Dienstag, 25. Juni 2019

Goldminen im Fusionsfieber Darum schwappt eine M&A-Welle über die Goldindustrie

Minenarbeiter mit Goldklumpen: In der Branche der Goldproduzenten gibt es bereits den zweiten großen M&A-Deal binnen kurzer Zeit.

Fusionsfieber in der Goldminen-Branche: Im September überraschte der kanadische Konzern Barrick Gold mit der Übernahme von Randgold, jetzt startet das US-Unternehmen Newmont, der bislang zweitgrößte Player in dem Geschäft, mit der Übernahme des kanadischen Konkurrenten Goldcorp ins neue Jahr. Was steckt dahinter? Und was kommt als nächstes?

Branchenkenner zeigen sich beinahe durchweg wenig verwundert von der Bewegung, die in die Goldminenindustrie gekommen ist. Er erwarte die Konsolidierung seit mindestens zwei Jahren, sagt etwa Sean Boyd, CEO des kanadischen Minenunternehmens Agnico Eagle Mines, in einem Interview mit Bloomberg TV. Es gebe einfach zu viele Firmen in der Branche - und zu wenige qualitativ hochwertige Abbaumöglichkeiten weltweit. Nach dem Barrick-Randgold-Deal sei die Übernahme von Goldcorp durch Newmont daher sinnvoll, so Boyd.

Auch Danny Dolan, Managing Director bei China Post Global, einem Anbieter unter anderem von Goldfonds mit Sitz in Hongkong, wundert sich nicht über die Konsolidierungswelle. Die Kostenkontrolle sei eine der größten Herausforderungen der Branche, meint Dolan.

Tatsächlich steht es mit vielen Goldminenunternehmen wirtschaftlich nicht eben zum Besten. Grund dafür ist vor allem die Entwicklung des Goldpreises, von dem in dem Gewerbe das Wohl und Wehe weitgehend abhängt. Zwar zog der Preis des Edelmetalls zuletzt auf gegenwärtig knapp 1290 Dollar je Unze wieder ein wenig an. Das lag vor allem an den weltweiten Konjunktursorgen und den damit verbundenen Unruhen an den Aktienmärkten. Auf die Aktienkurse der Minenunternehmen hat sich dieser leichte Goldpreisanstieg bereits positiv ausgewirkt.

Auf lange Sicht betrachtet befindet sich die Branche aber nach wie vor unter Druck, denn der Goldpreis ist von seinen Höchstkursen bei 1800 Dollar je Unze, die vor einigen Jahren erreicht wurden, noch immer weit entfernt.

Folge: Viele Goldproduzenten mussten in den vergangenen Jahren ihre Produktion zurückfahren und Stellen abbauen. Die Goldproduktion der aktuell nach Goldcorp greifenden Newmont Mining beispielsweise ging Zahlen von Statista zufolge von 6,5 Millionen Unzen im Jahr 2009 auf 5,6 Millionen im Jahr 2017 zurück. Bei Barrick Gold fiel der Output demnach von 7,8 Millionen Unzen im Jahr 2010 auf 5,3 Millionen im Jahr 2017.

Die Übernahme von Konkurrenten dient vor dem Hintergrund vor allem einem Zweck: Die Goldproduzenten versuchen, durch das Unternehmenswachstum die Kosteneffizienz ihres Betriebs zu verbessern. Und sie streben eine Optimierung ihrer Minenportfolios an, sprich: gewinnträchtige Minen rein, schwächere Abbaugebiete dagegen, die womöglich gar Verluste bringen, raus.

Die Goldminen reagieren damit zum Teil auch auf Druck, der ihnen von Seiten ihrer Anteilseigner gemacht wird. Einige der Aktionäre, die in den vergangenen Jahren wenig Freude an ihren Papieren hatten, forderten Kostensenkungen sowie die Konsolidierung der Branche bereits öffentlich. Die "Financial Times" beispielsweise berichtet von einer Gruppe um den US-Hedgefonds-Milliardär John Paulson, die im vergangenen Jahr den "Shareholders Gold Council" gegründet habe, um die Minen in Bewegung zu bringen.

Die aktuellen Deals dürften diesen Anlegern gerade recht sein: Bei der Übernahme von Goldcorp durch Newmont beispielsweise, durch die der gemessen am Output weltgrößte Goldförderer entstehen soll, beziffern die Beteiligten die möglichen Kostensenkungen im künftigen Konzern auf bis zu 100 Millionen Dollar pro Jahr. Um dieses Ziel zu erreichen, wird Newmont allerdings einige weniger attraktive Teile von Goldcorp verkaufen müssen. Wie das Unternehmen mitteilte, sollen Minen im Wert von bis zu 1,5 Milliarden Dollar abgestoßen werden. Newmonts CEO Gary Goldberg ließ am Montag bereits wissen, dass sich schon einige Interessenten bei ihm gemeldet hätten.

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