Montag, 21. Oktober 2019

Öl-Gigant vor Börsengang Saudi Aramco lockt mit Mega-Dividende von 75 Milliarden Dollar

Der Öl-Riese stimmt potenzelle Investoren auf hohe Dividenden ein

Gerade noch gerierte sich der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman mit Blick auf den Nahen Osten als warnender Untergangsprophet: Ließe sich der Erzfeind Iran, den Saudi Arabien für die Drohnenangriffe auf Ölanlagen des Staatskonzerns Saudi Aramco verantwortlich macht, nicht bändigen, würden die Öllieferungen der Region und mit ihnen die Weltwirtschaft zusammenbrechen, sagte er einem US-Sender. Zuversicht und Verlässlichkeit klingen anders.

Nicht einmal 24 Stunden später erklärt eben dieser Staatskonzern, dass Aramco im kommenden Jahr eine Basisdividende von rund 75 Milliarden Dollar ausschütten wolle. In einem Jahr wohlgemerkt. Das geht aus einer Präsentation (hier S.7) von Aramco hervor, die der Konzern am Montag auf seiner Internetseite veröffentlichte. In dem Dokument ist neben der genannten Zahl die Rede von einer "progressiv wachsenden Dividende auf nachhaltiger Basis nach Ermessen des Vorstands".

Um einmal die Dimension zu verdeutlichen: Saudi Aramco würde damit mehr von seinem Jahresgewinn ausschütten, als Dax-Konzerne wie Bayer oder BASF an der Börse wert sind. Für das vergangene Jahr hatte Aramco einen Reingewinn von 111 Milliarden Dollar ausgewiesen - mit Abstand der höchste Profit eines Unternehmens weltweit.

Nach bislang unbestätigten Berichten will Saudi Aramco im November in London oder Riad an die Börse gehen und versucht derzeit Investoren für das Vorhaben zu begeistern. Die Aktienemission könnte bis zu 100 Milliarden Dollar einspielen und damit die größte in der Geschichte werden. Bei dem IPO werde eine Bewertung von 2 Billionen Dollar angestrebt, berichtet der englischsprachige Reuters-Dienst am Montag.

Der geplante Börsengang bildet sozusagen das Rückgrat des Plans von Kronprinz Mohammed bin Salman, die saudische Wirtschaft unabhängiger vom endlichen Öl zu machen und die Ökonomie des Landes in ein neues Zeitalter zu führen.

Die Vorbereitungen für den Börsengang scheinen also trotz der Ungewissheit über den genauen Zeitplan weiterzugehen. Dabei hatte Saudi Aramco mit den Angriffen von Mitte September zunächst einen empfindlichen Rückschlag hinnehmen müssen:

Nach Analystenschätzungen war durch die Anschläge auf die beiden Anlagen vorübergehend bis zur Hälfte der saudischen Tagesproduktion ausgefallen. Auch hätte Aramco einzelne Kunden auf verspätete Lieferungen im Oktober vorbereitet, wie Bloomberg berichtete.

Der indische Großkunde Reliance Industries, Eigentümer des weltweit größten Raffineriekomplexes, erklärte hingegen am Montag, Aramco habe zugesichert die im Oktober vereinbarten Mengen und Qualitäten zu liefern. Saudi Arabien und Aramco sind mit dem indischen Konzern über eine Kapitalbeteiligung eng verflochten.

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