Donnerstag, 5. Dezember 2019

Zukunft der deutschen Thomas-Cook-Tochter gesichert Türkischer Reisekonzern kauft Öger Tours und Bucher Reisen von Thomas Cook

Thomas-Cook-Pleite: Zumindest für die Tochter Öger Tours und Bucher Reisen gibt es mit Anex Tour einen Käufer

Die Zukunft der deutschen Thomas-Cook-Töchter Bucher Reisen & Öger Tours ist nach Angaben der vorläufigen Insolvenzverwalter gesichert: Der türkische Reisekonzern Anex Tour übernimmt demnach den vor allem auf Türkeiurlaube spezialisierten Veranstalter Öger Tours sowie den Anbieter Bucher Reisen, der hauptsächlich auf Last-Minute-Angebote setzt. Beide Unternehmen sind seit 2018 verschmolzen. Der Verkauf muss noch von den Kartellbehörden genehmigt werden; über den Kaufpreis wurde den Angaben zufolge Stillschweigen vereinbart.

Die Mitarbeiter von Bucher Reisen & Öger Tours könnten damit "aufatmen", erklärten die Insolvenzverwalter am Mittwoch weiter. Anex Tour übernehme alle 84 Mitarbeiter an den beiden Unternehmensstandorten in Hamburg und Meerbusch in Nordrhein-Westfalen. Anex Tour sei der "ideale strategische Erwerber für diesen Reiseanbieter, der vom Portfolio her hervorragend passt", fügte die vorläufige Insolvenzverwalterin Julia Kappel-Gnirs hinzu.

Mitarbeiter von Öger und Bucher werden übernommen

Nun werde "auf Hochtouren" daran gearbeitet, dass der Reisebetrieb "so schnell wie möglich in den nächsten Wochen wieder aufgenommen werden kann", erklärte die für Öger Tours zuständige Geschäftsführerin der Bucher Reisen & Öger Tours GmbH, Songül Göktas-Rosat,i in Hamburg. Nach Angaben der Insolvenzverwalter können die nach dem Insolvenzantrag bereits abgesagten Reisebuchungen bei dem Reiseveranstalter allerdings "aus rechtlichen Gründen leider nicht wieder aufgenommen werden".

Bereits abgesagte Buchungen können nicht wieder aufgenommen werden

Mit dem Verkauf an Anex Tour schreitet die Zerschlagung der deutschen Thomas Cook, die im September in den Strudel der Pleite des britischen Mutterkonzerns gerutscht war, weiter voran. Erst am Dienstag hatten die Insolvenzverwalter mitgeteilt, dass die Kaufhauskette Galeria Karstadt Kaufhof 106 Reisebüros übernimmt. Mehr als 500 Arbeitsplätze würden damit gesichert.

Die Thomas Cook GmbH mit Marken wie Neckermann, Öger, Bucher und Air Marin hatte am 25. September Insolvenz angemeldet. 140.000 Urlauber saßen zeitweise an ihrem Urlaubsort fest.

Kunden von Thomas Cook, Öger und Bucher werden nur Teil des Geldes wiedersehen

Sie und weitere zehntausende Urlauber, die noch einen Urlaub bei Thomas Cook gebucht hatten, melden derzeit ihre Entschädigungsansprüche an. Das Versicherungsunternehmen Zurich muss aber nur bis zur gesetzlich vorgeschriebenen Summe von 110 Millionen Euro haften. Die Ansprüche aller Kunden sind deutlich höher.

Zurich will Anfang Dezember bekanntgeben, welchen Anteil seines Geldes jeder Kunde zurückbekommt. Es wird nur ein Teil der schon vorab gezahlten Summe sein. In der Politik wurde deshalb Kritik an der Unterversicherung der deutschen Thomas Cook laut.

Nach der Insolvenz der deutschen Thomas Cook nimmt die Finanzaufsicht Bafin die Absicherung von Kundengeldern bei anderen Reisekonzernen genauer unter die Lupe. Die Bafin stehe aktuell in engem Kontakt mit Versicherungsunternehmen, erklärte die Behörde am Mittwoch auf Anfrage. Dazu zähle auch der Deutsche Reisepreis-Sicherungsverein VVaG (DRS). Dieser sichert die Kundengelder von Branchenprimus Tui Börsen-Chart zeigen sowie des Wettbewerbers DER Touristik ab. Zu Details wollte sich die Bafin nicht äußern.

Nach Informationen des Reise-Fachmagazins "fvw" sowie des "Handelsblatts" fordert die Aufsicht eine Nachbesserung des DRS-Versicherungsmodells. Ein Tui-Sprecher bestätigte die Gespräche mit der Bafin: "Gemeinsam mit dem DRS schauen wir uns die Anforderungen der Bafin an - und was zu tun ist, um diese zu erfüllen. Es ist aber sicher, dass wir eine tragfähige Lösung finden werden." Details seien Gegenstand der laufenden Beratungen.

DER Touristik erklärte: "Sollte der Gesetzgeber eine andere Form der Insolvenzversicherung vorschreiben, so werden wir dies umsetzen." Die Rewe-Tochter betonte zugleich, die Situation von Thomas Cook sei nicht übertragbar. "Die DER Touristik ist profitabel, schuldenfrei und hoch liquide." Die Rewe Group einschließlich ihrer Touristik-Sparte "ist fernab jeder Insolvenzgefahr".

Tui und DER haften mit gegenseitiger Patronatserklärung

Die Unternehmen haben dem Bericht zufolge ihre Pauschalreisen nicht bei einer klassischen Assekuranz gegen Insolvenzschäden versichert. Vielmehr hafteten Tui und DER Touristik für den Fall einer Insolvenz mit einer gegenseitigen Patronatserklärung, schrieb das Blatt.

Die DRS - ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit - befinde sich in enger Abstimmung mit der Finanzaufsicht, zitierte das Blatt DRS-Vorstand Lothar Sturm. "In diesem Zusammenhang werden wir alle Möglichkeiten intensiv prüfen, auch die klassischen Instrumente des Rückversicherungsschutzes."

Mehr als 250 Millionen Euro Schaden bei Thomas Cook - nur ein Bruchteil versichert

Thomas-Cook-Kunden werden nur einen Teil ihrer Schäden erstattet bekommen. Der deutsche Veranstalter war bis 110 Millionen Euro versichert. Nach Angaben des Versicherers Zurich sind bis 1. November bereits etwa 150 000 Schadenmeldungen eingegangen im Volumen von mehr als 250 Millionen Euro. Derzeit werde die Schadenquote noch ermittelt, nach der die betroffenen Urlauber entschädigt würden.

Hinzu kämen die Kosten für die Rückholung von Urlaubern, die zum Zeitpunkt der Insolvenz mit der deutschen Thomas Cook unterwegs waren. In Deutschland gilt trotz Warnungen von Verbraucherschützern bislang eine Haftungsobergrenze von 110 Millionen Euro pro Jahr und Versicherung.

Neue Absicherung dürfte für Veranstalter deutlich teurer werden

Die Bafin bestätigte gegenüber dem Fachblatt "fvw", dass alle Versicherer - und der DRS ist ein solcher - eine nach der EU-Richtlinie Solvency II angemessene Kapitalunterlegung besitzen müssen. Das schließt ausdrücklich auch operationelle und Rechtsrisiken ein, die sich mit der Cook-Insolvenz erhöht haben. So werde nach der Cook-Pleite diskutiert, ob die Kosten für die Rückholung von Urlaubern aus dem 110 Mio. Euro Topf gezahlt werden oder zusätzlich zu zahlen sind. Dies würde das Risiko der Kundengeld-Absicherer erhöhen.

Laut fvw wird hinter den Kulissen mit Hochdruck an einer Lösung gearbeitet. Möglich sei zum Beispiel die Hereinnahme von Rückversicherern. Diesen stoße bislang allerdings auf, dass sich der Aufsichsrat des DRS aus Vertretern des DRV und der beim DRS versicherten Konzerne zusammensetzt, diese ihre Interessen also selbst kontrollieren. Ein zweite Option, die Auflagen der Bafin zu erfüllen, wären Bankbürgschaften. Sollten greifen, müssten sich die beim DRS beide Optionen nicht greifen, müssten sich die beim DRS abgesicherten Veranstalter am Markt einen neuen Kundengeld-Absicherer suchen. Jede dieser drei Varianten dürfte für die Veranstalter jedoch deutlich teurer werden als die jahrelang beim DRS praktizierte Variante.

la/dpa

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