Die Wirtschaftsglosse *So* gehen die Gauchos!

Grund zur Panik? Bloß, weil nur noch wenige Tage bleiben, um den Staatsbankrott abzuwenden? Am Ende des Tages versteht wieder nur Argentinien das Geheimnis des wirtschaftlichen Erfolgs.
Auf Wiedersehen, Geier: Argentiniens Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner (2.v.l.)

Auf Wiedersehen, Geier: Argentiniens Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner (2.v.l.)

Foto: REUTERS/ Argentine Presidency

Endzeitstimmung ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Das "New York Magazine" sieht "Washington und Wall Street im Griff der Großen Flaute ". Der "Angstindex" Vix verharre nahe dem historischen Tiefststand, nach Jahren der hektischen Aktivitäten zur Rettung der Welt vor dem nahen Kollaps sei jetzt einfach die Luft raus. Niemand habe noch groß Lust, sich aufzuregen. Vom Chefvolkswirt der Weltbank kommt der Tweet, "die Weltwirtschaft ist ruhig" . Krieg im Nahen Osten, im Irak, in Syrien, in der Ukraine? Schuldenberge auf allen Kontinenten? Nichts, was den Markt noch erschüttern könnte.

Am kommenden Donnerstag naht eines dieser Ereignisse, die in den Vorjahren noch Schockwellen in die Welt geschickt und Krisenticker auf manager magazin online gefüttert hätten. Per 31. Juli muss die Republik Argentinien laut US-Gerichtsurteilen ihre Schulden bei den verhassten Geierfonds begleichen oder sich für zahlungsunfähig erklären - das wäre der größte Staatsbankrott seit, na mindestens seit 2012.

Zu "ständigen" Verhandlungen mit der Gegenseite hat der New Yorker Richter Thomas Griesa die Argentinier verdonnert, um doch noch in letzter Minute einen Kompromiss zu finden. Das hat sich der konservative Greis wohl so gedacht. Die argentinische Delegation hingegen teilte mit, zum ersten angesetzten Treffen mit den Anwälten der Hedgefonds nicht erscheinen zu können. Wegen "Reiseschwierigkeiten" schaffe man es leider nicht rechtzeitig von Buenos Aires nach New York.

Jetzt ist erstmal Wochenende, bis Donnerstag bleiben dann ja noch vier Tage. Ob ein Kompromiss gelingt, der wohl mindestens die gesamten Devisenreserven Argentiniens auf einen Schlag aufbrauchen würde, ob die anderen Gläubiger stillhalten, ob der Internationale Währungsfonds anrücken muss oder ob ein Offenbarungseid schlicht die sinnvollste Lösung ist - wir werden es sehen. Dann könnten sich die Herren Singer und Co. ihre Erfolge vor Gericht in die spärlichen Haare schmieren.

Diese Nonchalance steht mustergültig für die neue Gelassenheit an den Märkten, und niemand hat sie so perfektioniert wie Argentiniens Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner. Als die Fußball-Spieler des Landes geschlagen vom WM-Finale in Brasilien heimkamen, was sagte Fernandez da, neben dem wertvollsten Spieler der Welt Lionel Messi stehend? "Wie Sie wissen, interessiere ich mich überhaupt nicht für Fußball. Ich habe keines der Spiele gesehen." Das muss man erstmal bringen.

Mögen sich andere über die unterlegenen "Gauchos" mokieren, die Präsidentin hat sich geschickt distanziert: Wenn die Selección nicht der Stolz der Nation ist, kann ihre Niederlage auch nicht die Nation in ihrem Stolz verletzen. Argentinien ist souverän, auch hinsichtlich der Staatsanleihen: Die Republik hätte gerne wieder Zugang zu den Kapitalmärkten gehabt und gute Beziehungen mit den weniger streitlustigen Gläubigern gepflegt oder zumindest eine leichter einzuhaltende Frist bis Jahresende gehabt, aber wenn nicht, dann eben nicht.

Donnerstag also womöglich Weltuntergang. Bis dahin: Abwarten und Mate trinken.

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