Millionenskandal um Malte Hartwieg weitet sich aus Dünnes Bärtchen in dünner Luft

Geänderte Medienpolitik: An Finanzunternehmer Hartwieg ist kaum heranzukommen

Geänderte Medienpolitik: An Finanzunternehmer Hartwieg ist kaum heranzukommen

Foto: [M] mm.de; Dima24

Feinster Zwirn, 1-A-Umgangsformen und das schmale Oberlippenbärtchen stets millimetergenau getrimmt - der Fondsvertriebler Malte André Hartwieg ist ein Verkäufer wie er im Buche steht. Es gab Zeiten, da konnte er seinen Namen gar nicht häufig genug in den Fachblättern des grauen Kapitalmarktes lesen. Das ist allerdings lange her - inzwischen ist es für Medienvertreter beinahe unmöglich, an Hartwieg heranzukommen.

Der einstmals umtriebige Finanzunternehmer hat vermutlich anderes zu tun. Zum Beispiel seine Haut retten in einem Anlageskandal der größeren Art. In dem Debakel um die Firmen dima24, NCI und Selfmade, die Hartwieg vor Jahren ins Leben rief, wird die Luft für ihn immer dünner. Demnächst, das ergeben Recherchen von manager-magazin.de, dürften in diesem Komplex Schadensersatzforderungen auf ihn zukommen, die seine bisherigen Probleme wohl deutlich übersteigen.

Und damit nicht genug: Inzwischen tritt auch in der bisher noch einigermaßen unauffälligen Münchener Hartwieg-Gründung Euro Grundinvest, einem Emissionshaus von Immobilienfonds, die Schieflage deutlich zu Tage. Eine weitere Baustelle, auf der der gelernte Maurer Hartwieg wohl künftig sein Geschick wird beweisen müssen.

Mit der Lage von zahlreichen Unternehmen aus Hartwiegs einstigem Konglomerat beschäftigt sich seit geraumer Zeit Rolf G. Pohlmann, Rechtsanwalt in München. Nachdem mehrere Dutzend Gesellschaften unter den Firmierungen dima24, NCI, Selfmade und anderen seit September 2014 Insolvenz angemeldet hatten, war Pohlmann vom Gericht als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt worden.

Das Anlegergeld ist zum größten Teil wohl weg

Zwar ist es Pohlmann, der sich mit Wirtschaftskriminalverfahren bereits einen Namen gemacht hat, angesichts des Dickichts an Unternehmensverflechtungen bis heute nicht gelungen, sich einen vollständigen Durchblick zu verschaffen. Einige grundsätzliche Erkenntnisse hat er aber bereits gewonnen - und die klingen für die Anleger, die ihr Geld in Hartwiegs Reich gesteckt haben, sowie für den Spiritus Rector selbst alles andere als verheißungsvoll.

Insgesamt 150 bis 200 Millionen Euro an Ersparnissen von mehreren Tausend Anlegern stecken in den von Pohlmann durchleuchteten Firmen, sagt der Jurist zu manager.magazin.de. "Dieses Geld ist zum größten Teil erst mal weg", so Pohlmann.

Der Grund: Hartwieg hat seine Fondsprodukte so konstruiert, dass die Anlegergelder, die beispielsweise für Öl- und Gasinvestments in Nordamerika sowie für Infrastrukturanlagen in den Vereinigten Arabischen Emiraten gedacht waren, in der Regel zunächst an unabhängige Zielgesellschaften im Ausland flossen. So verließen sie die Einflusssphäre des hiesigen Managements und sind damit nun auch für den vorläufigen Insolvenzverwalter nicht greifbar. Was mit den Geldern tatsächlich geschehen ist, kann Pohlmann auch deshalb nicht sagen.

"Hartwieg verweist auf seine Investmentmanager im Ausland", sagt Pohlmann. "Nur diese seien für die Anlagen verantwortlich gewesen." Ein bereits fest vereinbarter Gesprächstermin mit einem dieser Manager sei allerdings kurzfristig geplatzt.

Eine solche Firmenkonstruktion ist aus Anlegersicht zwar höchst unvorteilhaft - unerlaubt ist sie jedoch nicht unbedingt. Entscheidender dürfte daher sein: Rechtsanwalt Pohlmann glaubt bereits nach seiner bisherigen Analyse, dem Management der Unternehmensgruppe auch innerhalb Deutschlands "zivilrechtliche Pflichtverletzungen" nachweisen zu können.

Hartwieg drohen Schadensersatzforderungen vom Insolvenzverwalter

Das wird die betroffenen Anleger schon eher erfreuen - im Gegensatz zu Unternehmensgründer Hartwieg. Denn verantwortlich für die Firmen war zur fraglichen Zeit maßgeblich auch er. Mögliche Schadensersatzansprüche seitens eines demnächst zu benennenden endgültigen Insolvenzverwalters dürften sich daher gegebenenfalls auch gegen Hartwieg richten.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Pohlmann macht zudem auf verschiedene Vermögenswerte aufmerksam, die er sowie die Staatsanwaltschaft in dem Fall bereits sichergestellt haben. Auch diese Werte könnten letztlich herangezogen werden, um Ansprüche zu befriedigen, so der Jurist. Tatsächlich dürfte sich mit den Gegenständen und Geldern der vermutliche Schaden aber nur zu einem Bruchteil begleichen lassen.

Hintergrund: Die Staatsanwaltschaft München - auch das eine Front, an der Hartwieg zu kämpfen hat - ermittelt seit Mitte 2014 wegen Betrugsverdachts gegen den Finanzmann. Im Juli des vergangenen Jahres wurden Privat- und Firmenräume Hartwiegs durchsucht. Dabei froren die Staatsanwälte Konten ein und pfändeten Versicherungen. Zudem nahmen die Ermittler die bei solchen Gelegenheiten üblichen Besitztümer in Gewahrsam: Teure Münzen, Gold, eine Luxus-Armbanduhr und verschiedene edle Füllfederhalter.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft machen auch deutlich, dass die Euro Grundinvest, eine weitere Firma aus Hartwiegs Reich, von den mutmaßlichen Umtrieben des Gründers keineswegs unberührt ist. Im Bundesanzeiger haben die Strafverfolger im Zuge von Bekanntmachungen im August dieses Jahres einen Vorgang veröffentlicht, der vielen Euro Grundinvest-Anlegern die Haare zu Berge stehen lassen dürfte.

Millionen wandern über Polen nach Liechtenstein

Demnach soll Hartwieg im April 2014 Anlegergelder aus Euro Grundinvest-Genussrechten in Höhe von 15 Millionen Euro, die eigentlich für Immobilien bestimmt waren, zweckentfremdet haben. Laut Staatsanwaltschaft leitete Hartwieg das Geld über Polen zum Großteil nach Wien und Liechtenstein, um damit Gold sowie Unternehmensanteile zu erwerben.

Als wäre das noch nicht genug, erreichte die Anleger von Euro Grundinvest in diesen Tagen die nächste Hiobsbotschaft. Das Management des Unternehmens, das die Geschäfte vor einiger Zeit von Hartwieg übernommen hat, bittet die Investoren, sämtliche in der Vergangenheit erhaltenen Ausschüttungen wieder zurück zu überweisen. Dabei dürfte es in der Summe um Gelder in Millionenhöhe gehen.

Zum Hintergrund: Euro Grundinvest hat in den vergangenen Jahren etwa ein halbes Dutzend geschlossene Immobilienfonds aufgelegt. Zudem sammelte das Unternehmen Anlegergelder über Genussrechte ein. Insgesamt haben Anleger bis zu 70 Millionen Euro in Euro Grundinvest-Beteiligungen gesteckt, schätzt Anwalt Stefan Forster von der Münchener Kanzlei Lachmair, der sich intensiv mit der Causa Hartwieg beschäftigt.

Mögliche Millionenlücke bei Euro Grundinvest

Investiert wurde das Geld laut Unternehmensangaben vor allem in verschiedene Wohnimmobilien im Münchener Raum sowie in ein Hotel auf Mallorca. Doch Anwalt Forster hat große Zweifel, dass die Investitionen zu Rückflüssen in erforderlicher Höhe führen können. Es drohe am Ende womöglich eine Lücke in zweistelliger Millionenhöhe.

Ein Grund dafür dürften auch die mit in der Regel zweistelligen Prozentsätzen vom eingezahlten Eigenkapital üppigen Weichkosten der Beteiligungen sein. Zudem gewährte Euro Grundinvest großzügige Vorabausschüttungen, noch bevor auch nur ein Euro Gewinn erwirtschaftet worden war.

Dazu passen auch die Angaben, die das jetzige Euro Grundinvest-Management in seinen Schreiben an die mehreren hundert Anleger macht. Die Schieflage der Fonds sei lange bewusst verschleiert worden, steht in den Briefen, von denen manager-magazin.de einer vorliegt. Verantwortlich dafür seien die früheren Geschäftsführer, darunter - namentlich genannt: Malte André Hartwieg.

Auch aus dieser Richtung also Ungemach für den gepflegten Finanzvertriebler. Doch was sagt Hartwieg selbst zu alldem?

Gegenüber manager-magazin.de jedenfalls nichts. Hartwieg antwortete nicht auf eine Anfrage an die einzige von ihm bekannte Mailadresse, die unter Journalisten kursiert. Mehrere an der Causa beteiligte Personen wollten zudem - wohl aus verschiedenen Gründen - nicht helfen, an Hartwieg heranzukommen. Dabei machte einer, der es wissen muss, deutlich, dass von Hartwiegs Seite der Kontakt zu Medien offenbar bewusst vermieden wird. Das war, wie gesagt, vor einigen Jahren noch ganz anders.

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manager-magazin.de / Wochit
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