Montag, 16. Dezember 2019

Anlageskandal mit Container-Investment P&R sammelte Milliarden von zehntausenden Anlegern ein - und ist jetzt pleite

Container in New Jersey

4. Teil: Insolvenzverwalter nehmen Arbeit auf - und informieren Anleger

Nach Angaben der Insolvenzverwalter wurde der Insolvenzantrag für die genannten P&R-Gesellschaften bereits am 15. März, dem Donnerstag vergangener Woche also, gestellt. Zu diesem Zeitpunkt wurden beide Insolvenzverwalter bereits als Gutachter eingesetzt.

Seither sitzen die Insolvenzverwalter eigenen Angaben zufolge mit einem Team von Experten an der Bestandsaufnahme und Analyse der in den Gesellschaften vorhandenen Aktiva und Passiva. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers wurde damit beauftragt, das Zahlenwerk zu erfassen und aufzuarbeiten, teilt die Kanzlei Jaffé mit.

Parallel dazu werden laut Kanzlei Jaffé die rechtlichen Gegebenheiten, insbesondere auch die grenzüberschreitenden Liefer- und Leistungsbeziehungen zu den weiteren, nicht insolventen Gesellschaften der P&R-Gruppe in Deutschland und in der Schweiz untersucht. Dabei soll auch ermittelt werden, wie viele Container an wen zu welchen Konditionen vermietet sind, und wann Zahlungen aus den Mietverträgen erwartet werden, so die Kanzlei.

Nach Abschluss dieser Bestandaufnahme, die angesichts der Größe des Unternehmens, der großen Zahl an Containern und der rechtlichen Komplexität einige Zeit in Anspruch nehmen werde, könne darüber entschieden werden, "welche Verwertungsmöglichkeiten ein bestmögliches Ergebnis für die Anleger und Gläubiger der Verwaltungsgesellschaften erbringen".

"Neben der Bestandsaufnahme hat für uns Priorität, die erheblichen Mittelzuflüsse aus der fortlaufenden Container-Vermietung für die Anleger und Gläubiger der insolventen Gesellschaften zu sichern", so der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Jaffé weiter. Aus diesem Grund solle auch der Betrieb der Gesellschaften weltweit fortgeführt werden, um Einnahmen zu erzielen.

"Wir haben Verständnis für die schwierige Lage der Anleger, bitten aber zugleich darum Ruhe zu bewahren. Eine eigene Verwertung der Container durch die Anleger macht wirtschaftlich keinen Sinn, schon weil mit den Containern langfristige Mieteinnahmen erzielt werden sollen." Unabhängig von der rechtlichen Bewertung, sei eine Einzelverwertung am Markt durch die Anleger auch faktisch gar nicht möglich, so der Insolvenzverwalter.

Und weiter: Schon heute zeichne sich ab, dass die Verwertung einer so hohen Zahl an Containern nicht von heute auf morgen möglich sei. "Ein Notverkauf der Container - wenn ein solcher überhaupt möglich wäre - würde erhebliche Werte vernichten", sagt der Insolvenzverwalter laut Mitteilung.

Christoph Rottwilm auf Twitter

"Wir brauchen nun in einem ersten Schritt Transparenz und werden auf dieser Grundlage in den nächsten Wochen und Monaten gemeinsam mit der Geschäftsführung und den Mitarbeitern ein Verwertungskonzept erarbeiten. Parallel werden wir die Krisenursachen aufarbeiten. In welcher Höhe Rückflüsse an die Anleger möglich sind, hängt auch von der Marktentwicklung in den nächsten Jahren ab und lässt sich heute noch nicht sagen", so Insolvenzverwalter Jaffé.

Weil bei der Vielzahl der betroffenen Anleger nicht jede Anfrage einzeln beantwortet werden kann, will Jaffé in Kürze eine Info-Seite im Internet einrichten. Die Adresse: www.frachtcontainer-inso.de.

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