US-Notenbank will Zinsen noch 2015 erhöhen Fed-Chefin Yellen beschleunigt die Talfahrt des Euro

Anhörung im Kongress: Wann wird Fed-Chefin Yellen die Zinsen erhöhen?

Anhörung im Kongress: Wann wird Fed-Chefin Yellen die Zinsen erhöhen?

Foto: REUTERS

Am Devisenmarkt stehen die wirklich wichtigen Informationen mitunter weit hinter dem Komma. In dieser Woche ist das beispielsweise beim Euro-Dollar-Wechselkurs der Fall: Am vergangenen Freitag konnten Händler für einen Euro noch 1,12 Dollar kaufen.

Dann kam das Wochenende, an dem sich Griechenland mit seinen Geldgebern auf künftige Verhandlungen und mögliche Hilfen einigte. Damit ist der Austritt des Landes aus der Euro-Zone vorerst vom Tisch - und der Euro geriet am Montag unter Druck.

Die Folge: Inzwischen, keine Woche später, bekommen Devisenhändler für einen Euro nur noch etwa 1,10 Dollar oder weniger. Die Gemeinschaftswährung hat binnen weniger Tage rund 2 Prozent an Wert verloren. Und die Entwicklung könnte noch weiter gehen. Manch einer spekuliert schon wieder über die in Aussicht stehende Parität beider Währungen .

Genau genommen hat allerdings weniger der Euro verloren, als dass der Greenback entsprechend gewonnen hätte. Denn der Grund für die Wechselkursverschiebung liegt weniger darin, dass der Euro am Markt plötzlich schwächer eingeschätzt würde. Vielmehr hat der Griechenland-Deal vom Wochenende nach Meinung vieler den Dollar gestärkt.

Der Zusammenhang: Nachdem sich die US-Wirtschaft seit geraumer Zeit erholt, erwarten die Finanzmärkte die erste Zinsanhebung seitens der US-Notenbank Fed nach einer langen Phase extrem niedriger Zinsen. Dieser Zinsschritt würde verstärkt Investorengelder in die USA locken und damit der US-Währung Auftrieb geben.

Bislang zögerte die Fed jedoch mit der Entscheidung für höhere Zinsen. Ein Grund war die nach wie vor labile US-Konjunktur. Ein anderer aber auch die Situation in der Euro-Zone mit der Krise um Griechenland und dem drohenden Austritt der Hellenen aus dem Euro. Ein solcher "Grexit", so die Sorge, könnte das Weltfinanzsystem destabilisieren, weshalb es besser sei, vorerst an niedrigen Zinsen festzuhalten.

Seit dem vergangenen Wochenende ist der "Grexit" jedoch vorerst kein Thema mehr. Damit, so das Kalkül an den Finanzmärkten im Laufe dieser Woche, gibt es für die Fed einen Grund weniger, die Zinserhöhung weiter zu verschieben. Vielfach wird nun erwartet, dass die Fed die Zinsen bereits im September erhöhen und den Greenback damit weiter stärken wird.

Für die US-Konjunktur hat ein starker Dollar indes nicht nur Vorteile. Zwar können Amerikaner im Ausland günstiger einkaufen. Zudem verbilligen sich Importe in die USA. Gleichzeitig werden US-Produkte und Dienstleistungen im Ausland aber auch teurer. Insbesondere multinationale US-Konzerne mit umfangreichem Auslandsgeschäft dürften das zu spüren bekommen.

Begonnen hatte der Dollar-Höhenflug schließlich schon im vergangenen Jahr. Noch im April 2014 stand der Euro bei rund 1,40 Dollar - dann ging es abwärts.

In der kommenden Bilanzsaison dürfte sich die Dollar-Stärke daher erneut bemerkbar machen. Das britische Finanzunternehmen Barclays etwa erwartet, dass die Umsätze der Firmen aus dem US-Index S&P 500 allein aus diesem Grund um etwa 3 bis 4 Prozent geringer ausfallen als ohne den Währungseffekt.

Die "Financial Times"  zitiert einen Barclays-Analysten mit der Einschätzung, die buchhalterische Anpassung ausländischer Umsätze von US-Firmen in Dollar aufgrund von Wechselkursverschiebungen könnte im zweiten Quartal 2015 so groß sein wie nie zuvor.

Wie wird sich die Fed in der Zinsfrage also entscheiden? Wichtige Hinweise lieferte am heutigen Mittwoch Notenbank-Chefin Janet Yellen bei ihrem halbjährlichen Auftritt vor dem US-Kongress. "Wenn sich die Wirtschaft entwickelt wie von uns erwartet, dürften es die Wirtschaftsbedingungen zu einem bestimmten Zeitpunkt in diesem Jahr ermöglichen, die Leitzinsen zu erhöhen", sagte Yellen vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses in Washington.

Zinserhöhung also wohl noch 2015 - der Dollar legte nach den Äußerungen Yellens noch einmal erheblich zu (siehe Chart).

Fed-Chefin Yellen sieht Zinserhöhung noch 2015 - so reagiert die Börse

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