Dienstag, 25. Juni 2019

Fatale Folgen der Rentendiskussion? Angst vor Armut im Alter - doch die Jungen ändern wenig

Geld für das Alter ansparen und arbeiten lassen? Der traurige Befund nach 15 Jahren Rentenreform sieht anders aus: Jüngere Menschen legen zusehends weniger Geld für den Ruhestand zurück

In Deutschland ist eine neue Debatte um die Rente entbrannt. Sie kursiert um ein späteres Renteneintrittsalter , die Höhe der Rente im Alter und die Frage, ob die Riester-Rente oder die private Altersvorsorge wegen der Niedrigzinsen überhaupt noch ausreichen, um die im Zuge der Rentenreformen entstandene "Rentenlücke" zu füllen.

Eines zeigt sich bereits jetzt: Die öffentliche, auch von Ökonomen teils heftig geführte Diskussion bleibt nicht ohne Wirkung auf die Menschen. Sie scheint sie zusätzlich zu verunsichern. Und womöglich führt sie insbesondere die jungen Menschen immer stärker weg von der Einsicht, dass private Vorsorge eigentlich notwendig ist.

15 Jahre nach der Rentenreform fühlt sich jedenfalls die Mehrheit der Bürger in Deutschland (57 Prozent), die noch nicht im Ruhestand weilt, nicht genügend für das Alter abgesichert. 39 Prozent hingegen glauben, dass ihre Absicherung für das Rentenalter ausreicht, hat eine Infratest-Dimap-Erhebung im Auftrag der ARD ergeben.

Dabei scheint die Furcht vor Altersarmut um so größer zu sein, je jünger die Menschen sind. Bei den 18- bis 34-Jährigen fühlen sich 62 Prozent als nicht ausreichend abgesichert. Bei den den 35- bis 49-Jährigen sind es 58 Prozent und bei den 50- bis 64-Jährigen gut die Hälfte (51 Prozent).

Der Politik trauen die Menschen dabei keine Lösung des Problems zu. Dass Schwarz-Rot die Altersarmut in Deutschland mit Reformen in den Griff bekommen kann, glauben mehr als zwei Drittel (67 Prozent) der Bürger nicht. Lediglich gut ein Viertel (28 Prozent) vertrauen der Regierung bei dem Thema.

Nur noch ein Drittel der Jungen spart regelmäßig für das Alter

In der zurückliegenden Woche haben Parteivertreter mehrfach davor gewarnt, die Rente zum Wahlkampfthema zu machen. Das Thema eigne sich wegen der grundsätzlichen Bedeutung und notwendigerweise langfristigen Strategie nicht für Wahlkampfparolen, warnten Stimmen gleichermaßen aus der Union und der SPD.

Eine weitere Umfrage von Infratest unter 2500 jungen Menschen im Alter zwischen 17 und 27 Jahren fördert zugleich ein nur scheinbar widersprüchliches Phänomen zutage. Mögen sich die meisten jungen Menschen auch schlecht abgesichert für das Alter fühlen, so ändern sie zugleich nicht viel daran.

Ganz im Gegenteil: Nur noch gut ein Drittel der jungen Menschen sorgt laut dieser Umfrage regelmäßig für den Ruhestand vor. 2010 waren es noch 38 Prozent. Dabei legen viele Befragte (54 Prozent) durchaus Geld zurück, zumeist dann aber für eine Urlaubsreise oder anderweitigen Konsum. Die junge Generation wolle das Leben zunächst genießen und lege auch deswegen weniger Geld zurück, heißt es.

Das zeugt nicht von Weitblick. Wer mag es andererseits den jungen Menschen angesichts der niedrigen Zinsen und damit auch fallenden Renditen von Altersvorsorgeprodukten verdenken, wenn sie in der privaten Vorsorge immer weniger Sinn erkennen? Zugleich stehen Vorsorgeprodukte wie die 16 Millionen Mal verkaufte Riester-Rente wegen ihrer Kosten und des aufwändigen Zulagensystems seit Jahren in der Kritik.

Unverhohlene Forderungen nach der Abschaffung der Riester-Rente aus dem Mund von Spitzenpolitikern wie Horst Seehofer (CSU) oder in abgemilderter Form auch von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) werden das Vertrauen der jungen Menschen in die private Altersvorsorge jedenfalls kaum erhöhen können.

rei mit Nachrichtenagenturen

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