Donnerstag, 5. Dezember 2019

Große Lücke bei der Rente OECD warnt vor Altersarmut von Frauen in Deutschland

Seniorin mit Job: Viele Frauen müssen auch im Alter noch hinzuverdienen, weil die Rente nicht ausreicht.

In keinem anderen europäischen Industrieland ist die Rentenlücke von Frauen nach einer Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) so groß wie in Deutschland. Frauen beziehen durchschnittlich 46 Prozent weniger Rente als Männer, wie aus der am Mittwoch veröffentlichten Studie hervorgeht. Der Durchschnitt der untersuchten 27 OECD-Länder liegt dagegen nur bei 25 Prozent. "Deutschland ist Schlusslicht", sagte die Leiterin der Abteilung Sozialpolitik, Monika Queisser. "Das kommt nicht aus dem Rentensystem, sondern aus dem Arbeitsmarkt."

So arbeiten Frauen in Deutschland besonders häufig in Teilzeit und erwerben dadurch geringere Rentenansprüche. Aber auch die großen Lohnunterschiede seien dafür mitverantwortlich. So liege der Lohnabstand von Frauen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen über dem Schnitt der OECD-Industriestaaten: Dem Statistischen Bundesamt zufolge beträgt er 21 Prozent. Dies alles führe dazu, "dass zukünftige Rentenansprüche von Frauen voraussichtlich weiterhin hinter denen von Männern zurückbleiben werden", so die OECD. Die Gefahr von Altersarmut sei daher groß.

Davon könnten in Zukunft mehr Menschen bedroht sein, insbesondere diejenigen mit atypischen Arbeitsverhältnissen oder unterbrochenen Erwerbsbiographien wie etwa Alleinerziehende. Aber auch viele Selbstständige zählten dazu, da sie in Deutschland im Gegensatz zu den meisten anderen OECD-Ländern nicht verpflichtet sind, eine Rentenversicherung zu haben. "Eine weitgehend einheitliche Rentenabsicherung für Arbeitnehmer, Beamte und Selbstständige, die in vielen anderen OECD-Ländern existiert, würde dazu beitragen, die Rentenabdeckung für gefährdete Gruppen zu erhöhen und Ungleichheiten in der sozialen Sicherung zu beseitigen", schlägt die OECD vor.

Unterdessen müssen wegen der Rentenerhöhung im kommenden Juli in Deutschland voraussichtlich rund 51.000 Rentnerinnen und Rentner erstmals Steuern zahlen. Demnach werden 2020 insgesamt rund 5,12 Millionen Senioren steuerpflichtig sein - fast jeder vierte Rentner. Das geht aus der Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage des Linken-Rentenexperten Matthias W. Birkwald hervor.

Nach einer vorläufigen offiziellen Prognose könnten die Renten zum 1. Juli 2020 in Westdeutschland um 3,15 Prozent und in Ostdeutschland um 3,92 Prozent steigen. Fällig wird die Steuer, wenn die Gesamteinkünfte eines Rentners über dem Grundfreibetrag (2020: 9408 Euro) liegen.

Die Zahl der steuerpflichtigen Rentner steigt kontinuierlich. Bis 2005 galt bei der Einkommensteuer ein Freibetrag von 50 Prozent der Rente. Seitdem steigt die Besteuerungsanteil der Rente um zunächst jährlich zwei Prozentpunkte. Bis zu diesem Jahr sank der Freibetrag auf 22 Prozent. Wer 2040 in Rente gehen wird, muss dann auf seine gesamten Renteneinkünfte Steuern zahlen. Im Gegenzug können seit 2005 Rentenbeiträge mehr und mehr vom steuerpflichtigen Einkommen abgezogen werden. Bis 2025 werden die Beiträge für den Aufbau der Altersversorgung steuerfrei sein.

Birkwald forderte unter anderem die Anhebung des Grundfreibetrags auf 12.600 Euro. "Niedrige Renten müssen steuerfrei bleiben", sagte er.

cr/rtr/dpa-afx

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