Während S&K-Chefs über Deal verhandeln Insolvenzverwalter verklagt 1400 S&K-Opfer auf Millionensumme

Haben Geld offenbar zum Fressen gern: Während die Gründer von S&K vor Gericht stehen und über einen möglichen Deal verhandeln, verklagt der Insolvenzverwalter zweier S&K-Fonds 1400 der Investoren.

Haben Geld offenbar zum Fressen gern: Während die Gründer von S&K vor Gericht stehen und über einen möglichen Deal verhandeln, verklagt der Insolvenzverwalter zweier S&K-Fonds 1400 der Investoren.

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Achim Ahrendt macht Ernst. Wie der Insolvenzverwalter zweier Fonds der Frankfurter Skandal-Immobiliengruppe S&K auf Anfrage von manager magazin online mitteilt, hat er bei Gericht Klagen gegen rund 1400 Anleger der beiden von ihm verwalteten S&K-Fonds eingereicht.

Der Grund: Ahrendt fordert Ausschüttungen, die die Investoren aus den inzwischen insolventen Fonds nach seiner Ansicht unrechtmäßig erhalten hatten, zurück. In Fällen, in denen sich Anleger weigern, das Geld wieder herauszurücken, landet die Sache nun vor Gericht.

Ganz überraschend kommt der Schritt des Insolvenzverwalters von der Hamburger Kanzlei Hermann Wienberg Wilhelm nicht. Schon im November vergangenen Jahres hatte manager magazin online berichtet, dass Ahrendt die Gesellschafter der von ihm verwalteten S&K-Fonds zur Rückzahlung aufgefordert hatte. In Schreiben an die Investoren machte der Jurist seinerzeit bereits klar, dass die Investoren allerdings nicht unbedingt endgültig auf das Geld verzichten sollten - sie könnten den zurückgezahlten Betrag vielmehr im gleichen Zuge als Forderung zur Insolvenztabelle anmelden, so Ahrendt.

Inzwischen ist jedoch klar: Ein großer Teil der betroffenen S&K-Opfer war nicht bereit, Ahrendts Zahlungsaufforderung nachzukommen. Wie der Insolvenzverwalter gegenüber manager magazin online mitteilt, hatte er ursprünglich von etwa 3700 Investoren, die zusammen rund 62 Millionen Euro in beide S&K-Fonds investiert hatten, etwa 15 Millionen Euro an Ausschüttungen zurückgefordert.

Eingegangen sind bei Ahrendt bislang jedoch lediglich zusammen gut vier Millionen Euro, und zwar mehr als 1,3 Millionen Euro im Fonds Deutsche S&K Sachwerte Nr. 2 und gut 2,7 Millionen Euro im Fonds S&K Real Estate Value Added.

Wie Ahrendt weiter ausführt, hat er darüber hinaus im ersten Fonds in 150 Fällen und im zweiten Fonds in knapp 100 Fällen - zum Teil aufgrund von "Härtefallgesichtspunkten" - Vergleiche geschlossen.

Warum die S&K-Gründer schon auf Haftende hoffen können

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So bleiben jene weit mehr als 1000 Streitigkeiten, die nun vor Gericht entschieden werden müssen: Laut Ahrendt gibt es 683 Klagen mit einem Volumen von insgesamt 1,1 Millionen Euro, die er gegen Anleger des Fonds Deutsche S&K Sachwerte Nr. 2 eingereicht hat, und insgesamt 720 Klagen mit einem Volumen von zusammen 7,8 Millionen Euro im Fonds S&K Real Estate Value Added.

Mehrere Hundert dieser Fälle seien bereits in Musterklagen gebündelt, so der Insolvenzverwalter weiter. "Wir werden allen Anlegern anbieten, sich dem Ergebnis der Musterklage anzuschließen."

Für die betroffenen S&K-Anleger, die der Ahrendt ins Visier genommen hat, geht damit das Leiden in die nächste Runde. Begonnen hatte ihre Misere Anfang 2013, als das Firmenkonstrukt der S&K-Immobiliengruppe per bundesweiter Großrazzia zum Einsturz gebracht wurde.Zahlreiche Vermögenswerte und Konten wurden seinerzeit von Ermittlern sichergestellt, mehrere S&K-Verantwortliche kamen in Haft.

Es folgten: Die Pleiten zahlreicher S&K-Beteiligungsfonds, die wohl den Verlust des weitaus größten Teils der Investments bedeuten, sowie in Frankfurt der Strafprozess gegen die Verantwortlichen des verworrenen Geldanlagekonstrukts.

Dort saßen zunächst sechs Top-Leute aus der S&K-Gruppe sowie von Partnerfirmen vor Gericht. Der Vorwurf: Mit ihrem komplexen Firmen- und Beteiligungssystem sollen sie insgesamt rund 11.000 Geldanleger um mindestens 240 Millionen Euro gebracht haben, darunter auch jene 3700 Investoren aus den Fonds von Insolvenzverwalter Ahrendt.

Inzwischen wurde im Dezember vergangenen Jahres das erste Urteil gesprochen: Der Hamburger Ex-Geschäftsführer eines Fondshauses, Hauke B., erhielt eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und drei Monaten.

Um den Riesenprozess zu einem baldigen Ende zu bringen, verhandelt zudem die Staatsanwaltschaft offenbar bereits mit weiteren Angeklagten über eine mögliche Einigung. Wie kürzlich das "Handelsblatt " berichtete, sind die Ankläger offenbar auch bereit, einen Teil ihrer Vorwürfe fallenzulassen.

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Das heißt: Während die S&K-Köpfe - allen voran die Firmengründer Jonas Köller und Stephan Schäfer - bereits auf baldige Entlassung aus ihrer seit Anfang 2013 andauernden Haft hoffen, müssen sich 1400 der durch sie mutmaßlich geschädigten Anleger nun wohl vor Gericht mit dem Insolvenzverwalter ihrer Fonds herumschlagen.

Insolvenzverwalter verklagt auch S&K-Chefs auf Schadensersatz in Millionenhöhe

Begründet hatte Achim Ahrendt seine Ansprüche gegen die Investoren bereits im November in seinem ersten Anschreiben. Darin hieß es zum Beispiel, die Investoren seien bei der Verteilung der Ausschüttungen unterschiedlich bedacht worden, was gegen den Grundsatz der Gläubigergleichbehandlung verstoße. Zudem sei eine zwischen die Anleger und die Beteiligungsgesellschaft geschaltete Treuhandgesellschaft nie ins Handelsregister eingetragen worden, weshalb die Anleger streng genommen nie wirklich zu Gesellschaftern geworden seien.

Schließlich handele es sich bei den Ausschüttungen nicht um Gewinne, sondern um Einzahlungen anderer Investoren, die im Zuge eines betrügerischen "Schneeballsystems" umgeschichtet worden seien. Die Auszahlung solcher Scheingewinne sei im Fall der Insolvenz jedoch anfechtbar, so der Insolvenzverwalter in den Schreiben, die manager magazin online vorliegen.

Auf Anlegerseite stößt der Insolvenzverwalter mit der Argumentation jedoch offensichtlich auf Gegenwehr. Anlegeranwalt Marc Gericke von der Kanzlei Göddecke aus Siegburg etwa bemängelt gegenüber manager magazin online die Klageschrift des Insolvenzverwalters an verschiedenen Stellen. Gerickes Fazit: Ahrendt habe es sich damit "sehr einfach gemacht".

Insolvenzverwalter Ahrendt will auf Anfrage zu Detailfragen aufgrund des laufenden Prozesses zwar nicht Stellung nehmen. Er betont jedoch, die Ansprüche vor Klageerhebung sorgfältig geprüft zu haben. Im Interesse einer Gleichbehandlung der Gläubiger - also im Wesentlichen der Anleger - müssten diese Ansprüche notwendigerweise durchgesetzt werden, so Ahrendt.

Selbstverständlich, so fügt der Insolvenzverwalter hinzu, nehme er jedoch auch die Geschäftsführer und Initiatoren von S&K auf Schadensersatz in Anspruch. "Hier sind bereits Klagen in Millionenhöhe anhängig", so Ahrendt zu manager magazin online.

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