Freitag, 6. Dezember 2019

Insolvenzverwalter wollen mehr als eine Milliarde Euro erlösen Opfer des P&R-Anlageskandals können wieder hoffen

P&R-Logo an der Unternehmenszentrale bei München: Vergleichsvereinbarung angenommen - der Insolvenzverwalter hofft nun auf Erlöse aus der Containerflotte in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro
picture alliance / Matthias Balk
P&R-Logo an der Unternehmenszentrale bei München: Vergleichsvereinbarung angenommen - der Insolvenzverwalter hofft nun auf Erlöse aus der Containerflotte in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro

Mit einem Gesamtschaden von rund 3,5 Milliarden Euro und rund 55.000 betroffenen Geldanlegern ist der Anlageskandal um die insolvente P&R-Gruppe aus München, die jahrzehntelang Container-Investments vermittelte, bereits einer der größten Geldanlage-Skandale in der Geschichte der Bundesrepublik. Anleger werden sich von einem großen Teil ihres Investments verabschieden müssen - doch möglicherweise spielt die Verwertung der restlichen Containerflotte durch den Insolvenzverwalter nun doch etwas mehr Geld ein, als zunächst befürchtet worden war. Sprich: Geprellte Anleger können darauf hoffen, einen Teil ihres Geldes wiederzusehen - zumindest etwas mehr als bislang befürchtet.

Diese Hoffnung schürt Insolvenzverwalter Michael Jaffé. In den insgesamt vier Insolvenzverfahren über das Vermögen der deutschen P&R Containervertriebsgesellschaften sei ein wichtiger Meilenstein erreicht worden, teilte Jaffé am Mittwoch mit: Die Insolvenzverwalter haben mit Zustimmung der jeweiligen Gläubigerausschüsse die von den Gläubigern bereits unterzeichneten Vergleichsvereinbarungen angenommen. "Nahezu alle Gläubiger haben verstanden, dass der Erhalt der Strukturen wesentlich ist, um Erlöse zu erzielen und dass Alleingänge nur der Gläubigergesamtheit schaden", so Jaffé. Über die Annahme des Vergleichs werden die betroffenen Gläubiger nicht noch einmal gesondert informiert.

Forderungen von mehr als 3 Milliarden Euro - und erhoffte Erlöse von rund einer Milliarde Euro

"Wir gehen für die derzeit angemeldeten Forderungen der Anleger von einem feststellbaren Forderungsvolumen von insgesamt etwas über 3 Milliarden Euro in allen vier Insolvenzverfahren aus", ergänzen die Insolvenzverwalter. Die Feststellung der Forderung ist Voraussetzung für eine Teilnahme am Insolvenzverfahren und an Abschlagsverteilungen.

Insgesamt wurden in den vier Insolvenzverfahren bereits weit über 80.000 Schreiben an rund 54.000 Gläubiger verschickt. Die Gläubiger, die noch keinen Vergleichsvorschlag erhalten haben, bitten die Insolvenzverwalter weiterhin um Geduld.

Insolvenzverwalter: Verwertung der Containerflotte soll rund eine Milliarde Euro bringen

Etwas optimistischer als zuvor sind die Insolvenzverwalter auch mit Blick auf die angestrebten Erlöse, die Verkauf und Vermietung der noch vorhandenen Containerflotte einspielen soll. In den vergangenen Monaten hatten sich die Preise am Markt wieder etwas erholt - was auch den Opfern des P&R Anlageskandals zugute kommt.

"Die Verwertung der Containerflotte zeigt ein positives Bild, wenngleich die zukünftigen Erträge natürlich vom Markt abhängen", so Jaffé. "Wir werden die Verwertung der vorhandenen Containerflotte, die im Wesentlichen in der Vermietung der Container besteht, aber auch aus Verkäufen, wo dies zu guten Preisen möglich ist, fortsetzen."

Ziel sei, aus der Verwertung der vorhandenen Container in den kommenden Jahren Verwertungserlöse von mehr als einer Milliarde Euro zu erwirtschaften und dann in mehreren Abschlagsverteilungen an die Gläubiger zu verteilen. Bisherige Schätzungen waren von einer Summe von bis zu 865 Millionen Euro ausgegangen.

Mehr als 250 Millionen Euro werden zum Jahresende bereits realisiert sein, bestätigte der Insolvenzverwalter. "Es zeigt sich, dass die Entscheidung gegen einen Notverkauf die richtige war. Wären die Strukturen zusammengebrochen, wären die Gläubiger leer ausgegangen".

Schneeballsystem oder nicht?

Die Kanzlei Jaffé hatte bereits in einem umfangreichen Gutachten festgestellt, dass P&R über Jahre offenbar Container an Kunden verkaufte, die es gar nicht gab. So ermittelten die Juristen bei ihrer Unternehmensanalyse eine riesige Lücke im Containerbestand von P&R: Von Investoren waren Gelder für 1,6 Millionen Stahlboxen eingenommen worden - tatsächlich existierten jedoch lediglich etwas mehr als 600.000 Boxen im P&R-Bestand.

Der Verdacht, dass P&R jahrelang ein betrügerisches Schneeballsystem betrieb, liegt also nahe. Der Haken könnte jedoch sein: Bis heute hat das kein Gericht endgültig geklärt. Zudem wird es eine solche Klärung, die bei der Frage, ob frühere Verträge auf Scheingeschäften beruhten, enorm weiterhelfen könnte, womöglich auch nicht mehr geben. Denn den Prozess gegen den P&R-Gründer Heinz Roth, in dessen Rahmen auch der Frage nach dem Schneeballsystem nachgegangen worden wäre, sagte das Landgericht München wegen einer Erkrankung Roths ab.

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