Mittwoch, 29. Januar 2020

Russland in Not Putin bekämpft Kapitalflucht - und hat prominente Investoren auf seiner Seite

Ölhafen im Osten Russlands: Prominente Investoren sehen Chancen in Putins Reich

Russland steht isoliert da, Präsident Putin ergreift Maßnahmen gegen die Kapitalflucht. Einige Geldanleger jedoch müssen nicht extra gelockt werden - sie zieht es freiwillig nach Russland. Dabei ist auch einer der prominentesten Rohstoffinvestoren.

Moskau - Russland kämpft mit einer Rezession, mit einer Nahrungsmittelknappheit, mit der internationalen Isolation - während Präsident Wladimir Putin in einer Rede zur Nation wider den Westen wettert. Auf ein Jahr gerechnet hat der RTX, Russlands Börsenindex, gut 30 Prozent an Wert verloren, andere Indizes wie der Dax Börsen-Chart zeigen legten derweil 10 Prozent zu. In diesem Umfeld Geld in Russland zu investieren, scheint Wahnsinn. Und doch gibt es Investoren, die genau das machen.

Jim Rogers ist einer von ihnen. Rogers hat sich unter anderem einen Namen gemacht, weil er früh den Aufschwung der Rohstoffe erkannte und davon profitierte. Zum einen als Investor, zum anderen aber auch als Namensgeber für den Rici, den Rogers International Commodities Index, für den er Lizenzgebühren bekommen dürfte. Rogers, der Journalisten schon einmal Zuckertütchen zusteckt, um auf die Bedeutung jedes Superyklus hinzuweisen. Nun also Russland.

Rogers kauft Aeroflot-Anteile

Es sei das erste Mal, dass er in Russland investiere, erklärte er zuletzt publikumswirksam in einem Interview mit der "Financial Times". Dort hieß es, seit 46 Jahren sei er gegenüber dem Land skeptisch gewesen, nun habe sich das aber geändert. Entsprechend habe er zugegriffen, zum Beispiel bei Aktien des Düngemittel-Hersteller Phosagro oder der Airline Aeroflot. Damit steht Rogers nicht allein.

Auch Andi Goldberg setzt auf Russland - zumindest ein wenig. Goldberg ist oberer Asset-Allocator bei JP Morgan Asset Management, bestimmt also entscheidend mit, auf welche Anlageklassen sich die Fondsmanager des Milliarden-Hauses konzentrieren. Zwar sei Russland ein "absolutes Desaster", sagte er laut Website "Guruwatch" auf einer Konferenz in Zürich.

Es werde sogar noch schlimmer - denn mit dem niedrigen Ölpreis komme das Land nicht auf die Füße. Für manchen Profiinvestor ist das aber offenbar verlockend. Denn laut Goldberg seien alle diese Verwerfungen bereits in den Aktienkurs weitestgehend eingepreist. "Unsere Fondsmanager haben deshalb begonnen, in ausgewählten russischen Titeln Positionen aufzubauen", sagte der Stratege.

Kaufen, wenn die Kanonen donnern

Bereits im Sommer hatte Dave Iben, Chef des 890 Milionen-Dollar-Fonds Kopernik Global All Cap erklärt, dass russische Aktien halb so teuer seien, wie sie eigentlich wert seien. Auch andere Experten nicken dazu. Das 4,7-fache des Jahresgewinns zahlen Anleger an der Börse - im Schnitt kosten Aktien aus den Emerging Markets das zehnfache, berichtet Richard Titherington von JP Morgan Asset Management. Das kommt nun auch in seinen Fonds zum Ausdruck, die Russland gegenüber Vergleichsindizes sogar leicht stärker gewichten.

Auch Stefan Herz, Fondsmanager des Magna Eastern European aus dem Hause Charlemagne, findet: "Momentan wird der Markt natürlich rein von Top-Down-Faktoren angetrieben, insbesondere dem fallenden Rubel, der auf den Ölpreis reagiert. Allerdings haben wir in der Vergangenheit immer wieder gesehen, dass nach solchen Phasen eine Erholung im Markt folgt, wo sich der Markt wieder auf Qualitätsunternehmen und Bewertungen konzentriert. Wir erwarten, dass auch in Russland in den nächsten Monaten eine ähnliche Entwicklung stattfindet."

Kaufen, wenn die Kanonen donnern - diese Börsenweisheit nehmen die Experten offenbar ernst. Allerdings befinden sie sich damit kaum in der Mehrheit: Russlands politische Linie hat das Land nicht nur politisch isoliert sondern auch eine veritable Kapitalflucht ausgelöst.

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