Staatsanwälte nehmen Ermittlungen auf Bei P&R fehlen eine Million Container - Verdacht auf Betrug

Eine Million Container futsch: Bei P&R beginnt die Suche nach dem verlorenen Geld.

Eine Million Container futsch: Bei P&R beginnt die Suche nach dem verlorenen Geld.

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54.000 P&R-Kunden bangen um ihr Geld: Diese Skandale kosteten Geldanleger Milliarden

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Bei der insolventen Kapitalanlagegruppe P&R aus München werden offenbar die schlimmsten Befürchtungen wahr: Wie die Insolvenzverwalter der verschiedenen P&R-Firmen mitteilen, klafft im Containerbestand des Unternehmens eine gewaltige Lücke. 1,6 Millionen Container müssten eigentlich vorhanden sein, so viele hat P&R im Laufe der Jahre an Anleger verkauft, so die Insolvenzverwalter von der Kanzlei Jaffé in einer Mitteilung vom heutigen Donnerstag. Tatsächlich vorhanden sind den Angaben zufolge jedoch lediglich rund 600.000 Container.

Im Klartext heißt das: Bei P&R fehlen etwa eine Million Container. Sie wurden an Investoren verkauft, aber es gibt sie gar nicht. Die Staatsanwaltschaft München nimmt dies zum Anlass, gegen die Verantwortlichen von P&R ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Betrug aufzunehmen, wie die Behörde ebenfalls am Donnerstag mitteilte.

In der Konsequenz dürfte das bedeuten, dass von den etwa 3,5 Milliarden Euro, die die rund 54.000 betroffenen Anleger bei P&R investiert haben, etwa 2,5 Milliarden Euro verloren sind. Das vermutet auch der Rosenheimer Fondsanalyst Stefan Loipfinger, der sich intensiv mit dem Fall P&R beschäftigt. "Es wird nun deutlich, was schon lange befürchtet wurde", sagt Loipfinger zu manager magazin online. "Der Fall P&R ist damit endgültig der größte Anlageskandal, den es bisher gab, und offensichtlich handelt es sich auch um einen Riesenbetrug."

Besonders bemerkenswert: Wie aus den Angaben der Insolvenzverwalter sowie der Staatsanwaltschaft hervorgeht, waren Spekulationen um die Validität des P&R-Geschäftsmodells, die seit Jahren im Markt und unter Beobachtern kursieren, offenbar seit Langem berechtigt. Den Angaben der Staatsanwaltschaft zufolge zieht sich die Schieflage der P&R-Gruppe, während derer die immer größer werdende Lücke im Containerbestand entstand, bereits seit 2007 hin.

"Die Fehlentwicklungen begannen vor mehr als zehn Jahren"

"Die Fehlentwicklungen begannen vor mehr als zehn Jahren und müssen weiter aufgeklärt werden", sagt Insolvenzverwalter Michel Jaffé laut Pressemitteilung. Die enorme Bestandsdifferenz habe sich über Jahre hinweg aufgebaut, so Jaffé. Im Jahr 2010 betrug die Lücke zwischen den verkauften und den vorhandenen Containern demnach bereits rund 600.000 Stück.

Was bedeutet das nun für die betroffenen Investoren? Insolvenzverwalter Jaffé bittet die Anleger, Ruhe zu bewahren und weitere Fortschritte im Insolvenzverfahren abzuwarten. "Für die Anleger ist jetzt entscheidend, dass es gelingt, die vorhandenen und vermieteten Container, die laufend Zahlungseingänge generieren, zu sichern und sie - wenn nötig auch über Jahre hinweg - bestmöglich zu verwerten", so Jaffé. "Denn eine Verwertung durch die Anleger selbst ist rechtlich und praktisch unmöglich."

In dem Zusammenhang befindet sich offenbar vor allem die Tochterfirma der P&R-Gruppe in der Schweiz im Fokus der Bemühungen. Denn jene P&R-Gesellschaft hat die Mietverträge für die Container mit Leasinggesellschaften geschlossen, die die Boxen wiederum an Reedereien vermarktet haben. Wenn weiterhin Geld aus der Nutzung der vorhandenen Container in die P&R-Gruppe fließen und letztlich den Anlegern zugute kommen soll, dann also über die Tochter in der Schweiz.

Anlegeranwalt Marc Gericke von der Kanzlei Göddecke aus Siegburg dagegen glaubt nicht, dass bloßes Abwarten jetzt die richtige Reaktion ist. "Das ist der Gau", sagt Gericke mit Blick auf den gigantischen Fehlbestand an Containern zu manager magazin online. "Jetzt wird die Sache wohl hässlich."

Nach Ansicht des Juristen können Anleger nun insbesondere ihren Finanzberatern nicht mehr vertrauen, wenn diese ihnen versichern, alles werde nicht so schlimm. "Vom Gegenteil ist auszugehen", so Gericke. "Es gibt aus meiner Sicht keinen Grund, die Anlageberater zu schonen."

Zudem prüft die Kanzlei bereits Sicherungsmaßnahmen gegen das Vermögen der verantwortlichen Personen bei P&R, so Gericke. "Bevor es die Staatsanwaltschaft tut."

Die Staatsanwaltschaft München wollte sich auf Anfrage zu möglichen Ermittlungsmaßnahmen wie etwa Durchsuchungen und Sicherstellungen bei P&R oder bei Verantwortlichen der Gruppe nicht äußern.

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