Sonntag, 15. Dezember 2019

Klimawandel Norwegens Staatsfonds soll nicht mehr in Öl und Gas investieren

Gasplattform in der Nordsee: Norwegen lebt von Öl und Gas, hadert aber mit dem Folgen des Klimawandels
AP / Statoil
Gasplattform in der Nordsee: Norwegen lebt von Öl und Gas, hadert aber mit dem Folgen des Klimawandels

Norwegens 600-Milliarden-Euro-Staatsfonds verdankt seinen Reichtum den Öl- und Gasreserven des Landes. Doch bald könnte er sein Geld aus Firmen abziehen, die von fossilen Rohstoffen leben. Was als Zeichen gegen den Klimawandel gedacht ist, dürfte in der Branche Schockwellen auslösen.

Hamburg - Die Situation entbehrt nicht einer gewissen Parodoxie. Ausgerechnet der norwegische Staatsfonds soll künftig nicht mehr in Firmen investieren, die ihr Geld mit Öl, Gas und Kohle verdienen - der Fonds, dessen 600-Milliarden-Euro-Vermögen ausschließlich aus dem Verkauf fossiler Rohstoffe stammt.

Das jedenfalls könnte das Ergebnis einer Untersuchung sein, die die konservative Regierung eingeleitet hat. Eine Expertengruppe soll herausfinden, ob der Staatsfonds auf diese Weise ein machtvolles Zeichen gegen den Klimawandel setzen könnte, oder ob er dieses Ziel besser als kritischer Anteilseigner der betroffenen Firmen erreicht.

"Der Fonds ist sehr groß, und so groß ist auch unsere Verantwortung", sagte der finanzpolitische Sprecher der Konservativen, Svein Flåtten laut einem Bericht der Financial Times (FT). Dem Regierungsbeschluss war Ende Februar ein gescheiterter Gesetzesantrag der linken Opposition voraus gegangen, der Investitionen in Kohleminenbetreiber verboten hätte.

Der Staatsfonds selbst reagierte gelassen auf die Entwicklung. "Es ist das Geld der Menschen. Sie und ihre politischen Vertreter entscheiden, was damit passiert", sagte Fondschef Yngve Slyngstad gegenüber der FT. Skeptischer äußerte sich demnach Zentralbankchef Øystein Olsen. Ohne die Öl- und Gasfirmen im Portfolio könnten die Erträge sinken und die Risiken wachsen. Derzeit machen Öl- und Gasfirmen 8,4 Prozent des Anlagebestandes des Fonds aus.

Einige möglicherweise betroffenen Firmen haben bereits nervös reagiert. Ein koordinierter Abzug der Gelder aus der Rohstoffbranche würde das Wachstum der Weltwirtschaft schwächen, sagte der Chef des Bergbaugiganten BHP Billiton Börsen-Chart zeigen, Andrew Mackenzie, laut einem Bericht des Sydney Morning Herald. Der norwegische Staatsfonds ist einer der drei größten Anteilseigner von BHP Billiton.

Offenbar fürchtet die Branche, dass ein Rückzug der Norweger der anschwellenden Debatte um die Zukunftsfähigkeit von Investitionen in fossile Brennstoffe Auftrieb geben würde. Zuletzt wurden verstärkt Stimmen laut, die Geldgeber vor unübersehbaren Risiken warnen. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis Regierungen die Nutzung von Öl, Gas und Kohle eindämmten, um dem Klimawandel Einhalt zu gebieten. Daher seien die Rohstoffreserven vieler Konzerne faktisch wertlos.

Der norwegische Staatsfonds ist traditionell ein Vehikel, über das Parteien und Organisationen weltweit gesellschaftlichen und politischen Einfluss nehmen wollen. So ist es dem Fonds bereits verboten, in die Zigarettenindustrie zu investieren. Auch viele Firmen in der Rüstungsindustrie stehen auf der Giftliste, darunter EADS Börsen-Chart zeigen. Aktien von Wal-Mart Börsen-Chart zeigen darf der Fonds wegen schlechter Arbeitsbedingungen in den Supermärkten ebenfalls nicht halten.

Dem wirtschaftlichen Erfolg des Fonds haben all diese Vorgaben bisher nicht wesentlich geschadet. In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Wert seiner Beteiligungen verfünffacht.

nis

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