Montag, 19. August 2019

Was Anleger kaufen, wo Anleger laufen Die Gross-Flucht geht weiter

Bill Gross: Von wegen sonniger Ausblick - sein ehemaliger Arbeitgeber Pimco kämpft bereits seit Monaten mit Mittelabflüssen

Bill Gross hat Pimco verlassen - und auch die Anlegergelder strömen aus seinem Ex-Fonds. Das ist für Pimco besonders peinlich, weil Anleihenfonds derzeit gefragt sind. Ein Überblick über Gewinner und Verlierer in der Gunst der Investoren.

Hamburg - Bill Gross ist weg - und Pimco hat den Schaden. Im September zogen Investoren insgesamt 23,5 Milliarden Dollar, also rund 18,2 Milliarden Euro aus dem bislang von Gross gemanagten Flaggschiff "Total Return Fund" ab. Das entspricht einem Verlust von 10,6 Prozent binnen eines Monats - Ende August hatte Pimco das Volumen des Fonds zuletzt mit 221,6 Milliarden Dollar angegeben.

Noch nie in der Geschichte des 1997 aufgelegten Fonds kam es zu einer Kapitalflucht in diesem Ausmaß. "Die größten Abflüsse gab es am Tag von Bill Gross' Rücktritt", hieß es in einer Mitteilung von Pimco.

Doch der Exodus des Geldes hatte bereits begonnen, als Gross noch an Bord war - der Bond-King hat offenbar seinen Nimbus verloren. Bereits seit über einem Jahr verliert der Fonds Kunden. Das ist umso bitterer, weil Anleihenfonds derzeit eigentlich populär sind.

Morningstar: Rentenfonds steigen in der Beliebtheit der Investoren

Die Agentur Morningstar hat die Augustzahlen untersucht und herausgefunden, dass Rentenfonds für europäische Investoren zu den Gewinnern gehören. Über 9 Milliarden steckten sie in diese Kategorie, mehr noch als in Mischfonds (9,17 Milliarden). Auch auf den bisherigen Jahresverlauf gesehen, stehen Rentenfonds gut da. Ihnen strömten über 94 Milliarden Euro zu.

Selbst Geldmarktfonds, das Investment für Unentschlossene quasi, war nur halb so beliebt. Ändert sich das Bild, wenn man die Zahlen auf die präziseren Fondskategorien herunterbricht?

Zum einen zeigt sich, dass globale Rentenfonds im August mit einem Zufluss von über 2 Milliarden Euro sehr beliebt waren. Zum anderen wird deutlich, dass niemand Hochzinsanleihen mit Schwerpunkt USA haben wollte, rund 2 Milliarden Euro wurden aus solchen Produkten abgezogen. In beide Kategorien passt das Pimco-Flaggschiff nicht. Wohl aber in die "USD Flexible Bond" - und die gehörten zu den Gewinnern des Augusts, aber auch der vergangenen Monate.

Die Reaktion der Investoren ist das eine, die der Ratingagenturen das andere. Auch da eine klare Warnung für Pimco. Morningstar beispielsweise hat die Noten des Fonds von der Bestnote "Gold" auf "Bronze" gesenkt. Für den Fonds "beginnt eine Phase der Unsicherheit, die gleichwohl auch vielversprechende Neurungen mit sich bringen kann", schreibt Morningstar Fondsanalyst Eric Jacobson zur Begründung.

Das weiß man in Newport, der Pimco-Zentrale, nur zu genau. Und auch bei der Allianz, der Konzernmutter. Beide dürften alles dafür tun, um den Aderlaß zu stoppen. Und von der Beliebtheit der Anleihenfonds zu profitieren.

Folgen Sie Arne Gottschalck auf twitter

got/dpa-afx

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung