Montag, 1. Juni 2020

Ministerpräsident warnt vor heimlichen Aktienkäufen Ist die Lufthansa ein Übernahmekandidat?

Flugzeuge am Boden, Aktie am Boden: Der seit Monaten anhaltende Lockdown im Zuge der Corona-Epidemie bringt die Lufthansa in existenzielle Not.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier hat die mögliche Milliarden-Staatshilfe für die Lufthansa verteidigt und vor einer Übernahme der Airline durch ausländische Wettbewerber gewarnt. "Es ist richtig, dass wir der Lufthansa helfen müssen. Sie muss in Deutschland bleiben", sagte Bouffier der "Rheinischen Post". "Wir müssen aufpassen, dass niemand heimlich die Lufthansa-Aktien aufkauft und dann Druck auf den Konzern ausübt. Wettbewerber kommen aus China, den USA und den Golfstaaten."

Tatsächlich hat Europas größte Airline, wie indes andere Fluggesellschaften auch, an der Börse enorm an Wert verloren - seit Februar mehr als die Hälfte. Die Lufthansa Börsen-Chart zeigen ist mit einer Marktkapitalisierung von 3,7 Milliarden Euro nur noch ein Leichtgewicht im Dax, kein anderes Unternehmen in der ersten Börsenliga weist einen niedrigeren Börsenwert auf. Selbst in der zweiten Börsenliga MDax Börsen-Chart zeigen ist gut die Hälfte der Unternehmen mehr wert als die Lufthansa.

Trotz des niedrigen Aktienkurses dürfte eine Übernahme der Airline derzeit aber nicht auf der Tagesordnung stehen. Zum einen ist die Auswahl für einen potenziellen Investor groß - auch andere Luftfahrtgesellschaften liegen am Boden. Und noch ist unklar, unter welchen Bedingungen und zweifelsohne anhaltenden Belastungen es angesichts der Corona-Pandemie für die Passagierluftfahrt weitergehen wird.

Gesetz macht Übernahme wenig interessant

Zum anderen schützt das Luftverkehrsnachweissicherungsgesetz vor einer vollständigen Übernahme. Die Mehrheit der Lufthansa-Aktien muss dem Gesetz zufolge in deutscher oder europäischer Hand bleiben, sonst verlöre die Airline ihre Betriebserlaubnis oder Luftverkehrsrechte - das wäre dann ein schlechtes Investment.

Zuletzt war der Münchener Unternehmer Heinz Hermann Thiele bei der Lufthansa eingestiegen und besitzt mittlerweile 10 Prozent der Anteile. Thiele ist über seine Investmentgesellschaft KB Holding auch Großaktionär bei den Industrieunternehmen Vossloh und Knorr Bremse. Wieviel Einfluss Thiele bei der Lufthansa nehmen will und wird, ist nicht klar.

Der Milliardär könnte allerdings seine Anteile - etwa wenn es der Lufthansa wieder besser geht - zweifelsohne irgendwann weiterreichen und dann ein gutes Geschäft machen. Doch könnte er jetzt in der Krise genauso zum Verbündeten und dauerhaft verlässlichen Ankerinvestor der deutschen Airline werden.


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Deutschland brauche eine im Weltmaßstab wettbewerbsfähige Airline - mit guten wirtschaftlichen Strukturen und sozialen Verpflichtungen, sagte Bouffier dem Bericht zufolge weiter. Der Konzern könne aber nicht erwarten, dass der Staat das Geld gebe und keinen Einfluss in Grundsatzfragen wie zum Beispiel Boni habe. Aus unternehmerischen Entscheidungen sollte sich die Politik aber heraushalten.

Die Lufthansa ist wegen der Folgen der Corona-Pandemie stark unter Druck geraten und verhandelt derzeit mit dem Bund über Staatshilfe in Höhe von neun Milliarden Euro. Im Gegenzug sind eine Staatsbeteiligung von rund 25 Prozent sowie Aufsichtsratsmandate im Gespräch. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte vor einem zu großen staatlichen Einfluss auf den Konzern gewarnt.

mit dpa

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