Freitag, 6. Dezember 2019

Kanzlei Mossack Fonseca Deutschstämmiger Anwalt gründete Panama-Kanzlei

Kanzlei Mossack Fonseca in Panama City

Die von einem deutschstämmigen Anwalt gegründete Kanzlei Mossack Fonseca aus Panama ist seit gut 40 Jahren spezialisiert auf Briefkastenfirmen. Die Daten der jetzt enttarnten Superreichen stammen aus dieser Kanzlei. Den Vorwurf der Geldwäsche weist sie zurück.

Mehr als elf Millionen brisante Dokumente aus Panama geben Einblick in die Geschäfte internationaler Superreicher. Die Daten entstammen der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca aus Panama. Ramón Fonseca Mora bestätigte im Fernsehsender TVN: "Wir wurden gehackt. Das ist ein Verbrechen." Gleichzeitig verteidigte er sich gegen Vorwürfe: Sein Unternehmen helfe nicht bei Geldwäsche oder Steuerhinterziehung. Die Kanzlei gründe lediglich Firmen und verkaufe sie dann an Banken, Vermögensverwalter oder Anwälte. Eine Geschäftsbeziehung zu den Endkunden bestehe nicht, so der Fonseca Mora.

Nach eigenen Angaben beschäftigt das Unternehmen mehr als 500 Mitarbeiter auf der ganzen Welt. Tätig ist die Kanzlei in Belize, den Niederlanden, Costa Rica, Großbritannien, Malta, Hong Kong, Zypern, den Britischen Jungfern-Inseln, Bahamas, Panama, Anguilla, Seychellen, Samoa und den US-Bundesstaaten Nevada und Wyoming.

Mossack Fonseca bietet zudem Rechtsberatung unter anderem in den Bereichen Finanzen, geistiges Eigentum und öffentliche Ausschreibungen an. Außerdem setzt die Kanzlei Treuhandfonds und private Stiftungen auf und verwaltet sie.

Gegründet wurde die Kanzlei 1977 von dem deutschstämmigen Rechtsanwalt Jürgen Mossack. In Fürth geboren wanderte er laut "Süddeutschen Zeitung" als Kind mit seiner Familie nach Panama aus. 1986 tat er sich mit dem Panamaer Ramón Fonseca Mora zusammen. Der Anwalt, Schriftsteller und Politiker war bis vor kurzem Berater von Staatschef Juan Carlos Varela. Wegen Ermittlungen gegen Mossack Fonseca in Brasilien lässt er seine Beratertätigkeit derzeit ruhen.

Die Staatsanwaltschaft Panamas leitete Ermittlungen zu den Vorwürfen ein. Die Regierung Panamas versicherte unterdessen ihre Kooperation bei der Aufklärung der Finanzgeschäfte. "Die panamaische Regierung verfolgt eine Null-Toleranz-Politik in allen Bereichen des Rechts- und Finanzwesens, wo nicht mit einem höchsten Maß an Transparenz gearbeitet wird", hieß es in einer Erklärung des Präsidialamts.

"So einen tiefen Einblick in das Geschäft von Steueroasen noch nicht gehabt"

Der Leiter des Rechercheverbundes von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" und frühere Spiegel-Chefredakteur, Georg Mascolo, sagte am Abend bei "Anne Will", er gehe davon aus, dass die Sprengkraft des Datenlecks "ganz erheblich" sei. Mascolo verwies darauf, dass "wir einen solchen Einblick in das Geschäft dieser Steueroasen bisher in diesem Umfang nicht gehabt haben".

Die Daten legen demnach Offshore-Geschäfte von insgesamt 140 Politikern und hohen Amtsträgern aus aller Welt offen. In den Unterlagen tauchten auch Namen von Spionen, Drogenhändlern und anderen Kriminellen auf. Zudem hätten zahlreiche Prominente und Sportstars wie etwa Lionel Messi Offshore-Firmen genutzt.

Der Name Wladimir Putin wird in den Dokumenten nicht erwähnt. Doch laut "Süddeutscher Zeitung" und dem britischen "Guardian" soll ein Netzwerk aus Briefkastenfirmen in den engsten Zirkel um den russischen Präsidenten führen.

Die Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes FIFA bestätigte der Deutschen Presse-Agentur interne Vorermittlungen gegen ihr Mitglied Juan Pedro Damiani aus Uruguay. "Ja, der Bericht ist richtig. Ich kann bestätigen, dass wir eine sogenannte Voruntersuchung in die Wege geleitet haben", sagte der Sprecher der ermittelnden Kammer der Ethikkommission, Roman Geiser. Weitere Details nannte er nicht.

Die Daten wurden der "Süddeutschen Zeitung" zugespielt. An der Auswertung beteiligten sich etwa 400 Journalisten aus fast 80 Ländern.

jul/rei/dpa

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