Insolvenzverwalter fordert Millionen Klagewelle gegen S&K-Opfer - die ersten Urteile sind da

Bild aus besseren Zeiten: S&K-Gründer Jonas K. posiert mit Dame auf Kühlerhaube. Zuletzt wurde der inzwischen verurteilte K. schon wieder beim Feiern auf Ibiza gesichtet

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Gibt es neue Hoffnung für jene 1400 Anleger der Frankfurter Skandal-Immobiliengruppe S&K, die vom Insolvenzverwalter ihrer Fonds auf Rückzahlung erhaltener Ausschüttungen verklagt wurden? Einem Urteil zufolge, dass manager magazin online vorliegt, hat das Amtsgericht Northeim zumindest einem der betroffenen S&K-Investoren nun Recht gegeben.

10.000 Euro hatte der fragliche S&K-Kunde in den Fonds Deutsche S&K Sachwerte Nr. 2 des Unternehmens gesteckt. Bevor die Firma Anfang 2013 im Zuge einer bundesweiten Großrazzia hochgenommen wurde, flossen aus diesem Investment bereits 800 Euro an Ausschüttungen an den Anleger.

Die will Achim Ahrendt, Rechtsanwalt aus Hamburg und Insolvenzverwalter des inzwischen in die Pleite gerutschten Fonds, nun wieder haben. Weil der Anleger die Auszahlung jedoch nicht zurückgeben will, hat Ahrendt ihn verklagt, genau wie etwa 1400 weitere S&K-Investoren, deren Fälle ähnlich gelagert sind, ebenfalls. Der Insolvenzverwalter ist der Ansicht, dass die Anleger die Ausschüttungen unrechtmäßig erhalten haben. manager magazin online hatte über die Klagewelle bereits Anfang 2017 exklusiv berichtet.

Im beschriebenen Fall hat nun das Amtsgericht Northeim ein Urteil gesprochen - und zwar zu Gunsten des S&K-Fondsanlegers. Der Kläger, also Insolvenzverwalter Ahrendt, habe gegen den Beklagten, sprich: den Anleger, keinen Rückzahlungsanspruch, schreibt das Gericht in seinem Urteil. Auch die Kosten des Rechtstreits müsse der Insolvenzverwalter tragen, so der richterliche Entscheid.

Gute Nachrichten also für 1400 betroffene S&K-Anleger? Die Rechtsfrage, über die bei jedem Anleger individuell entschieden werden muss, ist jedes Mal die gleiche - dürfen also auch alle anderen auf ein Urteil im Tenor der Northeimer Entscheidung hoffen?

Rechtsanwalt Thomas Diler von der Kanzlei Sommerberg in Bremen, der den Investor im vorliegenden Fall vertrat, und der eigenen Angaben zufolge noch weitere S&K-Opfer unter seinen Klienten hat, glaubt daran. Für den S&K-Insolvenzverwalter sei die Sache kein Selbstläufer, so Diler gegenüber manager magazin online. Möglicherweise schlössen sich andere Gerichte der Auffassung des Amtsgerichts Northeim an, so dass das Urteil "Signalcharakter" haben könnte, so Dilers Hoffnung.

S&K-Insolvenzverwalter Ahrendt dagegen sieht die Sache naturgemäß anders. Aus seiner Sicht handelt es sich bei der Entscheidung aus Northeim um einen "Ausreißer", wie er im Gespräch mit manager magazin online sagt. Es sei die bislang einzige richterliche Entscheidung in dieser Sache, in der dem Anleger Recht gegeben wurde, so Ahrendt. Allerdings gibt es bislang auch erst drei Gerichtsurteile in der Causa, wie Ahrendt ebenfalls mitteilt. Zwei davon fielen mithin zugunsten des Insolvenzverwalters aus.

Der Insolvenzverwalter jagt noch immer 4,7 Millionen Euro hinterher

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Ahrendt macht jedoch darauf aufmerksam, dass daneben bereits mehr als 300 Klagen erledigt wurden, indem mit den Investoren - häufig auf Anraten des Gerichts - Vergleiche geschlossen wurden. Die Vergleichsquote lag dabei "grundsätzlich bei rund 75 Prozent", so der Insolvenzverwalter. Nur in Ausnahmefällen seien aus wirtschaftlichen Gründen niedrigere Quoten vereinbart worden.

Laut Ahrendt sind derzeit noch rund 450 Verfahren in dem Komplex anhängig. davon handelt es sich in fünf Fällen um Musterklagen, denen sich insgesamt 634 Anleger angeschlossen haben. In den Klagen gehe es noch um insgesamt etwa 4,7 Millionen Euro, teilt Ahrendt mit. 4,8 Millionen Euro konnte der Insolvenzverwalter dagegen bereits "für die Gläubigergemeinschaft realisieren", wie er mitteilt.

Hintergrund: Achim Ahrendt von der Hamburger Kanzlei Hermann Wienberg Wilhelm ist nicht nur Insolvenzverwalter des Fonds Deutsche S&K Sachwerte 2, um den es in der Northeimer Entscheidung geht, sondern auch des Fonds S&K Real Estate Value Added. Weil er der Ansicht ist, dass die Anleger beider Fonds unrechtmäßig Ausschüttungen kassiert haben, hat er schon im Herbst vergangenen Jahres begonnen, diese in beiden Fällen zurückzufordern.

Dabei machte Ahrendt allerdings von Beginn an klar, dass die Investoren nicht unbedingt endgültig auf das Geld verzichten sollten - sie könnten den zurückgezahlten Betrag vielmehr im gleichen Zuge als Forderung zur Insolvenztabelle anmelden, so Ahrendt.

Ein großer Teil der betroffenen S&K-Opfer war jedoch nicht bereit, Ahrendts Zahlungsaufforderung nachzukommen. Wie der Insolvenzverwalter gegenüber manager magazin online mitteilte, hatte er ursprünglich von etwa 3700 Investoren, die zusammen rund 62 Millionen Euro in beide S&K-Fonds investiert hatten, etwa 15 Millionen Euro an Ausschüttungen zurückgefordert.

Bevor Ahrendt begann, den Klageweg zu beschreiten, waren bei ihm jedoch lediglich zusammen gut vier Millionen Euro an Rückzahlungen eingegangen, und zwar mehr als 1,3 Millionen Euro im Fonds Deutsche S&K Sachwerte Nr. 2 und gut 2,7 Millionen Euro im Fonds S&K Real Estate Value Added. Darüber hinaus hatte der Insolvenzverwalter zu jenem Zeitpunkt bereits im ersten Fonds in 150 Fällen und im zweiten Fonds in knapp 100 Fällen - zum Teil aufgrund von "Härtefallgesichtspunkten" - Vergleiche geschlossen.

Verurteilter S&K-Gründer feiert schon wieder auf Ibiza

Folge: Es blieben jene weit mehr als 1000 Streitigkeiten, die vor Gericht entschieden werden müssen. Laut Ahrendt gab es ursprünglich 683 Klagen mit einem Volumen von insgesamt 1,1 Millionen Euro, die er gegen Anleger des Fonds Deutsche S&K Sachwerte Nr. 2 eingereicht hat, und insgesamt 720 Klagen mit einem Volumen von zusammen 7,8 Millionen Euro im Fonds S&K Real Estate Value Added.

Für die betroffenen S&K-Anleger, die Ahrendt ins Visier genommen hat, geht damit das Leiden weiter. Begonnen hatte ihre Misere Anfang 2013, als das Firmenkonstrukt der S&K-Immobiliengruppe per bundesweiter Großrazzia zum Einsturz gebracht wurde. Zahlreiche Vermögenswerte und Konten wurden seinerzeit von Ermittlern sichergestellt, mehrere S&K-Verantwortliche kamen in Haft.

Es folgten: Die Pleiten zahlreicher S&K-Beteiligungsfonds, die wohl den Verlust des weitaus größten Teils der Investments bedeuten, sowie in Frankfurt der Strafprozess gegen die Verantwortlichen des verworrenen Geldanlagekonstrukts.

Dort saßen sechs Top-Leute aus der S&K-Gruppe sowie von Partnerfirmen vor Gericht. Der Vorwurf: Mit ihrem komplexen Firmen- und Beteiligungssystem sollen sie insgesamt rund 11.000 Geldanleger um mindestens 240 Millionen Euro gebracht haben, darunter auch jene 3700 Investoren aus den Fonds von Insolvenzverwalter Ahrendt.

Im Dezember 2016 gab es bereits das erste Urteil in dem Mammutprozess: Der Hamburger Unternehmer Hauke B. wurde zu fünf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Ende März dieses Jahres erhielten dann die Hauptangeklagten, die S&K-Gründer Stephan S. und Jonas K., ihre Strafen: 8,5 Jahre für jeden der beiden. Wegen der bereits lange andauernden Untersuchungshaft wurden jedoch beide Männer zunächst auf freien Fuß gesetzt, und zumindest Jonas K. scheint die Zeit in Freiheit in vollen Zügen zu genießen. Die "Bild am Sonntag" veröffentlichte vor wenigen Tagen Fotos, die K. beim Feiern mit Freunden an einem Pool auf Ibiza zeigen.

Insolvenzverwalter Ahrendt indes will die Entscheidung aus Northeim nicht ohne weiteres akzeptieren. Wie der Jurist zu manager magazin online sagte, wird er gegen das noch nicht rechtskräftige Urteil Berufung einlegen.