Frankreichs Autoindustrie Wie Anleger mit Emmanuel Macron gewinnen

Frankreichs neuer Präsident Emmanuel Macron will das Land reformieren. Kann er seine Pläne halbwegs umsetzen, dürfte das Frankreich für Anleger höchst interessant werden. Vor allem bei einem Konzern sieht unser Autor gute Chancen.
Emmanuel Macron ließ sich am 14. Mai nicht ganz zufällig in einem DS über den Champs Elysees fahren. Der DS7 Crossback ist der neue Star innerhalb des PSA-Konzern, zu dem neben DS die Marken Peugeot, Citroen und bald auch Opel zählen

Emmanuel Macron ließ sich am 14. Mai nicht ganz zufällig in einem DS über den Champs Elysees fahren. Der DS7 Crossback ist der neue Star innerhalb des PSA-Konzern, zu dem neben DS die Marken Peugeot, Citroen und bald auch Opel zählen

Foto: AFP

Das Ergebnis der französischen Wahl hat die aufgeregten Gemüter besonders in Frankreich, aber auch in Europa, wieder etwas beruhigt. Es darf aber trotzdem nicht vergessen werden, dass im ersten Wahlgang 40 Prozent der Wähler europafeindliche Kandidaten gewählt haben. Hier hat der neue Präsident viel Arbeit, das Land wieder so gut es eben geht zu einen.

Zugleich kommen auf den neuen Präsidenten kommen gewaltige Aufgaben in der Wirtschaft zu. Es muss ein 10-jähriger Reformstillstand überwunden werden und das Land muss Anschluss finden an die Entwicklungen in anderen großen Industrieländern. Falls Präsident Macron sich dazu durchringen kann, sich auf die sehr erfolgreiche Vorarbeit von Gerhard Schröder vor zehn Jahren Jahren in Deutschland zu stützen, dürfte das viel Zuspruch erfahren. Mangels funktionierender Sozialpartnerschaft ist die Lage aber ziemlich verfahren und wesentlich schwerer zu entwirren, als seinerzeit in Deutschland.

Für Kapitalanleger gibt es in Frankreich viel zu gewinnen

In jedem Fall gibt es für Kapitalanleger in den nächsten Jahren viel zu gewinnen, da die Industrie in Frankreich sehr leistungsfähig ist, sobald sie von sinnlosen bürokratischen Fesseln befreit, das Arbeitsrecht modernisiert und die 35-Stundenwoche abgeschafft wird.

Besondere Chancen bestehen hier nach unserer Ansicht beim Autohersteller Peugeot . Die mutige Übernahme von Opel vor einigen Monaten könnte das Unternehmen im Laufe der Zeit in eine ganz neue Dimension führen, zumal der Kaufpreis außerordentlich günstig war. Dadurch überholt Peugeot den Rivalen Renault und wird damit Europas zweitgrößter Autohersteller hinter Volkswagen mit einem Marktanteil von etwa 17 Prozent.

Im Jahr 2014 stand das Unternehmen kurz vor dem Zusammenbruch und brauchte eine Geldspritze von etwa drei Milliarden Euro vom chinesischen Aktionär Dongfeng und dem französischen Staat. Nach vier Jahren mit Verlust gelang 2015 die Rückkehr in die Gewinnzone. Im Jahr 2016 hat sich der Gewinn auf 1,73 Milliarden nahezu verdoppelt und zum ersten Mal seit 2011 wird eine Dividende gezahlt.

Peugeot hat Opel sehr günstig eingekauft

Peugeot hat günstig eingekauft: Das Unternehmen bezahlt 1,3 Milliarden Euro in bar und in Aktien für Opel und Vauxhall, die beide zusammen im Jahr 2016 17,7 Milliarden Euro Umsatz erzielt haben. Ein Industrieunternehmen für weniger als 10 Prozent des Umsatzes zu kaufen, auch wenn es Verlust macht, ist ein sehr gutes Verhandlungsergebnis für den Käufer.

Größenvorteile im Einkauf, in der Produktion und in Entwicklung dürften 1,7 Milliarden Euro im Jahr 2026 betragen, wovon ein großer Teil schon vor 2020 anfällt.

Peugeot hat für relativ wenig Geld große Produktionskapazitäten, gute Marktpositionierung und exzellente Produkte erworben. Hier wird selbstverständlich noch viel Energie des Managements erforderlich sein, die beiden Unternehmen zusammenzuführen, was angesichts des niedrigen Kaufpreises leichter fällt.

Durch die Übernahme vermehrt Peugeot seine Größe um ungefähr 50 Prozentwas dem vereinten Unternehmen Investitionen in die neuen Herausforderungen wie Elektromobilität, autonomes Fahren und auch Carsharing wesentlich erleichtern wird.

Peugeot ist es gelungen, die Umsatzrentabilität von einem Verlust von 2,8 Prozent im Jahr 2013 auf einen Gewinn von 6 Prozent, und damit um ungefähr 9 Prozent zu verbessern. Ein Drittel davon etwa geht zurück auf Preiserhöhungen oder den Verzicht auf Sonderverkäufe, zwei Drittel sind das Ergebnis von Kosteneinsparungen, ganz wesentlich davon Arbeitskosten.

Was bei Peugeot in den letzten Jahren gelungen ist, könnte nach Meinung von Automobilexperten auch bei Opel gelingen. Damit könnte die kombinierte Gruppe etwa ab dem Jahr 2021 auf eine operative Umsatzrendite von 6 Prozent und damit in eine ganz neue Gewinndimension vorstoßen.

Peugeot wäre nach den Reformen ausgezeichnet positioniert

Wenn dann die Kaufkraft der Franzosen durch wirtschaftsfreundliche Maßnahmen der neuen Regierung wieder ansteigen sollte, ist Peugeot in Frankreich ausgezeichnet positioniert. Eine Umsatzrendite in dieser Höhe wird es dann dem kombinierten Unternehmen auch möglich machen, bisher aus Geldmangel wenig beackerte Exportmärkte wie China in Angriff zu nehmen.

Opel durfte unter dem Regime von General Motors  zum Beispiel nicht nach China exportieren. Da die Opel-Produkte technisch und qualitativ erstklassig sind und ohne weiteres auf Augenhöhe mit Volkswagen, tut sich dort ein sehr interessanter Exportmarkt auf.

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