Mittwoch, 16. Oktober 2019

Journalisten-Netzwerk enthüllt Mauritius lockt als Steueroase - offenbar auch Bob Geldof

Mauritius - Urlaubs- und offenbar auch Steuerparadies
Getty Images/EyeEm
Mauritius - Urlaubs- und offenbar auch Steuerparadies

Gut drei Jahre nach der Veröffentlichung der "Panama-Papers" mit Enthüllungen über teils illegale Steuerflucht vor allem in der Karibik steht nun die Insel Mauritius als Steuerparadies im Fokus. Dies geht aus internen Unterlagen des Finanzdienstleisters Conyers Dill & Pearman hervor, die dem International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) zugespielt worden sind, berichtet die

"Süddeutsche Zeitung".

Sie belegen nach Angaben des Recherche-Verbunds, dass gerade den Staaten Afrikas viele Steuergelder entgehen. In dem Zusammenhang wird auch der Name des prominenten Afrika-Aktivisten und Musikers Bob Geldof genannt, der sich zunächst nicht dazu äußerte. Die einstige französische Kolonie Mauritius liegt im Indischen Ozean, rund 2000 Kilometer vom afrikanischen Kontinent entfernt.

Das ICIJ hat etwa 200.000 Dokumente, die von den Neunzigerjahren bis ins Jahr 2017 reichen, zusammen mit der SZ und etwa 50 Journalisten aus insgesamt 18 Ländern ausgewertet und veröffentlicht die Ergebnisse unter dem Titel Mauritius-Leaks.

Bob Geldorf: Der Musiker und Begründer des legendären Live-Aid-Wohltätigkeitskonzertes zugunsten afrikanischer Staaten, macht angeblich Geschäfte in einer Steueroase - zulasten afrikanischer Staaten

Die ehemalige französische Kolonie Mauritius liegt östlich vom afrikanischen Kontinent im Indischen Ozean. Lebte die Insel viele Jahre vom Export des Zuckerrohrs, sollten nach der Unabhängigkeit in den 1968er Jahren neue Einnahmequellen her. In den 90er Jahren schließlich brachte die damalige Regierung ein Gesetz auf den Weg, dass quasi 0 Prozent Steuern auf Gewinne vorsah und die Gründung von Briefkastenfirmen ermöglichte.

Bis heute werden Dividenden oder Lizenzen auf der Insel - wenn überhaupt - nur marginal mit einer Quellensteuer belastet, schreibt die SZ weiter. Gleiches gelte für Kapitalertragssteuern. Offenbar besonders verlockend: Mauritius habe kein öffentliches Firmenregister, in dem sich online nach Firmen recherchieren ließe.

Die Hilfsorganisation Oxfam sieht den eigentlichen Skandal in der Gesetzmäßigkeit der Steuertricks und forderte neben transparenten Steuersystemen einen weltweiten Mindeststeuersatz. "Regelmäßig werden neue schmutzige Tricks bekannt, mit denen sich internationale Konzerne und Superreiche davor drücken, ihren fairen Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten - auf Kosten gerade auch armer Länder", meinte Oxfam-Kampagnenmanager Jörn Kalinski. Die Bundesregierung müsse beim laufenden Prozess zur Reform des globalen Steuersystems im Industrieländerklub OECD für Sanktionen gegen Steueroasen eintreten.

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Das EU-Parlament hatte zuletzt Ende März einen entschiedeneren Kampf gegen Steuerhinterziehung und Finanzkriminalität und die Schaffung einer europäischen Finanzpolizei gefordert. Durch Steuervermeidung und Steuerflucht entgehen allein den europäischen Staaten nach Schätzungen jährlich hunderte Milliarden Euro.

rei mit dpa

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