Sonntag, 8. Dezember 2019

Preishoch nach Angriff auf saudische Förderung Wie entsteht eigentlich der Ölpreis?

Rauch über Saudi-Arabien: Die Angriffe vom Wochenende haben die Ölproduktion des Landes schwer getroffen.
REUTERS / Stringer
Rauch über Saudi-Arabien: Die Angriffe vom Wochenende haben die Ölproduktion des Landes schwer getroffen.

Der Angriff auf die Ölförderanlagen Saudi-Arabiens am vergangenen Wochenende rückt den Ölmarkt in das Zentrum der Aufmerksamkeit: Bereits unmittelbar nach den Attacken prophezeiten Beobachter, dass die Ölpreise am Montagmorgen mit einem starken Anstieg reagieren würden. So kam es dann auch: In den ersten Handelsminuten legten die Ölpreise am Montag bis zu 20 Prozent zu. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 65,33 US-Dollar. Das waren 5,11 Dollar mehr als am Freitag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 4,35 Dollar auf 59,20 Dollar. In der Spitze waren die Ölpreise vorübergehend auf den höchsten Stand seit mehreren Monaten gestiegen.

Wie sich die Ereignisse vom Wochenende auf Dauer auf das Preisniveau am weltweiten Ölmarkt auswirken werden, hängt davon ab, wie lange es zu Förderausfällen kommen wird. Zudem könnten Akteure am Terminmarkt künftig eine höhere Risikoprämie in ihre Kontrakte einkalkulieren, was für einen längerfristigen Preiseffekt spräche. Immerhin sank die saudische Förderung aufgrund der Attacken spontan um 5,7 Millionen Barrel und damit etwa die Hälfte des üblichen Tagesvolumens, wie die staatliche saudische Nachrichtenagentur SPA mitteilte. Am Weltölmarkt fehlt damit rein rechnerisch momentan etwa 5 Prozent der üblichen täglichen Fördermenge.

Die US-Bank Goldman Sachs rechnete schon am Sonntag in einer Studie die möglichen Konsequenzen vor: Beschränke sich die Förderknappheit auf maximal eine Woche, so bleibe es beim zusätzlichen Risikoaufschlag am langfristigen Terminmarkt, den Goldman auf immerhin drei bis fünf Dollar je Barrel beziffert. Bei Förderausfällen von bis zu sechs Wochen taxieren die Experten der US-Bank den möglichen Aufschlag auf den Ölpreis schon auf insgesamt bis zu 14 Dollar je Barrel.

Bleibe es darüber hinaus für mehr als sechs Wochen beim geringeren Ölangebot aus Saudi-Arabien, so sehen die Goldman-Analysten weitergehende Konsequenzen. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent beispielsweise würde dann über die 75 Dollar-Marke schießen, glauben sie. Zudem wäre in dem Fall der Analyse zufolge wohl ein Rückgriff auf strategische Ölreserven der Industrieländer erforderlich.

Wer derartige Prognosen anstellen will, muss den Ölmarkt sehr genau kennen und durchblicken - und das ist nicht leicht. Der weltweite Ölmarkt ist komplex. Zahlreiche Akteure nehmen daran Teil, und eine Vielzahl von Faktoren haben Einfluss. Hier der Versuch eines Überblicks:

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