Sonntag, 25. August 2019

Anlageskandal mit Container-Investment P&R sammelte Milliarden von zehntausenden Anlegern ein - und ist jetzt pleite

Container in New Jersey

2. Teil: "Schneeballsystem" oder nicht?

Solche Merkwürdigkeiten führen am Geldanlagemarkt schnell zu einem bösen Verdacht: Könnte es sein, dass das Geschäftsmodell darauf basiert, dass es regelmäßig mit frischem Geld von neuen Anlegern am Laufen gehalten wird? Schon im Insolvenzfall Magellan gab es deutliche Hinweise auf eine solche Konstruktion, die im Volksmund gerne als "Schneeballsystem" bezeichnet wird.

Eines haben derartige "Schneeballsysteme" in jedem Fall gemeinsam: Sobald nicht mehr ausreichend frisches Kapital zugeführt wird, müssen sie zwangsläufig in sich zusammenfallen. In dem Zusammenhang erscheint vielleicht bemerkenswert, dass das Neugeschäft von P&R just im vergangenen Jahr um 40 Prozent einbrach, wie Loipfinger berichtet.

Darüber hinaus gibt es im Falle P&R bereits seit Längerem ernstzunehmende Warnsignale. Seit Anfang 2017 muss das Unternehmen ausführlichere Verkaufsprospekte für seine Investmentofferten vorlegen. Dadurch kamen auch Einzelheiten zu den Zahlungsströmen der jüngeren Vergangenheit ans Tageslicht. Fachmann Loipfinger beispielsweise errechnete, dass es von 2014 bis 2016 zu Mindereinnahmen von durchschnittlich mehr als 170 Millionen Euro pro Jahr aus der Vermietung der Container kam.

Sprich: P&R musste während dieser Zeit in der genannten Höhe Auszahlungen an die Investoren leisten, ohne dass auf der anderen Seite entsprechende Mieteinnahmen hereinkamen. So kann wohl selbst bei einem Unternehmen, das seit Jahrzehnten erfolgreich am Markt agiert, ein finanzieller Engpass entstehen.

In den vergangenen Wochen und Monaten spitzte sich die Lage dann zu: Zunächst erhielten Container-Anleger keine Mietauszahlungen mehr, dann verzögerten sich die versprochenen Rückkäufe der Container durch P&R. Spätestens seit P&R vor einigen Tagen in einer knappen Mitteilung das Neugeschäft mit Container-Investments einstellte, gingen wohl auch beim letzten Beobachter die Alarmglocken an.

Wie prekär die Lage nun möglicherweise ist, rechnet wiederum Fachjournalist Loipfinger vor: 2013 habe P&R einen Platzierungsrekord aufgestellt, berichtet er auf seiner Website Investmentcheck.de. Container im Wert von zusammen mehr als einer Milliarde Euro habe das Unternehmen seinerzeit verkauft - und zwar mit einer Laufzeit von fünf Jahren.

Die Firma P&R dagegen begründet ihre aktuellen Probleme mit einer Schwäche, die der Markt für Container weltweit zwischen 2011 und 2016 durchlaufen habe, sowie "nachteiligen Wechselkursentwicklungen". Seit 2017 sei eine Trendwende sichtbar und die Containerpreise ziehen wieder an, schreibt das Unternehmen in seiner Mitteilung.

Trotz der sich verschlechternden Wirtschaftslage hätten die P&R-Gesellschaften den Anlegern in den letzten Jahren weiterhin die bei Vertragsschluss prognostizierten "hohen Rückkaufspreise" bezahlt, so das Unternehmen weiter. "Dabei wurden die vorhandenen stillen Reserven aufgebraucht."

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