Ausfälle wegen Corona Flugtickets im Wert von vier Milliarden Euro noch nicht erstattet

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat sich für die verzögerte Rückzahlung des Kaufpreises für stornierte Flugtickets entschuldigt. Auch die Lufthansa-Gruppe schuldet ihren Kunden noch einen Milliardenbetrag.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat sich für die verzögerte Rückzahlung des Kaufpreises für stornierte Flugtickets entschuldigt. Auch die Lufthansa-Gruppe schuldet ihren Kunden noch einen Milliardenbetrag.

Foto: picture alliance/dpa

Viele Verbraucher warten noch auf die Erstattung der Flugkosten für Reisen, die sie wegen der Corona-Krise nicht antreten konnten. Die Rückerstattung läuft schleppend - dies hatten kürzlich auch der Lufthansa-Chef Carsten Spohr und Condor-Chef Ralf Teckentrup mit Verweis auf die große Anzahl der Stornierungen eingeräumt und sich dafür entschuldigt. Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands (DRV) geht es allein in Deutschland um Flugtickets im Wert von rund vier Milliarden Euro.

Diese Stornierungen würden aktuell von den Fluggesellschaften nicht bearbeitet und könnten damit auch nicht an die Kunden zurückgezahlt werden, sagte eine DRV-Sprecherin der "Bild"-Zeitung (Dienstag). Nicht nur die Reisenden warteten auf ihr Geld.

"Die Folgen dieses Verhaltens der großen Fluggesellschaften sind für die für den Flugticketverkauf lizenzierten Vertriebspartner existenzbedrohend. Sie geraten in eine wirtschaftliche Notlage, weil die Fluggesellschaften ihrer Verpflichtung zur Rückzahlung nicht oder nur zögerlich nachkommen", sagte die DRV-Sprecherin.

"Was da passiert, ist eine Frechheit"

Das Verhalten der Fluggesellschaften erzürnt mittlerweile auch die Bundesregierung. "Was da passiert, ist eine Frechheit", sagte der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß (CDU). Mit Blick auf die Milliardenhilfen für Fluggesellschaften in der Corona-Krise fügte er hinzu: "Und das von Unternehmen, deren Zukunft von der Solidarität und Hilfe der Allgemeinheit abhängt." Bareiß erklärte weiter: "Die Fluggesellschaften haben eine rechtliche Verpflichtung ihren Kunden gegenüber, und ich erwarte, dass die auch erfüllt wird", sagte der Tourismusbeauftragte.

Die Bundesregierung hatte Ende Mai eine Regelung für eine freiwillige Gutscheinlösung auf den Weg gebracht. Demnach können Reiseanbieter und Reisebüros den Kunden für Pauschalreisen, die wegen der Corona-Pandemie entfielen, anstelle der unverzüglichen Erstattung der Vorauszahlung auch Gutscheine im entsprechenden Wert anbieten. Die Reisenden können selbst entscheiden, ob sie den Gutschein annehmen. Lehnen sie ihn ab, behalten sie ihren Kostenerstattungs-Anspruch.

"Wenn alle auf Auszahlung bestehen, wird es für manche Airline hart"

Bundesverbraucherschutzministerin Christine Lambrecht (SPD) warb unlängst für das schnelle Einlösen solcher Gutscheine. Zwar müssten Fluglinien ausgefallene Reisen innerhalb von sieben Tagen erstatten, wenn die Kunden keine Gutscheine akzeptierten, sagte Lambrecht. Sie fügte aber hinzu: "Wenn alle auf einer Auszahlung bestehen, wird es für manche Airline hart."

Die Verbraucherzentrale Hessen hatte Fluggesellschaften Ende Mai Rechtsbruch vorgeworfen. Sie rät betroffenen Verbrauchern, die Rückzahlung schriftlich und mit einer zweiwöchigen Frist einzufordern. "Reagiert die Airline gar nicht, haben Sie die Möglichkeit, ein gerichtliches Mahn- oder Klageverfahren zu führen, wobei man allerdings immer auch das Kosten- und Insolvenzrisiko im Blick behalten sollte. Eine Strafanzeige wird jedenfalls keine schnellere Rückerstattung bewirken", erklärte Verbraucher-Anwalt Peter Lassek.

rei mit dpa