Erst 100 Prozent rauf, jetzt 25 Prozent abwärts Darum fällt der Ölpreis zurzeit wie ein Stein

Öl-Förderung in China: Die Nachfrage nach dem Rohstoff schwächelt weltweit - doch das Angebot bleibt hoch.

Öl-Förderung in China: Die Nachfrage nach dem Rohstoff schwächelt weltweit - doch das Angebot bleibt hoch.

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Dieser Umschwung ist wirklich drastisch: Seit seinem Tief Anfang 2016 war der Ölpreis zum Beispiel der US-Sorte WTI schon um mehr als 100 Prozent auf gut 75 Dollar je Barrel gestiegen. Anfang Oktober dieses Jahres setzte jedoch die Wende ein, seither fällt der Preis beinahe wie ein Stein. Das Minus auf aktuell gut 55 Dollar je Barrel (159 Liter) beträgt inzwischen mehr als 25 Prozent.

Zuletzt fiel der Ölpreis allein am Dienstag in der Spitze um 7 Prozent. Dies ist der stärkste Verlust innerhalb eines Tages seit mehr als drei Jahren. An zwölf Handelstagen in Folge ging es damit mit dem schwarzen Gold abwärts. So eine Minusstrecke hat es US-Medien zufolge seit Beginn des Future-Handels im März 1983 noch nicht gegeben.

Die Frage drängt sich auf: Wie kommt es zu diesem dramatischen Preisrutsch?

Nüchtern betrachtet ist es wohl eine klassische Marktreaktion, die aus dem Zusammenspiel von Nachfrage und Angebot entsteht: Während auf der einen Seite die Weltkonjunktur nach Jahren des Aufschwungs zunehmend schwächelt, was einen zusehends geringeren Ölverbrauch zur Folge hat, führt auf der anderen Seite vor allem ein merkwürdiges Hin und Her der USA bei den Sanktionen gegenüber dem Iran zu einer Ausweitung des Öl-Angebots auf dem Weltmarkt. Zusammen mit dem zuletzt wiedererstarkten US-Dollar, der die Öl-Nachfrage ebenfalls beeinträchtigt, sowie einigen weiteren Faktoren ergibt sich ein Bild, das den sinkenden Ölpreis nur logisch erscheinen lässt.

Zunächst zur schwindenden Nachfrage nach Öl: Wichtige Informationen dazu finden sich im jüngsten Monatsbericht des Förderkartells Opec. Demnach erwarten die Anbieter im kommenden Jahr nur noch eine tägliche Nachfrage nach Öl in Höhe von 31,5 Millionen Barrel weltweit. Das sind nicht nur 500.000 Barrel täglich weniger als die Opec noch vor zwei Monaten angenommen hatte. Es sind auch 1,4 Millionen Barrel weniger als die aktuelle globale Öl-Produktion, die Angebotsseite also.

Ursachen für die schwindende Öl-Nachfrage gibt es verschiedene. Eine wichtige Rolle spielt die allgemeine konjunkturelle Abkühlung - in Deutschland etwa schrumpfte die Wirtschaftsleistung zuletzt erstmals seit Anfang 2015 -, eine andere der US-Dollar. Weil Öl in Dollar gehandelt wird, verteuert es sich für Marktteilnehmer außerhalb des Dollar-Raums mit jedem Prozent, um das der Dollar-Kurs steigt. Und der Greenback hat zuletzt ordentlich zugelegt.


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Eine Folge: Wie Bloomberg berichtet, befindet sich der Öl-Preis der Sorte Brent zwar inzwischen in Dollar gerechnet auf Sicht des laufenden Jahres im Minus. Für Käufer, die beispielsweise im brasilianischen Real oder in der indischen Rupie rechnen, steht aber nach wie vor ein Preisanstieg im zweistelligen Prozentbereich zu Buche.

Hinzu kommen weitere Faktoren wie ein geringerer Bedarf der chemischen Industrie, die immerhin für rund 12 Prozent der weltweiten Öl-Nachfrage steht. Wie Bloomberg ebenfalls berichtet, ersetzen einige neue US-Fabriken das Öl-Derivat Naphtha seit einiger Zeit durch Ethan, das bei der Produktion von Schiefergas abfalle.

Die zweifelhafte Rolle des Donald Trump

Während also die Nachfrage nach Öl weltweit schwächelt, kommt es auf der Angebotsseite vor allem aufgrund unvorhergesehener Entwicklungen im Zusammenhang mit den Sanktionen der USA gegen Iran zu zusätzlichen Mengen. Ursprünglich hatten die USA Sanktionen gegen Iran in Kraft gesetzt, die das Land weitgehend vom Welt-Ölmarkt eliminiert hätten. Um die deshalb fehlenden Öl-Mengen auszugleichen, hatten die Opec-Staaten sowie deren Verbündete wie Russland bereits beschlossen, mehr Öl auf den Markt zu werfen.

Inzwischen haben die USA jedoch Ausnahmen gestattet, die es Importeuren gestatten, weiterhin Öl aus dem Iran zu beziehen. Eigentlich sind die Angebotssteigerungen von Ländern wie Saudi-Arabien also wieder weitgehend obsolet - doch noch zögern die Anbieter, ihren Schritt rückgängig zu machen.

Einen Grund dafür lieferten wiederum die USA: Dort twitterte US-Präsident Donald Trump jüngst, er hoffe, Saudi-Arabien und die Opec würden ihre Produktion nicht drosseln, schließlich müssten die Ölpreise Trump zufolge noch deutlich niedriger sein.

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Werden die Ölförderer also dem Druck Trumps nachgeben und den Ölhahn geöffnet halten? Oder folgen sie der Vernunft und versuchen mit Förderkürzungen den Markt zu stabilisieren?

Viele Experten halten Letzteres für erforderlich. Nach Einschätzung der ING Bank etwa ist eine Einschränkung der Fördermengen angesichts eines zu erwartenden Überangebots unausweichlich. Für eine Preiserholung bedarf es Signale der Opec, dass sie trotz der Trump-Kommentare zu einer Produktionskürzung bereit ist, meint auch die Commerzbank. Auch der saudi-arabische Ölminister Chalid al-Falih hatte am Montag bereits einen solchen Schritt für 2019 signalisiert. Dennoch ist der Druck aus Washington groß - schließlich besteht zwischen den USA und Saudi-Arabien ansonsten eine enge Bande.

"Präsident Trump wird die Opec weiter unter Druck setzen, so dass es für die Opec und Nicht-Opec-Ölanbieter schwierig bleibt, sich auf Förderkürzungen zu einigen", zitiert Bloomberg einen Rohstoffanalysten von Rakuten Securities in Tokio. Gleichzeitig sei die nachlassende Nachfrage auch vor dem Hintergrund des anhaltenden Handelskonflikts zwischen den USA und China kaum verwunderlich.

Zu allem Überfluss gibt es allerdings noch einen weiteren Faktor, der das Öl-Angebot aktuell stetig steigen lässt: In den USA nehmen Unternehmen zunehmend die Öl-Förderung aus Schiefergestein wieder auf. Laut Bloomberg dürfte dieser Trend in nächster Zeit weiter anhalten. Die Rekord-Förderung in den USA drücke bereits auf die Ölpreise, schrieben etwa die Analysten der Bank of America Merrill Lynch in einem Kommentar - und erwarten für das kommende Jahr einen Anstieg der US-Öl-Förderung auf mehr als zwölf Millionen Barrel pro Tag.

Auch dies also ein Faktor, der den Ölpreis weiterhin unter Druck setzen dürfte.

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