die positiven Effekte im Land des Auslösers sowie die negativen im eigenen Land wieder aufheben können. Unterm Strich kann so ein Abwertungswettstreit entstehen, vulgo: ein Währungskrieg.

Beschrieben wurde die zugrunde liegende wirtschaftspolitische Strategie schon von Adam Smith, dem Übervater aller Volkswirte. In seinem Buch "Wealth of Nations" bezeichnete Smith das Vorgehen als "Beggar-thy-Neighbour"-Politik - das war bereits im 18. Jahrhundert.

Welche Methoden gibt es, eine Währung gezielt zu bewegen?

Grundsätzlich gilt: Die internationalen Devisenmärkte sind komplex und intransparent, welche Kräfte die Wechselkurse tatsächlich in welche Richtungen bewegen, lässt sich kaum vollständig erklären. Will eine Regierung beziehungsweise die Notenbank eines Landes jedoch gezielt die eigenen Währung abwerten, so stehen ihr dazu vor allem drei Mittel zur Verfügung:

1. Zinssenkungen

Ein niedriges Zinsniveau lässt einen Währungsraum grundsätzlich weniger attraktiv für Investoren erscheinen als ein hohes. Fließt in der Folge weniger Kapital in einen Währungsraum, so wird die Währung an den Finanzmärkten weniger nachgefragt - sie verliert an Wert.

Offiziell entscheiden zwar in den meisten Ländern die Notenbanken über das Zinsniveau, die in der Regel unabhängig von den jeweiligen Regierungen agieren sollten. Dennoch gibt es immer wieder Versuche der Politik, auf die Zinspolitik Einfluss zu nehmen. US-Präsident Donald Trump beispielsweise kritisiert schon beinahe notorisch die seiner Meinung nach zu rigide Zinspolitik der US-Notenbank Fed.

In Ländern mit autokratischen Regierungssystemen darf die Unabhängigkeit der Zentralbanken ohnehin angezweifelt werden. In China beispielsweise wird täglich ein Wechselkurs zwischen Yuan und Dollar festgelegt, mit einer Schwankungsbreite von maximal 2 Prozent nach oben und nach unten. Vorgegeben wird dieser Kurs offiziell von der chinesischen Notenbank, die politische Führung in Peking dürfte jedoch ebenfalls Einfluss darauf nehmen.

2. Devisen- und Anleihenhandel

Eine weitere Möglichkeit der Einflussnahme auf den Finanzmarkt und damit auf den Wechselkurs ist der Kauf oder Verkauf von Devisen im großen Stil. Ist Peking beispielsweise an einer Abwertung des Yuan interessiert, so wäre der Kauf von Dollar-Beständen im großen Stil ein probates Mittel. Auf diese Weise könnte China das Angebot an Dollar auf dem Devisenmarkt reduzieren, was dessen Wert hebt. Gleichzeitig brächte die Volksrepublik zusätzliche Mengen an Yuan in Umlauf - was dessen Wert senken würde.

Ein anderes, subtileres Mittel, wäre aus chinesischer Sicht der Verkauf von US-Staatsanleihen. Die Regierung in Peking gilt als größter Gläubiger der USA und sitzt Schätzungen zufolge auf US-Bonds im Wert von mehr als einer Billion Dollar. Sollte China einen Teil dieses Bestandes auf den Markt werfen, so würde der Kurs der US-Anleihen womöglich durch das gestiegene Angebot gedrückt. Folglich bekäme die Rendite der Anleihen Auftrieb, was auf den Wechselkurs eine ähnliche Wirkung haben könnte wie eine Zinsanhebung seitens der US-Notenbank.

3. Verbale Einflussnahme

Wie die meisten Akteure an den Finanzmärkten sind auch jene am Devisenmarkt höchst sensibel: Sie reagieren nicht nur auf Ereignisse, sondern schon darauf, dass sich Ereignisse ankündigen oder befürchten lassen. Das können sich Politiker zunutze machen.

Ein Beispiel: Wenn US-Präsident Donald Trump per Twitter verkündet, er halte den Dollar für überbewertet, so kann allein diese Äußerung den Dollar-Kurs unter Druck setzen. Denn Investoren haben Grund zur Sorge, dass Trump - öffentlich oder im Hintergrund - Maßnahmen ergreifen wird, um den Dollar-Kurs tatsächlich zu drücken. Ob er das dann auch tatsächlich tun wird, spielt zunächst mal gar keine Rolle.

Wer profitiert von einem Währungskrieg? Wer verliert dabei?

Wie bereits bemerkt: Gelingt es einem Land, die eigene Währung dauerhaft einseitig abzuwerten, so kann das positive Effekte auf die Wirtschaft, auf den Arbeitsmarkt und auf den Wohlstand haben. Meist bleibt es jedoch nicht bei der einseitigen Abwertung, weil die positiven Effekte - zumindest theoretisch - im gleichen Maße negative Effekte im Ausland mit sich bringen. Um das zu vermeiden, starten andere Länder ebenfalls Abwertungen - der Währungskrieg beginnt.

Der eigentliche Profiteur von einem solchen Abwertungswettstreit ist - niemand. Ökonomen wie der US-Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz  sind sich weitgehend darüber einig, dass ein Währungskrieg keine Gewinner, sondern im Gegenteil nur Verlierer kennt. Der Grund: Die angestrebten Effekte treten nicht ein beziehungsweise heben sich gegenseitig auf. Was bleibt, ist Verunsicherung an den Finanzmärkten und in der Realwirtschaft. Konsumenten zögern womöglich Anschaffungen hinaus, ebenso wie Unternehmen Investitionen. Auch Geldanleger reagieren höchst sensibel auf derartige Entwicklungen, und zwar beispielsweise am Aktienmarkt meist mit Verkäufen. Gerade zu Beginn dieser Woche war dies an den Weltbörsen eindrucksvoll zu beobachten.

Welche Währungskriege gab es bereits?

Zum ersten bekannten Währungskrieg kam es bereits in den 1930er Jahren während der Weltwirtschaftskrise. Großbritannien und anderen Länder werteten ihre Währungen seinerzeit zum Teil massiv ab, um die ökonomische Misere in den Griff zu bekommen. Der internationale Wettstreit wurde schließlich 1936 mit einem Abkommen zwischen den USA, Großbritannien und Frankreich, dem sich später auch die Niederlande, Belgien und die Schweiz anschlossen, beendet.

In der jüngeren Vergangenheit tauchen Warnungen vor einem Währungskrieg immer wieder auf. Hintergrund ist wiederum eine Weltwirtschaftskrise, nämlich jene, die 2008 durch die US-Finanzkrise ausgelöst wurde. In deren Folge öffneten zahlreiche Notenbanken die Geldschleusen, um der Wirtschaft wieder auf die Beine zu helfen. Politiker unterstützten nicht selten diese Geldpolitik der eigenen Währungshüter - und kritisierten zugleich andere Nationen, sie würden auf diese Weise eine "Beggar-Thy-Neighbour"-Politik betreiben.

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