Montag, 9. Dezember 2019

Anlageskandal mit Container-Investment P&R sammelte Milliarden von zehntausenden Anlegern ein - und ist jetzt pleite

Container in New Jersey

3. Teil: Was Anleger jetzt tun sollen

Das bedeutet: Diese Stahlkisten muss P&R in diesem Jahr von den Anlegern zurücknehmen. Und dafür benötigt das Unternehmen Loipfingers Rechnung zufolge mehr als eine halbe Milliarde Euro.

Bleibt die Frage, was Investoren jetzt tun sollen, die Geld in P&R-Container gesteckt haben, und die die Entwicklung mit Sorge beobachten dürften. Ratschläge dazu gibt es bereits einige. Betroffene Anleger sollten ihre Interessen bündeln, um eine bestmögliche Vertretung gegenüber dem Unternehmen zu gewährleisten, meint etwa die SdK (Schutzgemeinschaft für Kapitalanleger).

Die Anwaltskanzlei Göddecke aus Siegburg regt zudem an, Dokumente einzufordern, die die Eigentumslage bezüglich der Container belegen. Nur auf diese Weise sei die Zuordnung der Erträge aus der Vermietung und des Erlöses eines späteren Verkaufs individuell sicher zu stellen, sagt Fachanwalt Marc Gericke. Auch mit Blick auf Streitigkeiten, die im Insolvenzfall Magellan auftraten, rät Gericke Anlegern darüber hinaus, sich ihre Miet- und Eigentumsverträge von P&R aushändigen zu lassen. "Sollte plötzlich die Frage aufkommen, ob die Investoren jetzt für entstehende Kosten haften müssen, kann das sehr hilfreich sein", so Gericke zu manager magazin online.

Solche Maßnahmen klingen sinnvoll, könnten aber in der Praxis schwer umzusetzen sein. Schließlich ist bei P&R offenbar seit Tagen praktisch niemand zu erreichen. Zudem zeigt die Erfahrung: Die Bearbeitung individueller Anlegeranfragen hat in kritischen Phasen wie diesen in Graumarktfirmen nicht unbedingt oberste Priorität.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Auf ein besonderes Problem weist Rechtsanwalt Peter Mattil aus München hin. Angesichts der Tatsache, dass es sich bei der P&R-Gruppe um insgesamt vier Unternehmen handelt, von denen eins seinen Sitz in der Schweiz hat, erwartet er offenbar ein kompliziertes Verfahren. "Das heißt, dass im Ernstfall mehrere Insolvenzverwalter Ansprüche auf die Insolvenzmasse erheben können", sagt Mattil laut einem Bericht des SPIEGEL.

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