Wichtiges Metall für Autoindustrie 1500 Dollar - Palladium-Preis steigt auf Rekordhoch

Palladium-Barren bei einem Hersteller in Russland: Das Edelmetall wird seit Jahren immer teurer - aber wie lange noch?

Palladium-Barren bei einem Hersteller in Russland: Das Edelmetall wird seit Jahren immer teurer - aber wie lange noch?

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Am Markt für Edelmetalle setzt sich die Palladium-Preisrallye fort. Das Metall verteuert sich seit Monaten rasant, weil Marktteilnehmer davon ausgehen, dass die Autoindustrie, wo Palladium vor allem verarbeitet wird, künftig einen steigenden Bedarf dafür haben wird. Schon jetzt gilt das Angebot am Markt als zu gering. Folge: In dieser Woche übersprang der Palladium-Preis die Marke von 1500 Dollar je Unze und damit auf ein Rekordhoch. Viele Beobachter rechnen damit, dass der Aufwärtstrend noch eine Weile weitergehen wird.

Seit etwa zehn Jahren befindet sich der Preis des Edelmetalls - abgesehen von einer Korrektur in den Jahren 2014 und 2015 - in einem Aufwärtstrend. Der nahm zuletzt noch einmal gehörig Fahrt auf: Allein seit Anfang 2016 stieg der Palladium-Preis inzwischen um etwa 160 Prozent. Auch der Handelskonflikt zwischen den USA und China, der im vergangenen Jahr für eine Preisschwäche bei zahlreichen Rohstoffen verantwortlich gemacht wurde, konnte daran nichts ändern.

Die Sanktionen dagegen, die die USA gegen Russland verhängt haben, gelten als zusätzlicher Preistreiber für Palladium. Schließlich ist Russland vor Südafrika, Kanada und den USA der weltweit größte Förderer des Metalls.

Folge: Im Dezember 2018 überflügelte Palladium erstmals seit 2002 wieder den Goldpreis. Auch Gold stieg in den vergangenen Wochen auf ein Zehn-Monats-Hoch von zuletzt 1344 Dollar je Unze. Palladium jedoch eilt auf und davon.

Als Ursache dieser rasanten Wertentwicklung gilt vor allem die schon heute knappe Verfügbarkeit von Palladium sowie die Spekulation darauf, dass sich daran auch künftig nicht viel ändern wird. Mehr als 70 Prozent des weltweit verarbeiteten Palladiums landet in der Autoindustrie, und zwar in Katalysatoren von Benzinmotoren. Angesichts des Dieselskandals und seiner Folgen sowie immer strengerer Emissionsgrenzen, so die Überlegung, könnte die Nachfrage von dieser Seite künftig weiter steigen.

Weitere Einsatzgebiete für Palladium finden sich in der Elektronikindustrie, in der Chemiebranche, in der Zahnkosmetik sowie in der Schmuckproduktion. Insgesamt etwa 7,1 Millionen Unzen (oder rund 200 Tonnen) des Edelmetalls wurden auf diese Weise im vergangenen Jahr rund um den Globus verarbeitet, so die Investmentgesellschaft Sprott in einer Analyse mit Verweis auf Daten des Chemieunternehmens Johnson Matthey . Das Palladium-Angebot dagegen habe 2018 bei lediglich 6,9 Millionen Unzen gelegen, heißt es weiter. Die Lücke zwischen Nachfrage und Angebot, so die Daten von Johnson Matthey, bestehe bereits seit sieben Jahren und summiere sich inzwischen auf weltweit rund 800.000 Unzen.

Diese Risiken sollte jeder Palladium-Investor kennen

Kein Wunder also, dass verschiedene Beobachter am Markt für Palladium auch in nächster Zeit eher steigende Preise erwarten. Sprott Asset Management-CEO John Ciampaglia etwa schreibt in seinem Blog , die Fundamentaldaten für Palladium seien noch mindestens zwei Jahre lang stabil. Die Analysten der Scotiabank erwarten sogar, dass der Nachfrageüberhang noch für mindestens weitere fünf Jahre bestehen bleiben wird, wie die "Financial Times " berichtete.

Erst in diesem Monate teilte die Citigroup mit, der Palladium-Markt werde womöglich erst bei einem Preis von 1600 Dollar je Unze ins Gleichgewicht kommen.

Auch die Analysten der Commerzbank schrieben in einer Notiz zum starken Jahresauftakt des Palladium-Preises, der Markt seit "offenbar weiterhin sehr knapp". "Möglicherweise versuchen einige Händler und Verbraucher in Erwartung strikterer Abgasnormen, die mehr Palladium in den Katalysatoren mit sich bringen, sich mit Palladium einzudecken", so die Einschätzung weiter. "Der Preis könnte aber auch durch spekulative Finanzinvestoren nach oben getrieben sein."

Damit sind die Risiken angesprochen, die der Markt für Palladium aktuell birgt, und derer sich Investoren, die über einen Einstieg in den Markt nachdenken, bewusst sein sollten:

  • Die Entwicklung des Palladium-Preises verlief zuletzt derart rapide nach oben, dass eine Korrektur überfällig zu sein scheint.
  • Die weltweite Autonachfrage schwächelt, was letztlich auch auf die Nachfrage nach Palladium zurückwirken dürfte. In China etwa, dem für viele Hersteller inzwischen wichtigsten Markt, waren die Autoabsatzzahlen zuletzt rückläufig. In den USA wurden die Verkäufe vor allem durch die Steuerreform der Regierung von US-Präsident Donald Trump auf einem relativ hohen Niveau gehalten. Dieser Effekt dürfte sich künftig kaum wiederholen, so die Commerzbank.
  • Der Trend in der Autoindustrie geht zu alternativen Antrieben wie Elektromotoren oder Hybriden. Diese dürften über kurz oder lang die Benziner, in deren Katalysatoren das meiste Palladium verwendet wird, zunehmend verdrängen. Elektromotoren etwa kommen ohne Katalysatoren mit Palladium aus. Bei Hybridautos dagegen kommt das Edelmetall zur Abgasregulierung ebenfalls zum Einsatz.
  • Sollte der Palladium-Preis weiter steigen, so könnte die Autoindustrie auf das Metall verzichten, und stattdessen Platin für die Katalysatoren von Benzinmotoren einsetzen. Dieses artverwandte Edelmetall wurde wegen seiner besonderen Hitzebeständigkeit bereits früher zu diesem Zweck verwendet, schreibt etwa Sprott-CEO Ciampaglia . Für eine solche Rückkehr zum Platin würden die Autohersteller aber mindestens 18 bis 24 Monate benötigen, so Sprott mit Verweis auf Analysteneinschätzungen.

Kurzum: Der Markt für Palladium erscheint grundsätzlich nach wie vor reizvoll für die Geldanlage - doch die Risiken eines Investments sind nicht zu unterschätzen.

Hinzu kommen noch die Gefahren, die die Produkte mit sich bringen, über die private Investoren in der Regel Zugang zu diesem Markt erhalten. Bei den vielfach angebotenen Exchange Traded Commodities (ETCs) sowie Zertifikaten etwa handelt es sich in der Regel um sogenannte Inhaberschuldverschreibungen, bei denen der Geldanleger das Risiko eines möglichen Ausfalls des Emittenten tragen muss (so geschehen beim berühmten Ausfall der Lehman-Zertifikate nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008).

Bei Exchange Traded Fonds (ETFs) wiederum wird nicht immer direkt in Palladium investiert, sondern mitunter in Aktien von Minengesellschaften, die - unter anderem - das Edelmetall fördern. Durch ein solches indirektes Investment holt sich der Anleger neben den Chancen der allgemeinen Aktienmarktentwicklung selbstverständlich auch deren Risiken ins Depot. Auch darüber sollte sich jeder Palladium-Investor im Klaren sein.

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