Geldanlage Riesen-Schiffsfonds von MPC Capital ist pleite

Neuer Schock für Anleger in der laufenden Schifffahrtskrise: Ein 400-Millionen-Euro-Fonds von MPC Capital und der Hamburger Reederei Offen ist pleite. Betroffen sind mehr als 2000 Anleger - sie drohen nun ihre komplette Einlage zu verlieren.
Von Wolfhart Fabarius
MPC-Tanker "Longchamp": Das Hamburger Emissionshaus meldet die Insolvenz von sieben Containerschiffen

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Foto: DPA

Hamburg - Gekämpft wird um das Schicksal der Santa-R-Schiffe von MPC Capital und der Hamburger Reederei Claus-Peter Offen schon lange - doch nun ist das Ende offenbar besiegelt: In einem Schreiben, das in diesen Tagen an die Anleger geht, teilt die MPC-Treuhandgesellschaft TVP mit, dass die Fondsgeschäftsführungen sowohl der Beteiligungsgesellschaft MS Santa-R Schiffe mbH & Co. KG als auch der sieben Schifffahrtsgesellschaften am 4. November 2013 Insolvenzanträge gestellt haben.

Damit sind sämtliche Sanierungsversuche gescheitert. Eine "sowohl für die Gesellschafter als auch für die Banken umsetzbare Lösung" sei "nicht zu erzielen", schreibt MPC in dem Papier, das manager magazin online vorliegt. Über das weitere Vorgehen werde der Insolvenzverwalter entscheiden.

Betroffen von der Pleite sind laut MPC 2300 Anleger. Sie hatten 2001 und 2002 insgesamt 92 Millionen Euro Eigenkapital in einen Dachfonds eingezahlt, der in die sieben 4112-TEU-Containerschiffe investierte. Das Gesamtvolumen des Fonds, inklusive Bankdarlehen, betrug fast 400 Millionen Euro.

Nun drohen die Investoren ihre komplette Einlage zu verlieren. In dem Anlegerbrief schreibt TVP, was die Insolvenz für die Anleger bedeutet: Sie erhalten nicht nur keine Rückflüsse mehr. Der Insolvenzverwalter werde vielmehr "sehr wahrscheinlich auch noch bereits gezahlte Ausschüttungen zurückfordern". "Da wir davon ausgehen müssen, dass das eingesetzte Kapital verloren ist, verbleibt den Gesellschaftern (...) lediglich der Steuervorteil aus den Anfangsjahren (...)", so das Schreiben.

Lange Leidensgeschichte

Der Pleite geht eine lange Leidensgeschichte voraus. Im Jahr 2002 wurden die sieben Frachter auf der koreanischen Samsung Werft gebaut und in Dienst gestellt. Die Schiffe sind mit 1300 Kühlcontaineranschlüssen für 40-Fuß Einheiten ausgestattet und sollten langfristig von P&O Nedlloyd eingesetzt werden: Von Nordeuropa via Australien, Neuseeland und die Ostküste der USA zurück nach Europa, in 70 Tagen um die Welt.

Nach der Übernahme von P&O Nedlloyd durch Maersk wurde dieser Dienst eingestellt. Weiter ging es für die Schiffe im Feederdienst von Australien und Neuseeland nach Süd-Ostasien. Innerhalb der ersten sechs Betriebsjahre fuhren die Frachter bei einer Charterrate von 24.500 Dollar pro Tag 53 Prozent Liquiditätsausschüttungen ein, 5 Prozentpunkte mehr als geplant.

Ende des vergangenen Jahrzehnts gerieten die Schiffe in den Strudel anhaltend niedriger Charterraten. Anstatt Kauf- oder Charteroptionen zu ziehen, lieferte Maersk die Frachter zurück. Im Jahr 2010 wurden die Gesellschafter angehalten, ein Fünftel des ursprünglichen Eigenkapitals nachzuschießen, was 2011 auch geschah.

Erneute Kapitalnachschüsse gefordert

Doch schon im Frühjahr des Folgejahres versuchte die Reederei Claus-Peter Offen, eine zweite Kapitalnachschussrunde einzuläuten, da "für das Jahr 2012 trotz der im letzten Jahr erfolgreich durchgeführten Kapitalmaßnahme weder die vollständige Dockkosten (sämtliche sieben Schiffe müssen in 2012 die sehr kostenintensive 10-Jahresdockung, (also Inspektion, Anm. d. Red.), durchführen) noch den Kapitaldienst leisten können", schrieb Offen damals an die Anleger. Auch für das Jahr 2013 bestehe bei der kalkulierten Ratenannahme von 18.000 US-Dollar pro Tag zusätzlicher Kapitalbedarf.

In der ersten Sanierungsrunde hatten vier Fondsschiffe frisches Kapital benötigt. Nun bestehe für alle Frachter Handlungsbedarf. Doch diesmal kamen statt der geforderten 23 Millionen Euro nur 9,8 Millionen Euro zusammen - zu wenig, um die Banken zufrieden zu stellen. Im Mai 2013 sahen die Verantwortlichen die Verhandlungen als gescheitert an.

Im Juni sahen sich die Anleger erneut mit der Forderung konfrontiert, innerhalb eines neuen Finanzierungskonzepts 23 Millionen Euro aufzubringen - ein letzter verzweifelter Versuch, bei dem 54 Prozent der erforderlichen Summe zusammenkamen. Auch das war den Banken zu wenig, zumal sich laut Offen aufgrund der weiterhin rückläufigen Märkte "die Ertrags- und Liquiditätslage der Gesellschaft zunehmend schwieriger" wurde. Die Charterraten hatten sich im Sommer auf 8000 Dollar pro Tag verschlechtert.

Offen beglich nach eigenem Bekunden akuten Liquiditätsbedarf mit rund drei Millionen Euro. Doch jetzt schreibt die Reederei den Anlegern: "Nunmehr musste die Geschäftsführung feststellen, dass es nicht mehr möglich erscheint, die Gesellschafter auf der einen und die Banken auf der anderen Seite zu einer für beide Seiten akzeptablen Lösung zu führen und war deshalb aufgrund der gesetzlichen Vorschriften verpflichtet, die Insolvenzanträge zu stellen."

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