Mittwoch, 27. Mai 2020

Gestoppte Aktienrückkäufe, gestrichene Dividenden In der Krise halten Konzerne das Geld zusehends zusammen

Der weltgrößte Rückversicherer ist gut kapitalisiert, hält auch in der Krise an seiner geplanten Dividende fest, doch die Aktienrückkäufe stellt der Konzern wie viele andere Unternehmen auch vorerst ein.

Heftige Kursverluste, gestrichene oder aufgeschobene Dividenden, gestoppte Aktienrückkäufe - Aktionäre haben in der Corona-Krise nichts zu lachen. Wer derzeit Bankentitel im Depot hat, spürt dies besonders. Doch auch Konsumgüter-Konzerne und Versicherer halten in der Krise mittlerweile lieber ihr Geld zusammen.

Auf Geheiß der Europäischen Zentralbank haben diese Woche zahlreiche Banken ihre Dividendenzahlungen ausgesetzt. Die Commerzbank, die niederländischen Institute ABN Amro, ING, Rabobank, die italienische Unicredit sowie zahlreiche kleinere Geldhäuser im Euro-Raum hatten zu Wochenbeginn angekündigt , vorerst kein Geld an Aktionäre auszuschütten.

Die EZB hatte die Banken aufgefordert, wegen der Pandemie bis mindestens 1. Oktober keine Dividenden für 2019 und 2020 zu zahlen. Die Institute sollten das Geld nutzen, um in der Virus-Krise Haushalte und Unternehmen mit Krediten zu stützen und ihre eigene Stabilität zu gewährleisten. Auch die deutsche Finanzaufsicht drängt die Banken zur Aussetzung der Dividenden. Einzelne Banken wie Unicredit haben zudem angekündigt, vorerst kein Geld für Aktienrückkäufe auszugeben.

Adidas setzt Aktienrückkäufe aus, will aber weiter Dividende zahlen

Dem Beispiel folgen nun auch Adidas Börsen-Chart zeigen und der weltgrößte Rückversicherer Munich Re Börsen-Chart zeigen. Adidas wollte eigentlich bis zum Ende des Jahres für bis zu einer Milliarden Euro eigene Aktien zurückkaufen, das Programm stoppte der Sportartikelhersteller am Dienstag, um der Corona-Krise seine finanzielle Flexibilität zu erhalten, wie er gestern mitteilte.

An der geplanten Dividendenzahlung aber hält Adidas bislang fest, schickt wegen der geschlossen Läden zugleich 1200 Beschäftigte in die staatlich subventionierte Kurzarbeit und zahlt stellt vorerst die Mietzahlungen für einen Großteil seiner Läden ein.

Munich Re hält an Dividende fest trotz gestrichener Jahresprognose

Am Mittwoch nun kündigte der Rückversicherer Munich Re Börsen-Chart zeigen an, den laufenden Aktienrückkauf zu stoppen. Trotz der gestrichenen Jahresprognose hält der weltgrößte Rückversicherer an der geplanten Dividende fest.

Im ersten Quartal sorgten vor allem der Ausfall und die Verschiebung von Großveranstaltungen für hohe Schäden in der Schaden- und Unfallrückversicherung. Von Januar bis März rechnet Munich Re daher nur noch mit einem Gewinn in niedriger dreistelliger Millionen-Euro-Höhe. Vor einem Jahr hatte der Konzern hier noch 633 Millionen Euro verdient. Auch das Gewinnziel von 2,8 Milliarden Euro für das Gesamtjahr werde die Munich Re aus heutiger Sicht nicht erreichen, wie der Konzern mitteilte.

Der Hauptversammlung am 29. April soll unverändert eine auf 9,80 Euro pro Aktie steigende Dividende vorgeschlagen werden. Das im Februar 2020 angekündigte Aktienrückkaufprogramm 2020/2021 wird allerdings bis auf Weiteres ausgesetzt, bis mehr Klarheit darüber besteht, wie viel der Konzern an Belastungen zu tragen hat und wie viel Kapital das Unternehmen womöglich für Investitionen oder Zukäufe braucht.

Die Solvenzquote, die die Finanzkraft des Rückversicherers angibt, liege derzeit "komfortabel" im angestrebten Korridor von 175 bis 220 Prozent der Anforderung - auch nach den Schäden und den Turbulenzen an den Kapitalmärkten.

rei mit Nachrichtenagenturen

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