Preise und Anlagerendite fallen Munich Re rechnet mit Gewinnrückgang

Von mm-newsdesk
Erlösquellen verlieren an Kraft: MunichRe Chef Nikolaus von Bomhard sieht sein Unternehmen mit einem scharfen Wettbewerb auf dem Rückversicherungsmarkt und zugleich schwachen Renditen auf dem Kapitalmarkt konfrontiert. Das macht die Lage der Rückversicherer nicht einfacher

Erlösquellen verlieren an Kraft: MunichRe Chef Nikolaus von Bomhard sieht sein Unternehmen mit einem scharfen Wettbewerb auf dem Rückversicherungsmarkt und zugleich schwachen Renditen auf dem Kapitalmarkt konfrontiert. Das macht die Lage der Rückversicherer nicht einfacher

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Die Munich Re stellt sich wegen des Zinstiefs und der Erwartung wieder steigender Kosten für Naturkatastrophen auf sinkende Gewinne ein. Der Preiskampf auf dem Rückversicherungsmarkt werde anhalten und die Kapitalanlage schwierig bleiben, zeigte sich der Vorstand überzeugt. Die Aktionäre will der Konzern mit einer höheren Dividende und Aktienrückkäufen bei Laune halten.

Im laufenden Jahr werde ein Überschuss von 2,5 bis 3,0 Milliarden Euro erwartet, teilte der weltgrößte Rückversicherer am Mittwoch mit. Der Finanzvorstand hatte bereits bei Vorlage der vorläufigen Zahlen Anfang Februar durchblicken lassen, dass der Konzern 2015 wenig verdienen wird, aber keine Prognose gewagt. 2014 fiel der Gewinn - wie bereits bekannt - wegen des Preiskampfs in der Branche und den Problemen bei der Erstversicherungstochter Ergo um knapp 5 Prozent auf 3,15 Milliarden Euro.

Der Preiskampf auf dem Rückversicherungsmarkt werde anhalten. Eine Trendwende bei den Erneuerungen im April und zum 1. Juli sei nicht zu erwarten, sagte Konzernchef Nikolaus von Bomhard zur Bilanz-Vorstellung am Mittwoch. Bereits bei zurückliegenden Neuverhandlungen von Verträgen waren die Preise gefallen.

Branchenfremde Anbieter wie Hedgefonds oder Pensionskassen, die auf der Suche nach Rendite ins Geschäft mit Katastrophenversicherungen eingestiegen sind, sind ein Grund für den Preiskampf. Zudem erzeugt die relativ geringe Zahl an Großschäden in letzter Zeit und die sinkende Nachfrage der Erstversicherer Druck auf die Preise. Die Münchener Rück will sich aber auf keine Rabattschlacht einlassen und im Zweifel lieber auf Neugeschäft verzichten.

Rendite schmilzt dahin - Kapitalanlage bleibt äußerst schwierig

Bei der Anlage der Gelder sei die Situation wegen rekordniedriger Zinsen ebenfalls schwierig. "Im Kapitalanlagebereich erachten wir die Risikozuschläge, die wir zurzeit sehen, in der Breite nicht mehr als risikoadäquat." Der Konzern plane deshalb auch in diesem Bereich keine nennenswerte Ausweitungen der Risiken.

Da das Unternehmen viele langfristige Anleihen halte, könne es dem Niedrigzinsumfeld zwar ein Stück weit trotzen. Bei der Neuanlage von Geldern müsse der Konzern jedoch Abschläge hinnehmen, erklärte Finanzchef Schneider. "Bei der Wiederanlage hatten wir noch bis 2011 eine drei vor dem Komma, 2014 2,4 Prozent und zu aktuellen Marktbedingungen liegen wir knapp unter zwei Prozent", sagte Finanzchef Schneider.

Das Anleihenkaufprogramm der EZB dränge private Investoren aus vielen Anlageklassen. "Diese Politik, die auf eine Geldschwemme setzt, bedroht Sparer und alle Formen der Altersvorsorge", so Schneider.

Einen möglichen Weg aus dem Anlagedilemma könnten Investitionen in Infrastrukturprojekte weisen. Bisher habe der weltgrößte Rückversicherer hier lediglich 1,8 Milliarden Euro investiert, sagte Konzernchef von Bomhard. "Wir können uns vorstellen, bis zu acht Milliarden in diesem Bereich anzulegen."

Die Europäische Union und die Bundesregierung wollen, dass Versicherer und andere Investoren in Zukunft mehr Geld zum Bau von Straßen, Brücken und Windparks beisteuern. Da angesichts niedriger Zinsen auf Staatsanleihen viele Investoren Geld in Infrastrukturprojekte stecken wollen, seien große Zuwächse für die Münchener Rück derzeit aber nicht möglich, erklärte von Bomhard. "Problematisch für die Anleger ist derzeit, dass der Markt auf der Nachfrageseite überbesetzt ist und man sich bei großen Projekt auf den Zehen steht." Die Münchener seien deshalb derzeit schwerpunktmäßig bei mittelgroßen Projekten aktiv.

Milliarden-Aktienrückkauf soll Aktionäre bei Laune halten

Weitere Aktienrückkäufe sollen die Aktionäre bei Laune halten. Das Management kündigte das dritte Aktienrückkaufprogramm in anderthalb Jahren an. Von Ende April bis zur übernächsten Hauptversammlung 2016 sollen Papiere im Wert von bis zu einer Milliarde Euro erworben werden.

Viele Rückversicherer wollen derzeit nicht alle ihre Mittel am hartumkämpften Rückversicherungsmarkt oder für Übernahmen einsetzen - und schütten das Geld deshalb lieber an ihre Eigentümer aus. Swiss Re hat kürzlich ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu einer Milliarde Franken und eine Sonderdividende für 2014 angekündigt. Auch die Aktionäre der Hannover Rück dürfen sich auf eine Extra-Ausschüttung freuen.

rei/dpa/rtr