Starke zweite Börsenliga MDax schlägt Dax - warum die Kleinen meist besser sind

Auch in diesem Jahr schneiden an der Börse die Unternehmen der zweiten Reihe deutlich besser ab als die Top-Konzerne aus dem Dax. Warum ist das so? Und wie können Anleger profitieren?
Bundeskanzlerin am Messestand von MDax-Konzern Kuka: Viele Unternehmen aus der zweiten Reihe sind weltweit erfolgreich

Bundeskanzlerin am Messestand von MDax-Konzern Kuka: Viele Unternehmen aus der zweiten Reihe sind weltweit erfolgreich

Foto: Getty Images

An der Börse lässt sich in diesem Jahr erneut ein Schauspiel verfolgen, das erfahrene Beobachter kaum noch überrascht: Wie schon häufig zuvor ist der MDax dem Dax weit enteilt. Sprich: Die Unternehmen aus der zweiten Reihe laufen der ersten Börsenliga den Rang ab.

Seit Jahresbeginn liegt der deutsche Leitindex Dax  trotz der jüngsten Erholung noch um rund 7 Prozent im Minus. Der MDax  der 50 nächstkleineren Werte hat es dagegen im Börsenjahr 2016 schon wieder ins Plus geschafft - dank einer fulminanten Aufholjagd seit Mitte Februar. Binnen 7 Wochen legte der MDax rund 15 Prozent zu und hängte damit sogar den US-Leitindex Dow Jones ab.

Neu ist das nicht: Immer wieder zeigt sich der MDax am Aktienmarkt robuster. In schwachen Phasen gibt er weniger von seinem Wert ab, und im Aufschwung kann er deutlicher hinzugewinnen.

Doch woran liegt das? Und wie ist die weitere Perspektive? Hier die wichtigsten Antworten:

Warum MDax-Chefs die besseren Performer sind

Im Dax mag die Crème der deutschen Unternehmenslandschaft gelistet sein, doch im MDax befinden sich viele ihrer heimlichen Stars. Gemeint sind zum Beispiel Firmen aus den starken deutschen Branchen Automobil- und Maschinenbau, wie die Stuttgarter Dürr AG , die DMG Mori Seiki, hinter der sich die frühere Gildemeister verbirgt, sowie Krones , Kuka  oder MAN .

"MDax-Firmen gelten als wesentlich wachstumsstärker, flexibler und wendiger, gerade bei konjunkturellem Gegenwind", sagt Burkhard Wagner, Vorstand der Partners Vermögensmanagement AG in München. "Oftmals handelt es sich noch um eigentümergeführte Gesellschaften mit langjährigen Familienbeteiligungen." Der Vorteil, so Wagner: Fehlentscheidungen des Managements treffen bei solchen Unternehmen hauptsächlich den Großaktionär. "Daher gibt es sie seltener, diese Fehlentscheidungen", sagt der Finanzprofi.

Zudem gilt: Branchen, die gerade in letzter Zeit vor allem schlechte Nachrichten verbreitet haben, wie etwa der Bankensektor oder die Versorger, sind im MDax kaum vertreten. Auch das trägt zur guten Performance bei.

"Der MDax ist im Vergleich zum Dax stärker in den konjunkturzyklischen Branchen Automobil, Maschinenbau, Elektro und Chemie vertreten", sagt Bernd Heimburger, Geschäftsführer beim Vermögensverwalter Gies & Heimburger in Bad Krozingen. "Das hat über Jahre zur Outperformance des MDax beigetragen."

Das ist die Gewinnerbranche im MDax

Eine Branche, die in den vergangenen Jahren einen besonderen Boom erlebte, ist die Immobilienwirtschaft. Niedrige Zinsen und die große Nachfrage nach Betongold-Investments sorgten bei den Unternehmen für gute Geschäfte und Kursgewinne.

Die Folge: In den Dax zog mit Deutschlands größtem Wohnungsvermieter Vonovia  2015 erstmals ein Immobilienkonzern ein - im MDax dagegen ist bereits seit Längerem knapp ein halbes Dutzend dieser Firmen vertreten. Die Kursgewinne von Unternehmen wie der Deutschen Wohnen oder Alstria Office in den vergangenen Wochen trugen wesentlich zur stabilen Entwicklung des Index bei.

Das Zauberwort für den Kursanstieg ist ...

Sobald an der Börse über mögliche Unternehmenskäufe oder Fusionen spekuliert wird, treibt das in der Regel die Kurse der fraglichen Firmen an. Auch davon profitiert der MDax stärker als der Dax. Denn zum Kauf kommen naturgemäß eher kleine Unternehmen in Frage.

"Übernahmen sind im MDax naturgemäß ein größeres Thema als etwa im Dax", sagt ein Portfoliomanager zu manager magazin online. "Das liegt schlicht daran, dass kleinere Firmen leichter zu schlucken sind als größere."

Ein Beispiel: Als der Geldautomaten-Hersteller Wincor Nixdorf im vergangenen eine Offerte von seinem US-Konkurrenten Diebold erhielt, sprang die im MDax notierte Wincor-Aktie binnen eines Tages um 15 Prozent in die Höhe.

Darum hilft der schwache Euro vor allem dem MDax

Eines der Megathemen an den Finanzmärkten ist der allmähliche Verfall des Euro-Kurses. Kostete ein Euro 2011 noch fast 1,50 Dollar, so sind es inzwischen nur noch 1,12 Dollar.

Das mag auf den ersten Blick unerfreulich erscheinen, für viele Firmen im MDax ist es aber eine gute Nachricht. Zu nennen sind wiederum die Vertreter aus dem Automobil- und Maschinenbausektor, die einen Großteil ihrer Produkte außer Landes verkaufen. Durch den Euro-Rutsch werden deutsche Güter im Ausland günstiger - das kann die Geschäfte ankurbeln.

Auch Jan-Patrick Weuthen, Portfoliomanager bei B&K Vermögen in Köln, beobachtet: "Im letzten Jahr gab es mit dem schwachen Euro und den niedrigen Rohstoffpreisen eher konjunkturelle Gründe für die bessere Performance des MDax gegenüber dem Dax. Dieses Jahr sind es vor allem die hohen Abflüsse der Petro-Dollars zu Jahresanfang, die vor allem die liquiden und hochkapitalisierten Dax-Werte stärker unter Druck brachten."

Index als Durchlauferhitzer

Eigentlich ist es logisch: Will ein Unternehmen an die Spitze, so muss es sich zunächst dort hinauf arbeiten - und der Weg nach oben führt über den MDax. Immer wieder kommt es vor, dass Aktien im Mittelklasse-Index eine starke Performance hinlegen, weil sich die Unternehmen in der Wachstumsphase befinden. Im Idealfall schaffen sie dann den Absprung in den Dax - wo der Aufschwung irgendwann nachlässt.

Auch so lässt sich ein Teil der Outperformance des MDax gegenüber dem Dax erklären. Jüngstes Beispiel ist der Immobilienkonzern Vonovia. Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren vor allem durch Zukäufe ein enormes Wachstum hingelegt. So stieg der Aktienkurs von 2013 bis 2015 in der Spitze um mehr als 100 Prozent. Seit die Vonovia-Aktie jedoch im vergangenen Jahr in den Dax wechselte, geht es nur noch deutlich langsamer voran.

Die Aussicht - lohnt das MDax-Investment?

Die Fachleute geben sich optimistisch: "Wir empfehlen auch weiterhin strategischen Aktieninvestoren Firmen aus dem MDax", sagte etwa Vermögensverwalter Wagner. "Gerade in Zeiten fehlender Anlagealternativen gibt es dort für deutsche Investoren attraktive Investments, mit denen man sich als Anleger auch gut identifizieren kann." Zur Direktanlage eignen sich seinen Angaben zufolge die Metro-Aktie sowie MTU, K+S, Hella und Covestro. Ansonsten rät Wagner zum Kauf von Fonds- oder ETF-Anteilen.

"Wir raten grundsätzlich dazu einem Portfolio aus Blue-Chips auch Nebenwerte beizumischen", sagt auch Investmentprofi Heimburger. Einschränkend macht er allerdings auf die geringere Liquidität des Marktes aufmerksam, weswegen er "die Gewichtung in Nebenwerten überschaubar halten würde".

Und noch etwas gibt es zu beachten: MDax-Werte gelten derzeit gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis als höher bewertet, als der Dax. Auch das ein Grund zur Vorsicht. Einen guten Rat hat Portfoliomanager Weuthen von B&K in Köln parat. "Die Volatilität der Märkte wird bleiben", sagt er. "Darum sehen wir die Möglichkeit, Ende April bis spätestens Mitte Juni 3 bis 5 Prozent unter den aktuellen Kursen zu investieren."

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