Freitag, 19. April 2019

Reallöhne steigen Deutsche haben wieder mehr Geld übrig

Nach Abzug der Inflation blieb den Arbeitnehmer in Deutschland im ersten Quartal deutlich mehr vom Lohn übrig

Die Löhne in Deutschland sind im ersten Quartal nach Abzug der Inflation um 1,3 Prozent gestiegen und damit so stark wie seit drei Jahren nicht mehr. Das Gehaltsplus bei Gutverdienern fällt deutlich höher aus. Auch zwischen Ost und West sind die Unterschiede beträchtlich.

Berlin - Die Reallöhne in Deutschland haben zu Jahresanfang so stark zugelegt wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Zwischen Januar und März gab es ein Plus von 1,3 Prozent zum Vorjahresquartal, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit.

Die nominalen Löhne kletterten um 2,6 Prozent. Die Kaufkraft der Verbraucher erhöhte sich spürbar, da die Inflation so niedrig war wie zuletzt vor rund dreieinhalb Jahren. Die Verbraucherpreise stiegen nur um 1,2 Prozent - somit hatten die Konsumenten wieder deutlich mehr im Geldbeutel.

Von den Zuwächsen profitieren nicht alle Arbeitnehmer gleich: Arbeitnehmer in leitender Stellung können sich über ein durchschnittliches Gehaltsplus von 4,1 Prozent freuen, auch Fachkräfte erhalten mit 2,3 Prozent ganz ordentliche Lohnerhöhungen. Ungelernte Arbeitnehmer verdienen dagegen nur 1,3 Prozent mehr als vor einem Jahr - sie erhalten also gerade einmal einen Inflationsausgleich.

Löhne bei Gutverdienern steigen stärker

2013 waren die Reallöhne erstmals seit dem Rezessionsjahr 2009 leicht gesunken (minus 0,1 Prozent). Grund war, dass die Preise schneller zulegten als Löhne und Gehälter.

Im vergangenen Jahr verdienten Voll- und Teilzeitbeschäftigte (ohne geringfügig Beschäftigte) im Produzierenden Gewerbe und bei den Dienstleistern pro Stunde im Schnitt 19,65 Euro brutto. Sonderzahlungen sind hier nicht berücksichtigt.

Die Schere zwischen West und Ost ist dabei immer noch weit offen: Im früheren Bundesgebiet liegt der durchschnittliche Bruttostundenlohn bei 20,42 Euro, in den neuen Bundesländern nur bei 15,30 Euro.

Hamburg zahlt die höchsten Stundenlöhne im Schnitt

Wer in Hamburg wohnte, verdiente bundesweit mit 22,12 Euro am meisten. Auch in Hessen (21,65 Euro) und Baden-Württemberg (21,23 Euro) lagen die Verdienste weit über dem Durchschnitt. Schlusslicht im Westen war Schleswig-Holstein mit 18,17 Euro. Deutschlandweit wurden die geringsten Bruttostundenverdienste in Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen (je 15,02 Euro) sowie Sachsen-Anhalt (15,09 Euro) gezahlt.

Je nach Funktion im Betrieb sind die Verdienstunterschiede der Beschäftigten sehr groß. So verdienten Arbeitnehmer in leitender Stellung in Hessen mit durchschnittlich 38,94 Euro am meisten. Am wenigsten bekamen Ungelernte in Mecklenburg-Vorpommern mit 9,07 Euro.

Für die vierteljährliche Verdiensterhebung werteten die Statistiker die Daten von 40.500 Betrieben im produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich aus.

rei/rtr/afp

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