Finanzexperten blicken in die Zukunft Was bringt 2019? So schlecht waren die Prognosen für 2018

Dax 15.000? Dax 16.000? Lass mich nochmal nachschauen, ich kann es noch nicht genau erkennen.

Dax 15.000? Dax 16.000? Lass mich nochmal nachschauen, ich kann es noch nicht genau erkennen.

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Jahresbilanz an der Börse: Die größten Abstürze im Dax 2018 - und die wenigen Gewinner

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Alljährlich zum Jahreswechsel ist es am Finanzmarkt das gleiche Ritual: Banken, Investmenthäuser und andere Experten fluten die Öffentlichkeit mit Ausblicken, Prognosen und ähnlich fachmännischen Einschätzungen zu Ereignissen, die im kommenden Jahr angeblich auf uns warten. Dabei ist es immer wieder erstaunlich, mit welcher Sicherheit Analysten und Strategen glauben, die Zukunft vorhersehen zu können, insbesondere angesichts der Tatsache, dass ihnen das gleiche Vorhaben in der Vergangenheit meist bereits gründlich misslungen ist.

Selbstverständlich, der Wunsch, in die Zukunft zu blicken, ist vermutlich so alt wie die Menschheit selbst. Die Urheber der Vorhersagen liefern insofern lediglich, was ihre Kundschaft von ihnen wünscht - und nicht zuletzt ihr Arbeitgeber.

Fragwürdig erscheint die Angelegenheit dennoch. Und ärgerlich. Schließlich gilt es zumindest in aufgeklärten Kreisen als allgemein anerkannte Tatsache, dass niemand ernsthaft die längerfristige Zukunft vorhersagen kann. Den Verfassern der Prognosen dürfte daher in den meisten Fällen klar sein, dass sie letztlich bestenfalls per Zufall reüssieren können. Dennoch halten viele Akteure am Prognosegeschäft fest - und verursachen so womöglich manch monetären Schaden bei jenen, die die fraglichen Aussagen für voll nehmen und ihre Geldanlage danach ausrichten.

Oder, wie es ein Kolumnist von Bloomberg deutlich kürzer formuliert: Diese Vorhersagen sind zum größten Teil Übungen in Sinnlosigkeit .

Um das zu untermauern, hier einige besonders krasse Fehlprognosen, die in der Vergangenheit zum Finanzmarktgeschehen im Jahr 2018 abgegeben wurden:

Dax - 14.100 Punkte? Für die Deutsche Bank noch kürzlich realistisch

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Jahresbilanz an der Börse: Die größten Abstürze im Dax 2018 - und die wenigen Gewinner

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Besonders im Fokus der Finanzbranche steht in der Regel der Aktienmarkt, denn Banken und Investmenthäuser haben in aller Regel eine Reihe von Fonds und anderen Produkten im Angebot, über die Anleger in Aktien investieren können. Eine positive Entwicklung an der Börse liegt also im Interesse der Finanzhäuser, da sie ihnen Anlegergelder und damit auch Gebühren und Provisionen in die Kassen spült.

Kein Wunder, dass Analysten oft eher optimistisch auf den Aktienmarkt blicken, getreu dem Motto: Die Börse kennt eigentlich nur zwei Richtungen, nämlich "nach oben" und "demnächst wieder nach oben".

Allerdings dürfte es aktuell selbst dem größten Optimisten unter den Investmentakteuren schwer fallen, Argumente für einen baldigen, nachhaltigen Anstieg der Aktienkurse zu finden. Schließlich wechselte die Börse hierzulande gerade erst vom Korrektur- in den ausgewiesenen Bärenmarkt-Modus.

Aber haben Banken und Finanzhäuser das vorhergesehen? Selbstverständlich kaum. Noch im September glaubten die meisten Banken hierzulande, der Dax werde das Jahr mit einem Plus abschließen, wie seinerzeit beispielsweise das "Handelsblatt " berichtete. Da betrug das Minus des deutschen Leitindex seit Anfang 2018 bereits mehr als 4 Prozent, und bis heute ist es auf mehr als 15 Prozent angewachsen.

Insgesamt reduzierten die Institute im Zuge der zunehmenden Kursturbulenzen zwar ihre Prognosen. Einer Übersicht der Zeitung zufolge gingen jedoch mindestens zehn Banken noch vor gut drei Monaten davon aus, der Dax werde Ende 2018 bei 12.000, 13.000 oder noch deutlich mehr Punkten stehen.

Angeführt wurden die Berufsoptimisten einmal mehr durch die immer unglücklicher agierende Deutsche Bank . Deren Dax-Ziel für Ende 2018 lautete noch Anfang September 14.100 Punkte. Ebenfalls sehr zuversichtlich: Die LBBW (erwartete Anfang September 14.000 Dax-Punkte am Jahresende), die Berenberg Bank (13.700 Punkte), Unicredit (13.600 Punkte) sowie die Commerzbank  (13.500 Punkte).

Zur Orientierung: Aktuell kämpft der Dax um die Marke von 10.900 Punkten. Selbst in den bekannten Zwillingstürmen in Frankfurt am Main, der Zentrale der Deutschen Bank also, dürfte wohl kaum irgendjemand erwarten, dass der Leitindex bis Silvester noch um 30 Prozent steigt und so die Lücke zum 14.900er-Kursziel schließt.

Goldpreis - Rohstoff-Guru sieht Blase, wo weit und breit keine ist

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Es scheint beinahe so, dass die Gold-Welt eine spezielle Empfänglichkeit hat für besonders spektakuläre Preisprognosen. Bloomberg  beispielsweise zitiert den US-Ökonomen und Finanzkommentator Peter Schiff, der den Goldpreis auf bis zu 5000 Dollar je Unze steigen sehe, und das bereits seit 2010. Jim Rickards, ehemals Long-Term Capital Management, rufe gar ein Preisziel von 10.000 Dollar aus. Und "Rohstoff-Guru" Jim Rogers habe noch im August dieses Jahres von einer möglichen "Blase" am Goldmarkt fabuliert.

Tatsächlich notiert Gold aktuell bei 1240 Dollar je Unze. Das ist ungefähr das Niveau von Beginn des Jahres - und sicher selbst nach dem Urteil von Jim Rogers nicht in der Nähe einer Blasenbildung.

Grundsätzlich gilt: Gold  hat weltweit eine riesige Fangemeinde, und es gibt unzählige Investmentprofis, die sich auf dieses Thema spezialisiert haben - entsprechend groß ist die Anzahl an Einschätzungen zum Ausblick auf dem Goldmarkt, die regelmäßig publiziert werden.

In der Konsequenz heißt das: Allein schon aus Gründen der Wahrscheinlichkeit kommt regelmäßig auch eine gewisse Menge an Prognosen auf den Markt, die am Ende zutreffen. Das muss keineswegs heißen, dass deren Autoren besonders fachkundig waren. Ein solcher Treffer kann eben auch durch simples Glück oder Zufall entstehen (wofür in der Regel einiges spricht).

So war es auch im auslaufenden Jahr 2018. Ausgerechnet die Deutsche Bank beispielsweise traf in diesem Fall rückblickend beinahe ins Schwarze: Sie sagte Ende 2017 für 2018 einen Goldpreis von 1238 Dollar je Unze voraus - das ist ziemlich genau das Niveau, auf dem das Edelmetall aktuell notiert.

Insgesamt jedoch erwiesen sich auch beim Gold die Prognosen vieler Institute wiederum als zu optimistisch. Die Commerzbank etwa prognostizierte Ende 2017 einen Goldpreis von 1300 bis 1350 Dollar im Folgejahr. Das Niveau erreichte das Edelmetall nur für einige Zeit in der ersten Jahreshälfte. Auch Goldman Sachs schraubte seine Prognose im Februar auf bis zu 1375 Dollar je Unze in die Höhe - viel zu hoch, wie inzwischen klar ist.

Besonders optimistisch: Die Experten des Finanzmediums "Der Aktionär ", die Ende 2017 schrieben, der Goldpreis werde 2018 auf 1450 Dollar je Unze steigen, sowie der viel beachtete österreichische Gold-Fachmann Ronald-Peter Stöferle. "2018 sind 1500 Dollar sicherlich möglich", sagte Stöferle in einem Interview Anfang Januar gegenüber Focus-Online .

Auch um dieses Preisziel noch zu erreichen, wird die Zeit allmählich knapp.

Bitcoin - VC-Investor sieht Krypto-Währung bei zwei Millionen Dollar, trotz Absturz

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Eine eingeschworene Fangemeinde, schwer zu durchschauende Marktkräfte und dazu noch jede Menge ambitionierte Ausblicke auf eine rosige Zukunft - es gibt viele Beobachter, die das Geschehen am Markt für Krypto-Währungen bereits mit dem Goldmarkt vergleichen.

Eins steht wohl fest: Wer ein Feld sucht, auf dem die Verfasser von Prognosen zuletzt besonders großartig scheiterten, ist bei Bitcoin und Co genau richtig. Noch Ende 2018 sah es bekanntlich gut aus für die Krypto-Szene - um es vorsichtig zu formulieren. Der Bitcoin stieg und stieg und erreichte ein Allzeithoch irgendwo im Bereich von 20.000 Dollar.

Den dann folgenden Absturz - gegenwärtig kostet ein Bitcoin deutlich weniger als 4000 Dollar - hat zumindest von jenen "Experten", die sich zu Vorhersagen berufen fühlten, offenbar kaum jemand erwartet. Einige Kostproben: Thomas Lee, Chef der US-Finanz-Research-Firma Fundstrat und seit 25 Jahren im Geschäft, sagte einen Bitcoin-Kurs von 25.000 Dollar Ende 2018 voraus. US-Investmentbanker und Ex-Hedgefonds-Manager Michael Novogratz hielt sogar 40.000 Dollar für möglich, und Kay Van-Peterson von der Saxo Bank setzte sein Kursziel für Ende 2018 auf bis zu 100.000 Dollar je Bitcoin.

Diese Fachleute lagen zwar offenkundig falsch - sie blieben aber zumindest noch scheinbar bescheiden im Vergleich zu dem, was Tim Draper in Aussicht stellt. Der Venture-Capitalist und Gründer von Draper Fisher Jurvetson vergleicht Krypto-Währungen mit der Ausbreitung des Internets und kommt auf eine irreal anmutende Zahl: Ein Bitcoin, so Draper, werde in spätestens 15 Jahren zwei Millionen Dollar wert sein.

Diese Aussage hätte wohl selbst im Zuge der Krypto-Euphorie Ende 2017 für Aufsehen gesorgt. Draper äußerte sich jedoch erst kürzlich in dieser Weise. Die Plattform Coinnounce  zitierte den Krypto-Fan mit seiner Einschätzung erst im September dieses Jahres - da war der Bitcoin bereits auf 6500 Dollar abgestürzt.