Sonntag, 26. Januar 2020

10 Prozent Aufschlag an der Börse in Riad Saudi Aramco debütiert über Ausgabepreis an der Börse

Saudi Aramco: Größter Börsengang der Welt
Maxim Shemetov/ REUTERS
Saudi Aramco: Größter Börsengang der Welt

Für westliche Aktiensparer ist die Aktie von Saudi Aramco uninteressant, doch zumindest saudische Anleger an der Börse in Riad können sich zum Börsenstart über Kursgewinne freuen: Der weltgrößte Ölkonzern Saudi Aramco hat am Mittwoch ein gelungenes Börsendebüt gefeiert. Die Aktien der saudiarabischen Staatsfirma erschienen am Mittwoch erstmals zu 35,2 Riyal auf den Kurszetteln. Damit lagen sie zehn Prozent über dem Ausgabepreis von 32 Riyal oder umgerechnet 8,53 Dollar.

Bei vollständiger Ausübung der Mehrzuteilungsoption ("Greenshoe") beläuft sich das Emissionsvolumen auf insgesamt 29,4 Milliarden Dollar. Damit ist der Aramco-Börsengang der größte der Welt. Bisheriger Spitzenreiter war der chinesische Online-Händler Alibaba, der 2014 Papiere im Volumen von rund 25 Milliarden Dollar losschlug. Zum Ausgabepreis wird Aramco mit insgesamt 1,7 Billionen Dollar bewertet und schwingt sich zum wertvollsten Börsenunternehmen der Welt auf.

Kronprinz bin Salman muss sich mit kleinerem IPO begnügen

Eigentlich hatte die saudi-arabische Führung noch voluminöser gedacht: Kronprinz Mohammed bin Salman hatte sich einen Börsenwert von zwei Billionen Dollar (1,8 Billionen Euro) vorgestellt. Zunächst wollte Saudi-Arabien 5 Prozent an Aramco an die Börse bringen und damit 100 Milliarden Dollar erlösen, um den Umbau des bisher stark vom Öl abhängigen Golfstaats zu finanzieren.

Doch zeigten ausländische Investoren wenig Interesse an der Aktie. Skeptisch macht sie nicht nur die Klimawandel-Debatte sowie die Tatsache, dass Aramco weiterhin vom autokratischen Regime in Riad kontrolliert wird. Die mutmaßliche Verstrickung des "Blutprinzen" MBS in die Ermordung des Journalisten Jamal Kashoggi in der saudischen Botschaft in Istanbul trägt ebenso dazu bei, dass sich Investoren zurückhalten.

Der Konzern baute deshalb vor allem auf Investoren aus dem Land selbst und aus den Nachbarstaaten am Golf und bot nur 1,5 Prozent seiner Aktien an. Saudi-arabische Banken offerierten günstige Kredite, um die Aktien zu zeichnen. Deshalb beschränkte sich der Konzern zunächst auf einen Börsengang im heimischen Riad, ein Zweitlisting im Ausland wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.


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Saudi-Arabien ist auf die Einnahmen aus dem Börsengang dringend angewiesen. Angesichts niedriger Preise und Förderkürzungen beim Öl rechnet das Land für das kommende Jahr mit einem Haushaltsdefizit von 187 Milliarden Rial (45 Milliarden Euro). Im laufenden Haushaltsjahr hatte das Defizit noch bei umgerechnet 32 Milliarden Euro gelegen. Saudi-Arabien hängt stark von den Einnahmen aus dem Erdölverkauf ab und muss sich angesichts des Ölpreisverfalls unabhängiger vom Handel mit dem wertvollen Rohstoff machen. Der Staat gehört zu den drei weltweit größten Erdölproduzenten.

la/dpa

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