Dienstag, 25. Februar 2020

Reform der Altersvorsorge Verbraucherschützer dringen auf  Alternativen zur Riester-Rente

Riester-Rente: Gut gemeint, schlecht gemacht

Gut gemeint, nicht gut gemacht: Die Verbraucherzentralen kritisieren die bestehende private Altersvorsorge und fordern die Regierung auf, ein neues Modell zu entwickeln. Sie haben auch schon eine Empfehlung.

Die Verbraucherzentralen dringen auf Entscheidungen für eine lohnendere private Altersvorsorge. "Ich appelliere an die Bundesregierung, 2020 zum Jahr der Rentenreform zu machen", sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, der Deutschen Presse-Agentur. Es gebe die große Chance, die Riester-Rente grundlegend zu reformieren, die gut gemeint, aber schlecht gemacht sei. Es lägen praktische Vorschläge auf dem Tisch, wie man es auch in einer Niedrigzinsphase mit einem vertretbaren Risiko im Alter besser haben könne, als es die Riester-Rente bisher anbiete.

Extrarente ohne üppige Provisionen für Banken und Versicherungen

Die Verbraucherzentralen werben seit längerem für ein staatlich organisiertes Standardprodukt und haben ein Konzept für eine sogenannte "Extrarente" vorgelegt. Arbeitnehmer sollen demnach automatisch über ihren Arbeitgeber in die Vorsorge einzahlen - es sei denn, sie widersprechen.

Ein öffentlicher Träger soll dann über Ausschreibungen Fondsmanager beauftragen, das Geld am Kapitalmarkt anzulegen. Dann würden eben nicht mehr Banken und Versicherungen über Provisionen am Vertrieb verdienen, sagte Müller.

Verwaltungsgebühren häufig höher als die staatlichen Zulagen

Die Rendite der Riester-Rente wird durch Provisionen und jährliche Verwaltungsgebühren der Banken und Versicherer kräftig geschmälert. Selbst bei einem Standard-Riesterprodukt, wo auf Grund der langen Laufzeit auch hohe Beiträge angespart werden, betragen die Verwaltungskosten häufig mehrere hundert Euro pro Jahr und übersteigen damit die staatlichen Zulagen, die eigentlich beim Sparer ankommen sollten.

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Viele Riester-Verträge auf Eis

Der vzbv-Chef betonte, es gebe eine hohe Akzeptanz für die gesetzliche Rente. "Das war nicht immer so, sie ist teilweise von Banken und Versicherungskonzernen bewusst schlechtgeredet worden." Zugleich steckten in der privaten Vorsorge große Potenziale. Im neuen Jahr soll unter anderem auch eine Rentenkommission aus Experten im Auftrag der Bundesregierung Vorschläge machen.

Viele Sparer in Deutschland hadern mit der staatlich geförderten Riester-Rente. Nach aktuellen Schätzungen des Bundesarbeitsministeriums ruht derzeit jeder fünfte Riester-Vertrag. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion auf dem Sommer hervor. Die Anleger zahlen also keine Beiträge mehr ein, haben ihren Vertrag aber nicht gekündigt, weil sie sonst staatliche Zulagen zurückzahlen müssten.

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