Heizung, Dämmung und Co. Diese vier Folgen hat das Billig-Öl für Hausbesitzer

Beim Heizen sparen: Das funktioniert dank niedriger Energiekosten auch mit aufgedrehtem Thermostat

Beim Heizen sparen: Das funktioniert dank niedriger Energiekosten auch mit aufgedrehtem Thermostat

Foto: Corbis

Amerikaner, Russen, Saudis - sie alle pumpen so viel Öl aus dem Boden, dass der Preis für den schwarzen Rohstoff ins Bodenlose gestürzt ist. Von weit über 100 Dollar pro Fass im Jahr 2014 ging es zeitweise auf unter 30 Dollar hinunter, wenn auch zuletzt wieder ein wenig hinauf.

Doch das Rohstoff-Roulette dürfte sich fortsetzen. Da Ölfeld- und Minenbetreiber derzeit so viel Rohstoffe zutage fördern wie nur irgend möglich, dürfte sich der Preisverfall in diesem Jahr weiter fortsetzen. Davon geht zumindest die US-Großbank Goldman Sachs in einer Rohstoff-Studie aus.

Viel stärker als an der Tankstelle wirkt der Preisverfall für Hausbesitzer und Mieter. Denn die Steuern für Heiz-Brennstoffe liegen deutlich unter denen für Benzin und Diesel. Die Treibstoffe bleiben deshalb vergleichsweise teuer, Heizöl dagegen wird deutlich billiger.

Diese vier Folgen hat der Preisverfall für Hausbesitzer:

Für das Portemonnaie

Ein durchschnittlicher Haushalt kann beim Öl mehr als 1000 Euro im Jahr sparen

Ein durchschnittlicher Haushalt kann beim Öl mehr als 1000 Euro im Jahr sparen

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DPA

Finanziell ist der Preisverfall ein echter Segen für Hausbesitzer mit einer Ölheizung, zumindest kurzfristig. Derzeit zahlen Verbraucher für eine 3000-Liter-Tankfüllung nur noch 1392 Euro (Stand 8. März). Mitte 2014 waren es noch 2500 Euro.

Macht eine Ersparnis von mehr als 1100 Euro, die in größeren Häusern in einem Jahr zusammenkommen kann. Für dieses einbehaltene Geld kann ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt seine gesamte Jahres-Stromrechnung bezahlen.

Doch nicht nur Verbraucher mit Ölheizung profitieren vom Rohstoff-Preisverfall. Auch die Notierungen für Gas befinden sich im Sinkflug. An den Börsen kostet Erdgas nur noch gut 12 Euro pro Megawattstunde. Vor einem Jahr waren es noch etwa 23 Euro.

Gasanbieter nutzen jedoch die Trägheit der Verbraucher aus und senken die Preise nur langsam und nicht flächendeckend. Vergleichsportale helfen, einen günstigeren Anbieter zu finden.

Für die Wahl des Heizungssystems

Solarthermie-Anlage in Thüringen: Alternative Heiztechniken lohnen sich kurzfristig nur mit Fördergeldern

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Foto: Michael Reichel/ picture alliance / dpa

Ein dauerhaft niedriger Ölpreis ändert die Voraussetzungen für die Wahl eines Heizungssystems grundlegend. Tatsächlich ist Marktanteil von Ölheizungen 2015 auf 11,3 Prozent gestiegen, 2014 lag er laut Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie  noch bei 9,9 Prozent. Dabei geht der langjährige Trend weg von Ölheizungen. In Neubauten sind sie fast gar nicht mehr anzutreffen.

Doch ist Heizen mit Öl wirklich die billigste Lösung? Der interaktive Rechner  der Verbraucherzentrale legt nahe, dass das auch bei den derzeit niedrigen Preisen so nicht stimmt, jedenfalls nicht pauschal.

Demnach zahlen Bewohner eines mittelmäßig isolierten Hauses aus den 80er-Jahren 2250 Euro im Jahr fürs Heizen mit Öl (inklusive Betriebs- und Kapitalkosten für die Brennwert-Anlage). Wer sich für eine Gas-Brennwertheizung entscheidet, kommt auf 2180 Euro.

Schlechte Bedingungen für Pellets, Solarthermie und Wärmepumpen

Entscheidend ist aber, dass Verbraucher einen günstigen Gastarif wählen. In diesem Beispiel liegt er bei aggressiven 4,37 Cent pro Kilowattstunde. Grundversorger verlangen mitunter aber auch gern deutlich mehr als sechs Cent und zusätzlich eine üppige Grundgebühr.

Verschlechtert haben die niedrigen Ölpreise die Rechnung für alternative Heizsysteme wie Pellets, Solarthermie oder Wärmepumpen. Die vergleichsweise hohen Kapitalkosten für diese Systeme werden in der Regel durch geringere oder wegfallende Brennstoffpreise nicht wieder eingespielt. Eine Holzpelletheizung schlägt im Beispielhaus der Verbraucherzentrale mit 3840 Euro im Jahr zu Buche.

Dank zahlreicher Förderprogramme von KFW-Bank, Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle oder der Bundesländer können solche Anlagen in manchen Fällen dennoch auch bei niedrigen Ölpreisen wirtschaftlich für Hausbesitzer sein. Das gilt auch für Blockheizkraftwerke.

Für die Haussanierung

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Foto: Justin Sullivan/ Getty Images

Stetig steigende Energiekosten gelten als ein Hauptargument dafür, dass sich eine aufwändige Wärmedämmung oft lohnt, auch nachträglich für Altbauten. Was aber, wenn Öl und Gas auf längere Sicht so billig sind wie jetzt?

Klar ist, dass sich dann deutlich weniger Sanierungsprojekte rechnen. Das Umweltinstitut München hat ermittelt , dass sich die Dämmung eines durchschnittlichen Einfamilienhauses erst ab einem Ölpreis von über 70 Euro lohnt.

Und auch dann hat sich die Maßnahme erst nach 20 Jahren amortisiert. Sinkt der Heizbedarf wegen steigender Temperaturen weiter wie zuletzt, sieht die Rechnung noch einmal schlechter aus.

Wer für sich selbst kalkulieren will, findet hier  eine Excel-Tabelle vom Umweltinstitut (Link in der rechten Spalte).

Für die Planungssicherheit

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Letztlich sind die niedrigen Ölpreise eine Momentaufnahme. Sie können gewaltig in die Irre führen und Investitions-Entscheidungen provozieren, die sich als falsch herausstellen, wenn der Ölpreis wieder deutlich ansteigt.

Der Markt rechnet derzeit eher nicht damit, dass Öl rasch teurer wird. Kaufoptionen für das Jahr 2024 liegen bei etwa 52 Dollar pro Fass. Aber auch das ist letztlich nur eine Wettquote.

Volkswirte und Analysten haben praktisch jede erdenkliche Prognose im Angebot - kein Wunder angesichts politischer Spannungen, unsicherer Wachstumsaussichten für die Weltwirtschaft, aber auch potenziell disruptiver Technologien wie Elektroautos . Hausbesitzer müssen auch mit höheren Steuern oder Abgaben auf klimaschädliche Brennstoffe wie Öl und Gas rechnen. Planungssicherheit - Fehlanzeige.

Welche Heizung ist also die richtige? Welche Art von Dämmung lohnt sich? Hausbesitzer sollten immer ihre individuelle Lage prüfen: Die Art des Hauses, das Klima in der Umgebung, die finanziellen Möglichkeiten. Und was die künftigen Energiekosten angeht, ihrem fundierten Bauchgefühl vertrauen.