Mittwoch, 18. September 2019

Abkommen wird nach 20 Jahren nicht verlängert Notenbanken beenden Kooperation am Goldmarkt

Begehrter Glanz: Gold verfügt über zahlreiche Fans am Geldanlagemarkt.
Sven Hoppe / DPA
Begehrter Glanz: Gold verfügt über zahlreiche Fans am Geldanlagemarkt.

Das Goldabkommen führender europäischer Notenbanken wird nicht verlängert. Die Unterzeichner würden keinen Sinn mehr in einem formellen Abkommen sehen, da sich der Markt entwickelt habe und reifer geworden sei, teilte die Europäische Zentralbank (EZB) am Freitag in Frankfurt mit. Das vierte Goldabkommen wird am 26. September auslaufen. Es war von der EZB, den nationalen Notenbanken im Euroraum, der schwedischen Reichsbank und der Schweizerischen Nationalbank (SNB) unterzeichnet worden.

Das Abkommen sollte verhindern, dass einzelne Notenbanken in größerem Umfang Gold verkaufen und es dadurch am Goldmarkt zu Verwerfungen kommt. Das erste Abkommen war im Jahr 1999 abgeschlossen worden. Seitdem sei der Goldpreis um das Fünffache gestiegen, schreibt die EZB. Zudem hätten die unterzeichnenden Notenbanken seit einer Dekade kein Gold mehr verkauft. Vielmehr seien Notenbanken und andere offiziellen Institutionen zu Goldkäufern geworden. Derzeit plane keine der unterzeichnenden Notenbanken Verkäufe des Edelmetalls.

Hintergrund: Der Goldpreis Börsen-Chart zeigen ist in den vergangenen Monaten stetig gestiegen und notiert gegenwärtig bei 1418 Dollar je Unze. Es ist der höchste Stand seit 2013.

Beobachter führen den Aufschwung auf Unsicherheiten an den Finanzmärkten etwa wegen des Handelsstreits zwischen den USA und China sowie wegen des unklaren Brexits zurück. Gold gilt gemeinhin als "sicherer Hafen" für Anleger in unruhigen Zeiten.

Vor allem aber gilt die Aussicht auf sinkende Zinsen als Treiber für das Edelmetall, das sich als zinslose Geldanlage gegen verzinsliche Anleihen und Wertpapiere behaupten muss. Zentralbanken wie die US-amerikanische Fed oder die EZB gehen erneut zu einer lockeren Geldpolitik über, um die weltweit schwächelnde Konjunktur zu stützen.

Und: Auch als Käufer des Edelmetalls haben Zentralbanken in den vergangenen Jahren zum Anstieg des Goldpreises beigetragen. Vor allem die Notenbanken in Schwellenländern wie China oder Russland stocken ihre Bestände auf, unter anderem, um ihre Devisenreserven stärker zu streuen und die Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern.

cr/dpa

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