100 Millionen Euro Anlagevolumen Scalable wird zum Bankenkiller

Mit Scalable hat erstmals ein deutscher Robo-Advisor die 100-Millionen-Euro-Marke durchbrochen

Mit Scalable hat erstmals ein deutscher Robo-Advisor die 100-Millionen-Euro-Marke durchbrochen

Foto: imago

Seit rund 20 Jahren gibt es kostengünstige Indexfonds: Anleger können für 0,2 oder 0,3 Prozent Verwaltungsgebühr mit zwei oder drei dieser Wertpapiere in den weltweiten Aktienmarkt investieren.

Das wäre für die meisten Sparer die beste Lösung, denn über 20 oder 30 Jahre hinweg bringen Aktien mit Abstand die beste Rendite - in Deutschland trotz zweier Weltkriege und der Weltwirtschaftskrise sowie spektakulären Crashs waren es von 1900 bis 2015 pro Jahr durchschnittlich 3,3 Prozent. Real, also nach Abzug des Kaufkraftverlusts durch die Inflation.

In friedlicheren Zeiten ist die Rendite deutlich höher: von 1966 bis 2015 brachten Aktien pro Jahr durchschnittlich 5,6 Prozent Rendite. Das Kapital in Indexfonds weltweit ist seit 2000 von 100 Milliarden auf aktuell 3200 Milliarden Dollar explodiert.

Viele Anleger zahlen zu hohe Provisionen

Die Konsequenz für Sparer liegt auf der Hand: Indexfonds kaufen, liegenlassen, Altersvorsorge erledigt. Sollte man meinen.

Leider kaufen aber nur sehr wenige Anleger Indexfonds mit niedrigen Gebühren - stattdessen zahlen die meisten hohe Provisionen an Versicherungs- oder Bankberater sowie an Fondsmanager. Deshalb bleibt von der schönen Aktienrendite oft wenig übrig. Außerdem haben die Deutschen viel zu wenig Aktien.

Wer die günstigen Aktien-Indexfonds kauft, der zockt leider oft damit: Indexfonds-Anleger liegen bei der Rendite im Durchschnitt rund 7 Prozent schlechter als der gesamte Aktienmarkt, zeigen Daten einer deutschen Onlinebank, die der Ökonom Andreas Hackethal von der Goethe-Universität Frankfurt analysiert hat.

Werden die Anleger es nie lernen? Wird das Gejammer über die Nullzinsen (siehe "Bild am Sonntag"-Titelseite vom Wochenende) ewig weitergehen, während die Sparer Aktien verschmähen, die es per Indexfonds einfach und günstig zu erwerben gibt?

Scalable aquiriert Anleger über Facebook

Eine Nachricht macht Hoffnung, dass zumindest einige Anleger umdenken: Der Robo-Advisor Scalable aus München hat mit einem kostengünstigen Angebot einer digital verfügbaren Vermögensverwaltung auf Basis von Indexfonds mehr als 100 Millionen Euro bei Anlegern eingesammelt. Das lässt hoffen, dass die digitale Vermögensverwaltung Indexfonds endlich als Basis der Altersvorsorge etablieren kann.

Die neuen digitalen Angebote sind einfach zu verstehen und zu bedienen. Allerdings war trotzdem nicht klar, ob sie die deutschen Anleger erreichen werden. Scalable gelingt dies, indem das Unternehmen über Facebook vor allem zahlenaffine Menschen anspricht, etwa Absolventen in Wirtschaftswissenschaften oder Ingenieurwesen. Die Hoffnung: Sie sind besonders aufgeschlossen für die Argumentation, Renditevorteile durch niedrigere Kosten zu erzielen und tun sich deswegen offenbar leichter damit, ihr Geld per Indexfonds-Depot verwalten zu lassen.

In Deutschland gibt es bereits einige andere Robo-Advisors, wie Ginmon, Liqid, Quirion und Vaamo. Einige dieser Anbieter haben jedoch Probleme, ohne große Marketingbudgets Kunden anzuziehen. Die großen Indexfonds-Anbieter wie Blackrock (ishares), Deutsche Bank oder State Street haben - anders als einige große Konkurrenten in den USA - noch keine großen Werbekampagnen für eigene Robo-Advisors gestartet, was die digitale Vermögensverwaltung popularisieren könnte.

Bisher hatten erst fünf Anbieter die 100-Millionen-Euro-Marke durchbrochen

Europaweit hatten vor Scalable wegen dieser schwierigen Bedingungen erst fünf andere Robo-Advisors die 100-Millionen-Euro-Marke durchbrochen, sagt Michael Mellinghoff, Fintech-Berater und Gründer von Techfluence: Der europäische Marktführer Nutmeg aus Großbritannien mit geschätzt 650 Millionen Euro verwaltetem Kapital, die Mediobanca-Tochter CheBanca und Moneyfarm aus Italien sowie Pritle aus den Niederlanden. Die spanische Feelcapital verwaltet mehr als seine Milliarde Euro, aber ein Großteil dieses Geldes stammt aus dem herkömmlichen Geschäft, sagt Mellinghoff.

Nun kommt Scalable als sechster Anbieter mit mehr als 100 Millionen Euro Kundenkapital hinzu, ein Unternehmen aus Deutschland. Es besteht also doch noch die Hoffnung, das günstige Indexfonds zu Bankenkillern - also aus Kundensicht vor allem: Kostenkillern - werden. Und dass das Gejammer über die Niedrigzinsen bald vorüber ist.

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