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Steuern und Abgaben: Die "Steueraxt" ist in Deutschland am schärfsten

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Abgabenlast in Industrieländern Weniger netto vom brutto - Deutschland in der Spitzengruppe

Nur in ganz wenigen Industrieländern muss ein unverheirateter, kinderloser Durchschnittsverdiener so viel an Staat und Sozialkassen abgeben wie in Deutschland. Im OECD-Ranking der Länder mit der höchsten Abgabenlast rangiert die Bundesrepublik in der Spitzengruppe.
Von mm-newsdesk

In Deutschland ist die Abgabenlast im vergangenen Jahr wieder gestiegen, sodass für Arbeitnehmer etwas weniger Geld vom Bruttolohn übrig blieb. Nach einer am Dienstag vorgelegten Studie der Industrieländer-Organisation OECD hat die Belastung der Arbeitseinkommen durch Steuern und Sozialabgaben sowie abzüglich staatlicher Zuschüsse im Jahr 2015 wieder minimal zugenommen.

Ein Angestellter mit Durchschnittsgehalt, unverheiratet und ohne Kind musste im vergangenen Jahr im Schnitt 49,4 Prozent abliefern. Im Kreis der 34 OECD-Länder rangiert Deutschland damit nach wie vor auf dem dritthöchsten Platz. Nur in Belgien und Österreich ist bei einem alleinstehenden Durchschnittsverdiener die Last höher.

2014 lag der Wert in Deutschland noch bei 49,3 Prozent der Arbeitskosten (Bruttoverdienst plus Sozialbeiträge der Arbeitgeber). Im Jahr 2000 waren es 52,9 Prozent. Nach den zuletzt kräftigen Lohnerhöhungen sind allerdings auch wieder mehr Einkommensteuern an den Fiskus geflossen. In der gesamten OECD sank die Durchschnittslast in diesem Zeitraum von 36,6 auf 35,9 Prozent.

Deutschland bei fast allen Einkommenstypen an der Spitze

Auch bei fast allen anderen untersuchten Haushaltstypen liege die Steuer- und Abgabenlast in Deutschland im OECD-Vergleich an der Spitze, heißt es. Die Experten kritisierten, dass Steuerregeln wie Ehegattensplitting oder die beitragsfreie Versicherung von nicht erwerbstätigen Partnern für Zweitverdiener die Anreize zur Jobaufnahme verringerten.

Abgesehen von Belgien sei die Steuer- und Abgabenlast für einen Zweitverdiener (bei zwei Drittel des Durchschnittsverdiensts, der andere Partner verdient durchschnittlich) so hoch wie in keinem anderen OECD-Land.

"Hohe Steuern und Abgaben für Zweitverdiener entmutigen vor allem Frauen, erwerbstätig zu werden", kritisierte Pascal Saint-Amans, OECD-Direktor für Steuerpolitik. "Bei der Gestaltung des Steuersystems sollte die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen stärker berücksichtigt werden." In jedem Fall sollte das Steuersystem bestehende Ungleichheiten nicht noch verstärken.

Hohe Steuern und Abgaben für Zweitverdiener

Schon in ihrem jüngsten Wirtschaftsbericht hatte die OECD Deutschland empfohlen, die Steuer- und Abgabenlast für Zweitverdiener zu senken. Durch einen gesonderten Freibetrag könnte die Steuerlast von Zweitverdienern verringert werden. Gleichzeitig könnten die Krankenversicherungsbeiträge auf der Grundlage der Zahl der versicherten Erwachsenen bemessen werden.

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Steuern und Abgaben: Die "Steueraxt" ist in Deutschland am schärfsten

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Die Gesamtbelastung für Arbeitnehmer und Arbeitgeber misst der sogenannte tax wedge ("Steuerkeil"). Dieser ergibt sich aus der Differenz zwischen den Lohnkosten des Arbeitgebers pro Mitarbeiter und dem Lohn, der dem Arbeitnehmer nach Steuern und Sozialabgaben sowie sozialen Transferleistungen verbleibt. Auch im vergangenen Jahr waren die Unterschiede zwischen den einzelnen OECD-Ländern groß. Für Alleinstehende ohne Kinder reicht der "Steuerkeil" von 55,3 Prozent der Arbeitskosten in Belgien bis zu einer Minimal-Belastung von lediglich 7 Prozent in Chile.

la/dpa/reuters
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